Am 13. Oktober endet eine Epoche. Luca Cordero di Montezemolo verlässt Ferrari und FIAT. Seit 1973 war der Adlige aus dem Piemont eng mit Ferrari und Fiat verbunden. Begonnen hatte alles mit einem Anruf in einer Radiosendung. In der damals populären Sendung Chiamate Roma 3131 verdammte ein Anruf Ferrari und den Motorsport. Montezemolo, damals Jura-Student und Hobbyrennfahrer rief sofort beim Sender an, um sich leidenschaftlich für Ferrari und den Motorsport einzusetzen.

Enzo Ferrari hörte die Sendung und bedankte sich mit einem Job-Angebot. Nach einer kurzen Bedenkzeit wurde Montezemolo tatsächlich Rennleiter bei Ferrari. Unter seiner Führung gewann Niki Lauda 1975 und 1977 den Fahrertitel. Das Team sicherte sich von 1975 bis 1977 dreimal die Weltmeisterschaft der Konstrukteure. Anschließend wechselte Montezemolo als Direktor für Öffentlichkeitsarbeit zu FIAT. Längst hatte auch FIAT-Legende Giovanni Agnelli das Talent des Managers erkannt. Trotz des Wechsels zu Fiat blieb Montezemolo ein enger Vertrauter Enzo Ferraris.

Nach Zwischenstops als Geschäftsführer des italienischen Industrieverbands und als Organisationschef der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 kehrte Montezemolo 1991 als Chef zu Ferrari zurück. Dort füllte Montezemolo das seit dem Tod seines Ziehvaters Enzo Ferrari bestehende Machtvakuum an der Spitze des Autobauers und Rennteam. Es begannen goldene Jahre. Für das Rennteam verpflichtete Luca Cordero di Montezemolo 1993 den heutigen FIA-Chef Jean Todt. Der holte Michael Schumacher zu den Roten. Der Rest ist Geschichte.

Gleichzeitig verstand Luca di Montezemolo es, die Sportwagen des Hauses zu einer Cashcow des Fiat-Konzerns zu machen. Mit geschicktem Marketing und aufregenden Modellen machte der Manager Ferrari hochprofitabel. Nach Jahren des rasanten Wachstums beschränkte Montezemolo die Marke Ferrari zuletzt auf eine Jahresproduktion von 7.000 Exemplaren. „Ein Ferrari sei wie eine schöne Frau. Sie müsse es wert sein, auf sie zu warten.“ erklärte Montezemolo dazu. Er wolle, dass die Marke Ferrari exklusiv bleibe.

Zwischenzeitlich führte Montezemolo für die Familie Agnelli auch den Aufsichtsrat von Fiat. Der Manager gilt als Lehrherr von Giovanni Agnellis Enkel John Elkann, der den Aufsichtsratvorsitz 2010 von Montezemolo übernahm. Trotzdem blieb Montezemolo so etwas wie die graue Eminenz des Konzerns. Auch wenn er offiziell „nur“ Ferrari führte. Insider berichten, dass Montezemolo der Einzige war, der sich traute dem FIAT-Geschäftsführer Sergio Marchionne zu widersprechen. Die Beschränkung der Ferrari-Produktion ist ein Beleg dafür. Denn der FIAT-Chef wollte die Produktion noch weiter ausdehnen.

Möglicherweise war es jetzt diese Leidenschaft, die Marchionne veranlasste, Luca di Montezemolo den Rücktritt als Ferrari-Chef „nahezulegen“. Gerüchte – oder besser gezielte Indiskretionen – dazu gab es schon länger. Vor zehn Tagen wurden sie Realität. In einer kurzen Pressemitteilung gab Ferrari das Ausscheiden zum 13. Oktober bekannt. Als Begründung dient das schlechte Abscheiden Ferraris in der laufenden Formel-1-Saison. Angeblich wurde der Abschied mit einer Abfindung von 27 Millionen versüßt. Die Hälfte davon erhält Luca di Montezemolo dafür, bis zum März 2017 nicht zu einem Konkurrenten von Ferrari zu wechseln.

Auch das macht den Abschied zu einem unwürdigen Ereignis. Es besteht der Eindruck, Sergio Marchionne habe sich den stärksten internen Kritiker vorgeköpft, um die eigene Machtstellung zu zementieren. Dazu bricht Marchionne mit allen Traditionen. Denn der FIAT-Boss übernimmt jetzt auch bei Ferrari das Sagen. Als Erster, der nicht mehr mit Enzo Ferrari zusammengearbeitet hat. Und obwohl mit Piero Lardi Ferrari ein Sohn des Commentatore mit zehn Prozent am Unternehmen beteiligt ist. Piero Ferrari ist realistisch, bezeichnet sich selbst als Kleinaktionär.

Die Machtfülle von Sergio Marchionne verheißt für Freunde des springenden Pferds nichts gutes. Ferrari könnte dem Weg, oder muss es Schicksal heißen, von Porsche folgen. Mir graut vor dem Tag, an dem Ferrari einen SUV anbietet!

Trotzdem ist Luca di Montezemolo ein Comeback zuzutrauen. Wenn nicht innerhalb des FIAT-Konzers dann vielleicht in der Königsklasse des Motorsports. Denn dort hat Bernie Ecclestone das Sagen. Der Mann wird im Oktober 84 Jahre alt. Selbst Bernie muss irgendwann kürzertreten. Und Luca di Montezemolo hat das Potential, auch dort die Geschäfte zu führen.

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