Vor ein paar Tagen habe ich mich hier über Motorsport-Magazin.com aufgeregt. Denn auf die Nachricht des schrecklichen Ski-Unfalls von Michael Schumacher „antwortete“ das „Fachmagazin“ mit zwei Bilder-Serien. Ihre geschmackvollen Namen „Bilderserie – Michael Schumachers schwerste Rennunfälle“ bzw. „Bilderserie – Schumachers gefährliche Hobbys“.

Offensichtlich haben es sich die Verantwortlichen des Magazins inzwischen anders überlegt. Denn gestern heißt es unter der Überschrift „Spuren im Schnee“, dass die Gefahr groß sei, Grenzen zu überschreiten. Autor Robert Seiwert wirbt darin um Verständnis für die schwierige Aufgabe der Journalisten. Schon in der Einleitung des Artikels fragt der Leitende Redakteur des Magazins, ob die Leser die – Zitat – größte Herausforderung eines Live-Tickers kennen.

Vermutlich nicht, deshalb führt der Verfasser fort, dass die Kunst darin bestehen würde, Menschen kontinuierlich zu informieren, obwohl wohl kaum etwas passiert. Nun denn, ein aufgeweckter Leser wird sich jetzt vielleicht fragen, ob ein Live-Ticker ohne neue Nachrichten ein geeignetes Medium für eine Publikation ist. Aber diese Frage stellt sich Seiwert leider nicht.

Stattdessen erklärt er die Vorgehensweise von Journalisten, die den Unfall – wie es in dem Artikel des Magazins genannt wird – weiterdrehen. Dazu würden Journalisten Leute befragen, die sich mit der Materie auskennen. Und der Inhalt dieser Gespräche verlängert dann, wie Seibert schreibt, den Live-Ticker. Für den Autor ist das die Aufgabe von Journalisten.

Das passt durchaus zum Zeitgeist

Denn das Rollenbild des Journalisten hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Während sich Journalisten vor 20 Jahren in der Mehrzahl noch als „Vierte Gewalt“ verstanden, die Kritik an Missständen übt oder Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kontrolliert, sind sie heute überwiegend Informationsjournalisten und News-Manager. Diese Entwicklung spiegelt sich offensichtlich auch in den Worten von Robert Seiwert wieder.

Wir müssen also Verständnis dafür haben, dass diese „Journalisten“ in einem äußerst schnelllebigen Geschäft unterwegs sind. Da möchte jeder eine Geschichte exklusiv oder zumindest zuerst haben. Wenn die Wahrheit dabei auf der Strecke bleibt, ist das ein Kollateralschaden, den man mit der Botschaft „falsch zitiert“ einfach wegwischen kann.

Angesichts der vielen Artikel, die die Redaktion des Motorsport-Magazins in den vergangenen acht Tagen über Michael Schumacher und seinen Unfall publiziert hat, wirken die Ausführungen von Robert Seiwert vordergründig ziemlich ehrlich. Insbesondere auch weil Seiwert seine Publikation ausdrücklich mit einbezieht.

Doch warten wir mal ab, ob auf das Reden auch Taten folgen.

Bisher hat Motorsport-Magazin.com nur eine Sonntagsrede veröffentlicht und sein Verhalten allenfalls vordergründig verändert. Denn kurz nach der Veröffentlichung des Artikels von Robert Seiwert beteiligt sich das Magazin munter an den nächsten Gerüchten über den Gesundheitszustand von Michael Schumacher. Wesentlicher Inhalt des neuen Artikels ist, dass das was französische Zeitungen schreiben, nicht bestätigt sei. Eine Nachricht ist diese Meldung nicht. Stattdessen dreht Motorsport-Magazin.com damit den Unfall weiter und lässt den Leitartikel scheinheilig zurück.

2 Kommentare

  1. ROTFL! Cool in so einem Artikel Besserung zu geloben und dann kurze Zeit später aufzuzählen was andere schreiben, um das *fett* mit „Diese Informationen sind nicht offiziell bestätigt und daher Spekulation“ zu kommentieren.

    Leute! Dann sind es keine Informationen. Dann sind es Gerüchte!

  2. Tja mache lernen es halt nie. Gerüchte veröffentlichen und am Ende wieder zurück rudern.

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