Auch die Autowelt kennt Modewellen. Dinge kommen, Dinge gehen und geraten dann in Vergessenheit. Das Vinyldach ist so ein Fall. Es war in den 1960er und 1970er-Jahren ganz schwer angesagt. In der Gegenwart ist es ausgestorben und fast vergessen.

Vinyldach an einem Opel Manta.
Typisch für die 1960er und 1970er-Jahre – Vinyldach an einem Opel Manta

Heute kann sich das kaum noch jemand vorstellen, aber vor 40 Jahren galt es als besonders modisch, das Blechdach des Autos mit Polyvinylchlorid zu bekleben. Polyvinylchlorid, abgekürzt PVC, gibt es als Hart- und Weich-Plastik. Aus Hart-PVC entstehen Fensterprofile oder Rohre. Weich-PVC findet bei Kabelummantelungen oder Bodenbelägen Verwendung. In der weichen Form klebte es früher auch auf Autodächern.

In des USA sorgt das Vinyldach für den Cabrio-Look

Das beklebte Dach verlieh besonders Coupés die Optik eines geschlossenen Cabrios. Gerade in Nordamerika war das Bekleben des Autodachs mit PVC beliebt. Denn dort bot die Autoindustrie irgendwann keine Cabrios mehr an. Vorausgegangen war, dass der Verbraucherschützer Ralph Nader die Hersteller mit Schadenersatzklagen überzog. Denn nach Meinung von Nader waren Cabrios unsicher. Ihr Angebot war nach Meinung des Anwalts unverantwortlich.

Es gibt nicht wenige, die das Gebaren des Anwalts an die heutige „Umweltschützer“ erinnert, deren Abmahnwesen auch ein erträgliches Geschäftsmodell sein soll. Doch das ist ein anderes Thema. Blieben wir mal beim Autodach. Das Bekleben mit Vinyl, um dem Auto den Cabrio-Look zu geben, zeigt, wie kreativ der Mensch wird,  um Mangel zu verbergen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg malten sich junge Damen „gern“ mit Kohlestift eine „Naht“ auf die nackten Beine. Denn das erweckte den Eindruck, begehrte Feinstrümpfe zu tragen. Ähnlich war es 20 Jahre später mit dem Vinyldach. Auch das war ein Blender und ist inzwischen – sagen wir es zurückhaltend – aus der Mode gekommen.

Obwohl es heute durchaus Ähnliches gibt!

Denn für viele Kunden sind Autos heute zu uniform. Daher sehen sich Kunden bei ihrem Auto nach mehr Individualität. Diesen Wunsch kennen auch die Hersteller. Audi verkleidet deshalb auf Wunsch die C-Säulen des Audi Q2 mit poppigen Kunststoff-Elementen. Beim neuen Volvo XC40 gehören zweifarbige Lackierungen zum guten Ton. Ich bin sicher, dass auch das Modewellen sind. Modewellen, die wie das Vinyldach irgendwann wieder verschwinden.

Mal gucken, was dann kommt!


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Typischer Vertreter seiner Art, das Vinyldach an diesem Opel Manta.

Typischer Vertreter seiner Art, das Vinyldach an diesem Opel Manta.

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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