Mercedes-AMG ONE lautet ab sofort der Name des Sportwagens, der als Studie Mercedes-AMG Project One auf der letzten IAA stand. Doch die eigentliche Nachricht steckt in ein paar Nebensätzen. Denn Mercedes zeigt, wie der Verkauf so eines Supersportwagens funktioniert.

Seit der letzten IAA warten Auto-Fans auf den neuen Supersportwagen von Mercedes. Denn die Studie Mercedes-AMG Project One gehörte vor gut einem Jahr in Frankfurt zu den Stars der größten deutschen Automesse. Mit einem Antrieb, der auf dem Motor des aktuellen Formel-1-Rennwagens der Stuttgarter basiert, leistet das Hypercar bis zu 1086 PS. Wer 2,275 Millionen Euro zuzüglich Mehrwertsteuer für so ein Spielzeug übrig hat, kann mit dem Sportwagen bis zu 350 Kilometer pro Stunde schnell fahren.

Innenraum des Mercedes-AMG ONE
Innenraum des Mercedes-AMG ONE – Foto Mercedes

In Kürze feiert die Serienversion des außergewöhnlichen Fahrzeugs ihr Debüt. Ein paar Tage vorher gab Mercedes jetzt bekannt, dass der außergewöhnliche Sportwagen Mercedes-AMG ONE heißt. Auf dem Weg zur „Serie“ ist also der Hinweis auf den Projektstatus des Sportwagens entfallen. In der Pressemitteilung, die diese „bahnbrechende Neuheit“ verkündet, betont der Autobauer, dass der Name ONE den höchsten Automobilen Anspruch des Sportwagens unterstreicht.

Schließlich, so heißt es bei Mercedes weiter, bringt der Mercedes-AMG ONE Formel 1-Hybrid-Technologie auf die Straße. Damit übernimmt der Sportwagen im Produktsortiment des Stuttgarter Autobauers die Rolle des absoluten Spitzenmodells. Diesen Anspruch unterstreiche, lernen wir in der Pressemeldung weiter, auch die aktive Aerodynamik des Sportwagens. Der Anspruch der Experten aus Brackley und Brixworth, wo die Entwicklung des ONE hauptsächlich stattfindet, sei, Rennsport-Technologie in einem straßenzugelassenen Fahrzeug erlebbar zu machen.

Dieser Anspruch ist nicht neu!

Denn Rennsport-Technik für die Straße begleitet Auto-Fans über Jahrzehnte. Zurzeit gibt es gleich mehrere solche Projekte. Denn neben Mercedes arbeiten auch RedBull F1 und Aston Martin an einem ähnlichen Fahrzeug. Bei Toyota gibt es Gedankenspiele, die Le Mans-Technik des Hauses in einem Sportwagen auf der Straße zu bringen. Sollte sich Toyota für eine Serienversion der Studie Toyota GR Super Sport Concept entscheiden, dann gäbe es „plötzlich“ drei Hypercars mit brutaler Renntechnik.

Der geneigte Kunde, der sich überhaupt so ein teures Spielzeug leisten kann, hat dann die Qual der Wahl. Und nebenbei stellt sich plötzlich die Frage nach der Vermarktung. Denn natürlich gibt es Kunden, die – wie beim Red Bull – einfach blind die Chance nutzen, ein Fahrzeug zu steuern, bei dessen Entwicklung Adrian Newey eine tragende Rolle spielte. Denn wer nicht zum exklusiven Profikader des Brauseherstellers gehört, der hat dazu eigentlich keine Chance. Schließlich baute der britische Ingenieur bisher ausschließlich Rennwagen.

Heckansicht des Mercedes-AMG ONE
Heckansicht des Mercedes-AMG ONE – Foto Mercedes

Bei Mercedes ist es der V6-Motor des ONE, der direkt vom erfolgreichen Formel-1-Triebwerk des Hauses abstammt. Denn was Lewis Hamilton und Nico Rosberg gleich zu mehreren Formel-1-Titeln trieb, das übt sicher auch auf einige vermögende Petrol-Heads seinen Reiz aus. Ähnlich wäre es bei Toyota. Denn den Einen oder Anderen wird es definitiv reizen, mit der gleichen Hybrid-Technik unterwegs zu sein, die im Sommer in Le Mans siegreich war.

Doch reicht das, um die Fahrzeuge in größeren Stückzahlen zu verkaufen?

Denn schließlich reden wir hier von Spielzeugen, die inklusive Steuern locker 2,5 Millionen Euro kosten. Das ist viel Geld und ich will hier jetzt nicht den Salon Sozialisten geben, der darüber nachdenkt, was mit soviel Geld möglich wäre. Trotzdem bleibt die Frage, ob sich solche Fahrzeuge wirklich „von alleine verkaufen“. Oder benötigen solche Fahrzeuge nicht doch irgendeine Form von Vertrieb?

Der rollende Showroom des Mercedes-AMG ONE
Der rollende Showroom des Mercedes-AMG ONE – Foto: Mercedes

Offensichtlich ja, denn – und das ist die eigentliche Nachricht in der Pressemitteilung – Mercedes entwarf extra für den Vertrieb des Mercedes-AMG ONE ein rollendes Verkaufsbüro. Mit diesem Mobil präsentiert Mercedes den ONE in Zukunft potenziellen Kunden. Zugegeben, das Auto den Kunden näherzubringen ist keine ganz neue Erfindung. Schon den 1950er-Jahren gab es in der Autoindustrie Kundenbetreuer, die Autos Industriekapitänen oder Königen vor Ort präsentierten.

Legendär Hans Stuck, der mit einem BMW 507 gleich mehrere Staatsoberhäupter besuchte, bevor das Auto schließlich beim King of Rock n’ Roll landete. Doch Hans Stuck war mit dem Sportwagen von BMW damals auf eigener Achse unterwegs. Heute rollt der angebotene Sportwagen in einem speziell konstruierten Lkw-Auflieger zum potenziellen Kunden. Auch das ist irgendwie ein Spiegel unserer Zeit, in der oft die Bodenhaftung fehlt.

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