Monoposto

Lotus F1 Team will anderes sein. Oder auch nicht!

Zum Betrieb eines Formel-1-Teams gehört auch die kommerzielle Seite. Denn die Teams leben davon, die Flächen auf ihren rollenden Werbeträgern meistbietend zu verkaufen. Nur Teams wie das legende Hesketh-Team, finanziert vom ebenso vermögenden wie exentrischen Lord Alexander Hesketh, konnten sich anders verhalten. Doch das ist inzwischen gut 40 Jahre Vergangenheit. Heute gibt es kein Team, das nicht auf Geldgeber angewiesen ist. Selbst Ferrari, als Bestandteil des FIAT-Konzerns finanziell traditionell auf Rosen gebettet, und Red Bull werben um Fremdmittel.

Besonders intensiv arbeitet Lotus auf diesem Sektor. Das fängt mit dem Namen des ehemalige Toleman-, Benetton-, Renault-Teams an. Der Bezug zum Autohersteller Lotus ist ein Vertrag zur Nutzung des Namens, der bis zum Jahr 2017 läuft. Wie sich das Team dann nennen wird, ist völlig offen – also verhandelbar. Hinter dem Team steht das luxemburgische Investmentunternehmen Genii Capital. Die Kapitalanlagegesellschaft übernahm das Team Ende 2009 von Renault.

Seit dem versucht die „Heuschrecke“ in der Formel 1 Geld zu verdienen. Im Kampf um Aufmerksamkeit ist den Verantwortlichen offensichtlich jedes Mittel recht. Nach dem das Team nicht an den offiziellen Testfahrten in Jerez teilnahm, kehrte es erst in dieser Woche auf die Strecke zurück. Die Teams der Formel 1 dürfen pro Jahr 100 Kilometer für Filmaufnahmen fahren. Auch wenn dabei nur spezielle Reifen genutzt werden dürfen, kann man das auch zum Testen nutzen.

Gerade in diesem Jahr gar keine schlechte Idee.

Denn in Jerez standen die Renault-Kunden mehr in der Box, als sie auf der Strecke waren. Die Antriebseinheiten von Renault hatten noch nicht den Reifegrad der Aggregate von Mercedes und Ferrari. Daher ist der Filmtest von Lotus eine gute Gelegenheit für Renault, um vor den nächsten offiziellen Testfahrten neue Motorteile auszuprobieren.

Lotus wies in dieser Woche mit zwei lustigen Videos auf die Testfahrten hin. Zunächst gab es am Anfang der Woche ein Video, in dem sich zwei Mechaniker über eine Tätigkeit aufregten, die die Teamleitung von Ihnen verlangte. Zu sehen war, dass sie etwas am Heck des Formel 1 Rennwagens anbrachten. Wobei offen blieb, was genau sie im Heck des Boliden montierten.

Gestern folgte dann dieses Video:

Jetzt war klar, dass die beiden Mechaniker eine Anhängerkupplung am Lotus montiert haben. Lustig, aber keine ganz neue Idee. Denn bereits 1986 begrüßten die Zakspeed Mechaniker ihren niederländischen Piloten Huub Rothengatter mit einer am Zakspeed 861 angebrachten Anhängerkupplung.

Dieser Tweet wurde gestern über den Twitter-Zugang von Lotus F1 veröffentlicht.
Dieser Tweet wurde gestern über den Twitter-Zugang von Lotus F1 veröffentlicht.

Damit nicht genug, denn am Abend legte Lotus nochmal nach. Zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi, wo im Sommer auch ein Formel-1-Rennen stattfinden wird, wies das Team über Twitter auf die Unterdrückung Homosexueller hin. Grundsätzlich bemerkenswert, wenn Unternehmen auch politisch Stellung beziehen.
[divider]

Doch in diesem Fall ist das billig

Kurze Zeit später verschwand der Tweet und es folgte eine Entschuldigung.
Kurze Zeit später verschwand der Tweet und es folgte eine Entschuldigung.

Die Veröffentlichung dürfte wohlkalkuliert sein. Den Marketing-Profis von Lotus wird klargewesen sein, dass der Tweet einen Sturm der Entrüstung auslösen wird. Mit politischem Engagement hat die Veröffentlichung wenig zu tun.

Lotus kämpft um Aufmerksamkeit. Wie zuletzt Volvo werden die Werbetreibenden dabei gerade mutiger. Oder auch nicht. Denn wenn der Aufschrei zu groß wird, machen sie einen Rückzieher.

Wie gestern Lotus, wo der umstrittene Tweet nach rund fünf Stunden aus dem Stream verschwand und kurze Zeit später eine Entschuldigung folgte. Glaubwürdig ist der Rückzug nicht.

Was meinen Sie dazu?

Mit dem Absenden des Kommentars übermittelten Sie uns Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse, Ihre IP-Adresse, Ihre URL (sofern angegeben) und Ihren Kommentartext. Gleichzeitig stimmen Sie ausdrücklich der Speicherung und der Veröffentlichung des Kommentars zu. Die Veröffentlichung erfolgt ohne E-Mail- und IP-Adresse. Diese Daten dienen dem Schutz vor Missbrauch der Kommentarfunktion (SPAM) und werden anschließend automatisch gelöscht. Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen nicht zu veröffentlichen oder die Links zu entfernen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung des Kommentars besteht nicht.