Autos interessieren mich, seit ich denken kann. Ich bin durch und durch ein Auto-Native. Daran nicht ganz unschuldig ist mein Opa, für den bis heute mit inzwischen 98 Jahren Mercedes-Benz das automobile Nonplusultra darstellt. Vielleicht auch deshalb hätte 1989 ein Mercedes-Benz 250 S mein erster Klassiker werden können – und wurde es schließlich (dank) Opa nicht.

Rund sechs Jahrzehnte war Opa zufriedener Kunde der Stuttgarter. Mehr Auto ging für ihn nicht. Deshalb war es eine Überraschung, dass ich unmittelbar nach dem Aushändigen meines Führerscheins noch am gleichen Tag Opas 300er-Mercedes steuern durfte. Eine halbe Stunde verhalten, dann haben wir mit dem Driften begonnen. Mein erstes Auto wurde dann ein giftgrüner VW Golf, dessen Leistung Opa und ich mit einem Weber-Vergaser, einer Sportauspuffanlage und einem neuen Zylinderkopf kräftig steigerten.

Doch gut zwei Jahre später fand ich im Kieler Hinterland einen Mercedes-Benz der Baureihe W108. Der 250 S war in einem erbärmlichen Zustand. Die 21 Jahre, die seit seiner Auslieferung vergangen waren, hatten deutliche Spuren hinterlassen. 1989 interessierte sich kaum jemand für alte Autos. Deshalb stand der Mercedes für 1.500 DM an einer aufgegebenen Tankstelle zum Verkauf. In trauter Gemeinschaft mit einem Audi F103 und einigen damals noch fast als junge Gebrauchte durchgehenden Ford Fiesta oder VW Passat der späten 1970er-Jahre.

An Phantasie hat es mir nie gemangelt. Deshalb überlegte ich, wie ich mit diesem Mercedes den Einstieg in eine Klassiker-Karriere bewältigen könnte. In der Kieler Mercedes-Niederlassung besorgte ich mir Ersatzteillisten. Damit schätzte ich, welchen Aufwand eine Restauration verschlingen würde. Im Herzen hatte ich den Mercedes schon gekauft. Stolz erzählte ich meinem Opa von dem Plan, fuhr mit ihm sofort zum Objekt meiner automobilen Begierde. Von seinem Urteil als Kfz-Meister erhoffte ich mir eine Bestätigung meiner Planungen.

Weit gefehlt! Zuspruch fand dieser Mercedes-Benz 250 S nicht!

Nicht im Ansatz! Denn Opa warf nur einen kurzen Blick auf den Mercedes. Dann kam entsetzt über seine Lippen:

„Wie kann man einen Mercedes nur so verkommen lassen!“

Nach einer kurzen Pause folgte eine Rechnung, deren Gesamtbetrag weit über meine bisherige Kalkulation hinausging. Dieser Mercedes sei kaum zu retten, so sein Fazit. Der Vorderwagen hätte einen sehr schlecht reparierten Unfallschaden. Der Kofferraum würde schief zur Fahrgastzelle sitzen. Er glaube, dass der Wagen in eine Auffahrunfall mit mindestens drei Beteiligten verwickelt war. Nach dieser professionellen Einschätzung verlor ich das Interesse an diesem Mercedes. Wodurch der Mercedes 250 S der Baureihe W108 bis heute einer der Klassiker blieb, die ich mich nicht zu kaufen traute.

Wie sieht es bei Euch aus?

Welcher Klassiker blieb bei Euch ungekauft? Habt Ihr auch mal von einem besonderen Auto geträumt und es dann – vielleicht nicht nur wegen des Gelds – nicht  gekauft? Und wenn ja, warum? Erzählt uns doch mal Eure Geschichte …

3 Kommentare

  1. Habe 1986 einen Trabant bestellt, war nicht der Traumwagen aber immerhin die Aussicht auf ein eigenes Auto, die sich nicht erfüllt hat, weil erst der Staat und dann das Unternehmen von der Geschichte davon gepustet wurden.

  2. Auf der Suche nach einem zu liebenden Auto wäre mir vor zwei Jahren beinahe ein Opel Senator B zugelaufen.
    Zustand war gut, wenige Kilometer, nicht verbastelt. Und längst selten genug um als künftiger Klassiker gelten zu können.
    Er hätte sogar ins Budget gepasst. Aufgrund der technischen Besonderheiten des Senator B wäre aber ein kleiner Defekt für mich potentiell ruinös geworden. Zum Beispiel am elektronischen Fahrwerk oder am Digitaltacho.
    Ein Kauf hätte wohl die ein oder andere schlaflose Nacht zur Folge gehabt.

    Stattdessen wurde es dann ein Arbeitstier in Form eines Volvo 960, ein paar Jahre neuer, mit fünfacher Laufleistung.
    Zu dem Zeitpunkt die richtige Entscheidung, aber der Senator wäre natürlich ein ganz anderes Kaliber gewesen und sicherlich zum erhaltenswerten Oldtimer geworden.

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