McLaren baut sein Programm aus. Die Briten stellen in der kommenden Woche in Genf ihre dritte Modellreihe vor. Zum (ausverkauften) Supersportler P1 und dem McLaren MP4-12C gesellt sich der McLaren 650S Coupe. Während in den vergangenen Monaten vielfach darüber spekuliert wurde, ob McLaren sein Programm nach unten erweitert, gehen die Briten einen anderen Weg. Mit 650PS und extrem kompromissloser Sportlichkeit will McLaren offensichtlich die Kunden befriedigen, die keinen McLaren P1 abbekommen haben.

Denn McLaren spricht in der Ankündigung der Präsentation davon, dass der neue Sportler die Vorzüge aus dem 12C und dem P1 in sich vereint. Natürlich vermeiden die Briten das Wort „Kompromiss“, wenn sie damit wortreich umschreiben, dass der 650S zwischen den beiden bisherigen Modellen positioniert ist. Typisch McLaren ist mit dem 650S ein Sportwagen entstanden, dem eher der Einsatz auf der Rennstrecke als auf der Düsseldorfer Königsallee zuzutrauen ist.

McLaren – Keimzelle Motorsport

McLaren Automotive folgt damit erneut der Tradition des Hauses, dessen Keimzelle der Motorsport ist. 1964 gründete der Rennfahrer Bruce McLaren sein eignes Team. Der Grand Prix Pilot hatte sich mit seinem Teamchef John Cooper über einen Einsatz in der Tasman-Serie zerstritten. Weil John Cooper seinem Piloten für die Serie in Australien und Neuseeland nicht das passende Auto zur Verfügung stellen wollte, brachte der Neuseeländer kurzerhand in Eigenregie einen Rennwagen an den Start.

McLaren 650S auf der Rennstrecke
Der McLaren 650S macht auch auf der Rennstrecke eine gute Figur. – Foto: McLaren Automotive

Damit war der Grundstein gelegt. Zwei Jahre trat Bruce McLaren mit einem selbstkonstruierten Rennwagen an der CanAm-Serie in Nordamerika teil. Zeitgleich entstand der erste Formel-1-Rennwagen des Hauses. Der Rest ist Geschichte, denn das Team „überlebte“ den tödlichen Unfall seines Gründers. 1970 kam Bruce McLaren bei einem Testunfall in Goodwood ums Leben. Sein Geschäftspartner Teddy Mayer, dessen Name kürzlich im Zusammenhang mit seinem F1-Projekt von Carl Haas fiel, führte McLaren fort.

Im Herbst 1980 übernahm Ron Dennis das Team und führte es in der Formel 1 zu zahlreichen Erfolgen. Von 1994 bis 1997 bot McLaren mit dem McLaren F1 erstmals einen Straßensportwagen an, der nebenbei 1995 auch das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann. Nach einer Pause von sechs Jahren fertigte McLaren von 2003 bis 2009 in Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz den Mercedes-Benz SLR McLaren, um seit 2011 eigene Produkte anzubieten. Zunächst den McLaren MP4-12C und seit einem Jahr den von den Stückzahlen limitierten und inzwischen ausverkauften McLaren P1.

Den neuen McLaren 650S wird es als Coupé und Spider geben

Für Vortrieb sorgt der aus dem 12C bekannte V8 mit Doppel-Turboaufladung. Im 650S stellt Eigenentwicklung von McLaren stolze 650 PS zur Verfügung. Also etwas mehr als im 12C, der nach dem jüngsten Update mit „nur“ 625 PS auskommen müssen. Und auch mehr als im McLaren MP4-12C GT Can-Am Edition, der über 639 PS verfügt.

Fahrerplatz im McLaren 650S
Schaltzentrale im McLaren 650S – Foto McLaren Automotive

Viel Wert hat McLaren auf die aerodynamische Abstimmung des 650S gelegt. Die Front des 650S ist offensichtlich vom Supersportler P1 inspiriert. Ähnlich aufwendig wie beim P1 sind die Splitter und Luftführungen ausgelegt, um den 650S auch bei hohen Geschwindigkeiten spurstabil zu halten und das Einlenkverhalten zu optimieren. Wie bei den anderen Modellen verfügt auch der 650S über den bei McLaren „Airbrake“ genannten verstellbaren Heckspoiler. Kollege Computer steuert dabei dynamisch zur jeweiligen Fahrsituation passend den Abtrieb im Heck.

Eine Fahrgastzelle aus Kohlefaser und zwei Hilfsrahmen aus Aluminium für die Aufhängungen an der Vorder- und Hinterachse sorgen dafür, dass der 650S leer weniger als 1.400 kg wiegt. Den Sprint von 0 auf 100 km/h bewältigt der 650S in rund drei Sekunden. Nach 8.2 Sekunden liegt ein Tempo von 200 km/h an. Der Vortrieb endet bei 333 km/h.

McLaren 650S
McLaren 650S – Türen wie ein Tuner-Golf – Foto: McLaren Automotive

Noch keine Informationen stellt McLaren bisher zum Preis des 650S zur Verfügung. Zugegeben, egal ob der Neue nun mehr oder weniger als 300.000 Euro kosten wird, unser Haushaltsbudget übersteigt der Brite zurzeit. Leider, denn mit dem McLaren MP4-12C bin ich nie richtig warm geworden. Beim 650S ist das anders. Dieser Sportwagen gefällt mir – sogar trotz der nach oben öffnenden Türen, die in dieser Form ansonsten ja eher auf Tuningmessen zu Hause sind.

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