Bisher war es nur ein Gerücht. Heute wurde es offiziell bestätigt. Die Formel 1 Hinterbänkler von Manor bekommen ab 2016 Motoren und Hybridtechnik von Mercedes. Damit krönt das kleinste Team der Szene sein erstaunliches Comeback. Denn im vergangenen Winter stand das Team rund Teamchef und Ex-Rennfahrer John Booth vor dem Aus. Erst in letzter Minute gelang die Rettung.

Wobei auch die grandiose Fahrt von Jules Bianchi vom Grand Prix 2014 eine Rolle spielte. Denn der unvergessene Franzose, der vor einem Jahr in Japan tragisch verunglückte, sicherte dem Team mit seinem achten Platz in den Straßen von Monte Carlo den Zugang zum Preisgeldtopf von Bernie Ecclestone. Und es gab einige Beobachter, die das Comeback als Versuch ansahen, um mit einem Bluff an dieses Geld zu kommen. Dazu hätte nämlich das Antreten beim ersten Saisonrennen 2015 gereicht.

Doch Manor wollte mehr!

Und legt bisher eine erstaunlich solide Saison hin. Und das angesichts der Tatsache, dass der Rennwagen MR03B vom Vorjahresmotor von Ferrari angetrieben wird. Ein aktuelles Aggregat hätte nicht zum auf die Schnelle modifizierten Vorjahreschassis gepasst. Weshalb John Booth bei der heutigen Verkündung des Mercedes-Deals ausdrücklich Ferrari dankte:

„Ich möchte mich an dieser Stelle bei der Scuderia Ferrari für die Unterstützung unseres Teams in den vergangenen beiden Jahren bedanken. 2014 haben wir gemeinsam den wichtigen ersten Punktgewinn des Teams erlebt und 2015 unterstützte uns Ferrari auf eine Weise, die weit über die Anforderungen unserer Partnerschaftsvereinbarung hinausging. Offen gesagt, hätten wir nicht ins Starterfeld zurückkehren können, wenn sie nicht alles gegeben hätten, um den MR03B zu unterstützen – und das zur gleichen Zeit, zu der sie sich auf ihr eigenes Paket für 2015 konzentrierten.“

Manor statt Red Bull

Trotzdem wechselt Manor ab der Saison 2016 zu Mercedes. Damit sichert sich das Team den Zugriff auf den zurzeit besten Formel-1-Motor. Und bekommt im kommenden Jahr in den Genuss aktueller Motoren. Denn Mercedes sichert Manor während der Laufzeit des Vertrags den Zugriff auf die Aggregate des jeweils aktuellen Jahres zu. Eine Zusage, die auch Red Bull gerne hätte. Doch Mercedes sagt dazu (bisher) weiter „Nein“ und beliefert dieses Konkurrenzteam (lieber) nicht.

Manor übernimmt das Motorenpaket von „Lotus“. Hinter diesem Team, das früher Renault gehörte, steht zurzeit eine Kapitalanlagegesellschaft. Sie einige sich vor ein paar Tagen darüber, das Team zurück an Renault zu verkaufen. Da passen Mercedes-Motoren nicht in Konzept. Die Franzosen werden das neue (und alte) Werksteam im kommenden Jahr mit ihren eigenen Aggregaten ausrüsten.

Die neuen Motoren werden 2016 nicht die einzige Veränderung bei Manor sein. Denn das Team wird in Zukunft das Getriebe und Aufhängungsteile von Williams – einem weiteren Mercedes Kunden – beziehen. Damit folgt Manor dem Vorbild von Formel-1-Neueinsteiger Haas. Die Amerikaner beziehen diese Komponenten zusammen mit Motoren vom ehemaligen Manor-Partner Ferrari.

Offen ist, ob die Zusammenarbeit zwischen Manor und Mercedes auch Mercedes-Junior Pascal Wehrlein in die Formel 1 spült. Der führt zurzeit in der DTM die Meisterschaftswertung an. Dazu bewies der Deutsche bei Testfahrten für Force India und das Mercedes-Werksteam seine Formel 1 Tauglichkeit.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Mercedes-Benz Power Unit PU106A

Der zurzeit beste Antrieb der Formel 1: Mercedes-Benz Power Unit PU106A. Ab 2016 treibt dieses Paket auch die Fahrzeuge der Hinterbänkler von Manor an. (Foto: Mercedes)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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