Im Mai 1950 nahm die Formel 1 als Automobil-Weltmeisterschaft ihren Betrieb auf. Zum Sieg fuhr der Italiener Nino Farina, der sich am Ende der Saison auch den ersten Titel sicherte.

Vor dem Zweiten Weltkrieg begeisterten die Grand-Prix-Rennen die Massen. Nach dem Schweigen der Waffen kam bald auch der Rennbetrieb wieder in Fahrt. 1947 entwickelte die Sportkommission (Commission Sportive Internationale CSI) der Automobil-Verband (FIA) ein neues technisches Regelwerk für Grand-Prix-Rennwagen. Es sah dem Einsatz von Kompressor-Rennwagen (bis 1,5-Liter-Hubraum) sowie 4,5 Liter großen Saugmotoren vor. Damit basierte die Technik der erstmals Formel 1 genannten Fahrzeugklasse im Wesentlichen auf dem technischen Reglement der vorzeitig abgebrochenen Grand-Prix Europameisterschaft 1939.

Als 1949 die Motorrad-Fahrer eine WM ausschrieben, reagierte die CSI und schrieb ein Jahr später ebenfalls eine Weltmeisterschaft aus. Alfa Romeo dominierte in dieser neuen Ära von Anfang an. Mit dem Tipo 158 verfügten die Italiener über den überlegenen Rennwagen seiner Epoche. Alfa gewann mit einer Ausnahme alle Saisonrennen. Nur bei den 500 Meilen von Indianapolis gab sich Alfa Romeo kampflos geschlagen. Das US-Rennen zählte damals zur WM – obwohl dort keine Formel 1 Fahrzeuge antraten. In Europa fuhren die liebevoll Alfetta (italienisch für „Kleiner Alfa“ in Abgrenzung zum Drei-Liter-Rennwagen Tipo 308) genannten Boliden von Sieg zu Sieg.

Weltmeister 1950: Nino Farina (Foto: Alfa Romeo)
Weltmeister 1950: Nino Farina (Foto: Alfa Romeo)

Nino Farina wurde schließlich mit Siegen in Großbritannien, Schweiz und Italien erster Automobil-Weltmeister. Der Italiener verwies dabei seinen Teamkollegen Juan-Manuel Fangio, der in Monaco, Belgien und Frankreich gewann, auf den zweiten Platz. Fangio kannte 1950 nur Sieg oder Ausfall. Deshalb entschied am Ende ein vierter Platz, den sich Nino Farina in Belgien sicherte, den Titelkampf.

Der Neffe des legendären Karosseriedesigners Battista Pininfarina war eigentlich promovierter Wirtschaftswissenschaftler. Der 1906 geborene Farina trat 1933 erstmals bei einem Autorennen an. Drei Jahre später wurde der Turiner Mitglied des Alfa-Romeo Werksteams. Doch Alfa Romeo war damals gegen die Silberpfeile von Mercedes-Benz und der Auto Union weitestgehend chancenlos. Daher feierte Farina seine ersten größeren Erfolge erst nach dem Krieg. Mit einem Rennwagen, der ursprünglich bereits 1937/38 entstand.

Alfa Romeo Tipo 158

Namensgeber des Alfa Romeo Tipo 158 war der 1,5 Liter große Achtzylinder-Motor. Der aus dem Leichtmetall Elektron gebaute Reihen-Achtzylinder wird von einem Roots-Kompressor zwangsbeatmet. Das Getriebe ist zusammen mit der Kupplung zur Optimierung der Gewichtsverteilung an der Hinterachse verblockt. Vor dem Zweiten Weltkrieg feierte Alfa mit dem Tipo 158 nur Erfolge in der „Zweiten Liga“ der Voiturette-Rennwagen. Um Grand Prix Siege kämpften die bulligen Rennwagen der 3-Liter-Klasse.

Das Alfa Romeo Werksteam 1950
Das Alfa Romeo Werksteam 1950 (Foto: Alfa Romeo)

Verantwortlich für die Entwicklung des Tipo 158 war Gioacchino Colombo, der nach dem Zweiten Weltkrieg vorübergehend für Ferrari tätig war. Dort schied Colombo – wie viele – nicht im Frieden, um 1950 bei Alfa Romeo als technischer Direktor an den WM-Titel von Nino Farina mitzuwirken. Sechs Exemplare des Tipp 158 hatten den Zweiten Weltkrieg in einem Versteck überstanden. Sie waren die Grundlage für die kommenden Erfolge. Aus 195 PS der Saison 1938 wurden 1950 schon satte 300 PS. Mit einem zweistufigen Gebläse stieg die Leistung des Motors schließlich sogar bis auf 425 PS.

Bis Mitte 1951 blieb Alfa Romeo unschlagbar. Erst dann konnten die Ferrari-Piloten José Froilán González und Alberto Ascari die Dominanz der Alfa Romeo brechen. Trotzdem trug sich am Ende der Saison mit Juan Manuel Fangio erneut ein Alfa-Romeo-Pilot in die Liste der Formel-1-Weltmeister ein. Denn inzwischen verstand es der Argentinier auch, Rennen nicht nur als Sieger zu Ende zu fahren. Trotzdem zog sich Alfa Romeo am Ende des Jahres aus der Formel 1 zurück.

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