Das verändert Geschäftsprozesse und hebt bestehende Geschäftsideen auf eine neue Stufe. Was ich damit meine? Ganz einfach! Seit 1998 – Mist das sind 15 Jahre – halte ich von Zeit zu Zeit Vorträge über gesellschaftliche Veränderungen, die das Internet bewirkt hat.

Dabei stelle ich meinen Zuhörern, in den letzten Jahren sind das überwiegend Entscheidungsträger aus dem Vertrieb, gern dar, dass das Internet im Kern keine neuen Geschäftsideen hervorbringt, aber bestehende Geschäftsideen weiterentwickelt. Aktionshäuser sind nicht neu, aber ebay ist eine neue Dimension. Über die zurückliegenden Feiertage habe ich meinen Folienvortrag überarbeitet und ein paar neue Beispiele für meine These eingepflegt.

Ich hatte mir vorgenommen, mehr Beispiele aus dem täglichen Leben einzupflegen. Denn ebay oder die Anzeigenmärkte, die den Zeitungsverlegern das Wasser abgraben und das Leben schwer machen, kennt jeder. Mein Ziel war, auch mal etwas ungewöhnlichere bzw. unbekanntere Beispiele einzupflegen. Als Nahverkehrsheld stöberte ich dazu auch im Themenkreis Mobilität und landete dann schnell im Bereich der Mitfahrzentralen.

Ein Bereich, der wie zum Beispiel die Online-Mitfahrt-Community Bla Bla Car zeigt, perfekt geeignet für eine „Virtualisierung“ ist. Denn wessen Erinnerungsvermögen etwas weiter als nur ein paar Monate zurückreicht, erinnert sich bestimmt, wie das früher organisiert war. In den 1970er oder 1980er-Jahre entstanden, bevorzugt in der Nähe von Universitäten, „Mitfahrzentralen“ – quasi als organisierte Form des Trampens. Wer eine Mitfahrt suchte oder anbieten wollte, fand dort den Hüter der Touren. Gegen eine finanzielle Entschädigung vermittelte dieser den gewünschte „Ride“ oder die gesuchten Mitfahrer.

Das war verlässlicher als der Autostopp, aber in einer Zeit ohne Handys, ohne E-Mail und ohne Facebook und Co. auch nicht ohne Schwierigkeiten. Denn die Koordination der Reisenden war oft nicht einfach, weil die Menschen früher einfach anders zu erreichen waren.

Oft war auch das Angebot dünn.

Denn am Anfang waren die Mitfahrzentralen in den einzelnen Städten nicht vernetzt. Wer zum Beispiel über Silvester von Dortmund nach Kiel fahren wollte, musste sich am Startort Dortmund für die Hinfahrt und ggf. auch am Zielort Kiel für die Rückfahrt getrennt um Mitfahrer bemühen. Erst als die Vermittlungsstellen begannen sich mit Telefonketten zu vernetzen, wurde das Angebot größer.

Wer sich das verdeutlicht, dem wird sofort klar, warum das Thema optimal geeignet ist, um im Internet-Zeitalter auf eine neue Stufe gehoben zu werden. Neue Stufe, weil es in der Gegenwart nicht mehr nur um die Vermittlung von Mitfahrten geht. Das Internet ermöglicht, den Dienst geografisch auszudehnen. Statt nur Fahrten in Deutschland zu vermitteln, sind auch europaweite Angebote möglich. Reisende wollen schließlich wissen, mit wem sie da auf Tour gehen. All das konnten die klassischen Zettelbörsen so nicht liefern. Daher wurden sie von den modernen Online-Angeboten weitestgehend vom Markt verdrängt und ich habe tatsächlich eine Ergänzung für meinen Foliensatz gefunden.

1 Comment

  1. Schönes Beispiel, bei uns in Bremen war das auch immer so ein Hort von Alt-68ern. Da musstest Du Angst haben, dass Dir die Läuse aus dem Fusselbart ins Hemd springen.

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