In Frankfurt läuft die IAA. Sie zählt, auch wenn einige wichtige Autobauer fehlen, immer noch zu den größten Automessen der Welt. Neben der Präsentation neuer Fahrzeugmodelle nutzen viele Autobauer die Messen für die Präsentation von Konzeptfahrzeugen. Mercedes-Benz zeigt beispielsweise sein Experimental-Sicherheits-Fahrzeug ESF 2019.

Das ESF 2019 basiert auf dem neuen Mercedes-Benz GLE. Es zeigt, wie sich die Ingenieure bei Daimler Fahrzeugsicherheit in Zeiten von elektrischer Antriebe und vollautomatisiertem Fahren vorstellen. Diese Verbindung überrascht zunächst. Denn in der Automatisierung des Fahrens sehen viele ein Mittel, um Unfälle in Zukunft völlig zu vermeiden. Doch auch automatisierte Fahrzeuge können an physikalische Grenzen stoßen. Zudem gehen selbst Optimisten davon aus, dass es noch Jahrzehnte Mischverkehr aus automatisierten und nicht-automatisierten Fahrzeugen gibt. Insofern benötigt auch das Auto der Zukunft Systeme der aktiven und passiven Sicherheit.

Für Mercedes-Benz ist Sicherheit ein Teil des Markenkerns!

Der legendäre Techniker Béla Barényi erfand bei der damaligen Daimler-Benz AG die Sicherheitsfahrgastzelle mit klar definierten Knautschzonen. Sie feierte 1959 in der Oberklasse-Baureihe W111 ihre Weltpremiere. Daneben erfand Barényi die Sicherheitslenkung, die 1976 im legendären W123 Premiere debütierte. Auch der Seitenaufprallschutz (1953 in der „Ponton“-Baureihe W 120) und der versenkbare Scheibenwischer (1979 S-Klasse W 126) gehen auf den Erfinder zurück.

W 111 und ESF 2009
Mit der Baureihe W 111 (hinten) führte Mercedes die Sicherheitsfahrgastzelle ein. (Foto: Daimler AG)

Barényi, der 1991 in einem Werbespot für Mercedes auftrat, legte den Grundstock. Sein langjähriger Arbeitgeber hegt und pflegt das Erbe des Sicherheitspioniers bis heute regelmäßig. Seit 1971 gehören dazu auch die Experimental-Sicherheits-Fahrzeuge. Nicht alle dieser Prototypen verlassen die Forschungsabteilung des Autobauers. Doch immer dann, wenn Sicherheits-Features kurz vor der Serienreife stehen, lassen die Entwickler die „Katze aus dem Sack“. Sie stellen dann ihr aktuelles Experimental-Sicherheits-Fahrzeug der Öffentlichkeit vor.

Die lange Reihe der Experimental-Sicherheits-Fahrzeuge bei Mercedes

In den 1970er-Jahren zeigte Mercedes zunächst ESF 5 und 13 (Basis W 114 / „Strich 8“). Später folgten ESF 22 und 24 (S-Klasse, W 116). Anschließend setzte Mercedes diese Reihe erst vor zehn Jahren mit dem ESF 2009 fort. Jetzt in Frankfurt stellt der Autobauer das ESF 2019 in die Auslage. ESF 2019 wirkt in weiten Teilen, wie eine moderate Fortschreibung heutiger Serienstandards. So ziehen sich Lenkrand und Pedanterie zurück, wenn das Fahrzeug voll automatisiert unterwegs ist. Das kenne ich bereits von meiner autonomen Testfahrt bei Audi vor vier Jahren.

Daneben verfügt das ESF 2019 über eine, wie Mercedes es nennt, kooperative Fahrzeugumfeld-Kommunikation. Damit meint der Autobauer, dass das Experimental-Fahrzeug seinem Umfeld, wozu auch Fußgänger gehören, klare Signale zur geplanten Fahrtroute gibt. Seefahrer kennen das von den Hornsignalen, die Schiffe nutzen, um Richtungswechsel anzuzeigen. „Tut, tut, tut … Achtung, meine Maschine läuft rückwärts!“

Kampf gegen Gurtmuffel auf der Rückbank: USB-Gurtschloss
Kampf gegen Gurtmuffel auf der Rückbank: USB-Gurtschloss (Foto: Daimler AG)

Praxisnäher scheint da die Technologie der Scheinwerfer. Sie sorgt mit mehr als zwei Millionen Lichtpunkten und einer aktiven Steuerung für nahezu blendfreies Fernlicht in HD-Qualität. Das Licht gehört sicher zu den Punkten der Studie, die Mercedes-Chef Ola Källenius als „sehr nahe an der Serieneinführung“ bezeichnete. Das Gleiche gilt für viele Punkte im Innenraum. Wo natürlich sofort das USB-Gurtschloss und die Gurtband-Heizung aufgefallen. 

Die Unfallforschung zeigt, dass auf der Rückbank überdurchschnittlich viele Gurtmuffel reisen. Deshalb versucht Mercedes-Benz im ESF 2019 mit diesem Feature sowie einen Gurtbringer auf der Rückbank den Anschnall-Komfort zu verbessern. Eher ein Gag ist wohl der kleine Roboter, der bei der Absicherung von Gefahrenstellen hilft. Denn er fährt bei Bedarf selbstständig aus dem Fahrzeugheck heraus und stellt am Straßenrand ein Warndreieck auf.

Schreib einen Kommentar

Mit dem Absenden des Kommentars übermittelten Sie uns Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse, Ihre IP-Adresse, Ihre URL (sofern angegeben) und Ihren Kommentartext. Gleichzeitig stimmen Sie ausdrücklich der Speicherung und der Veröffentlichung des Kommentars zu. Die Veröffentlichung erfolgt ohne E-Mail- und IP-Adresse. Diese Daten dienen dem Schutz vor Missbrauch der Kommentarfunktion (SPAM) und werden anschließend automatisch gelöscht. Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen nicht zu veröffentlichen oder die Links zu entfernen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung des Kommentars besteht nicht.