Im Rahmenprogramm der „Blancpain Endurance Series“ im britischen Silverstone warben am vergangenen Wochenenden Sir Stirling Moss und Lewis Hamilton für den Großen Preis von Großbritannien. Das Traditionsrennen findet in diesem Jahr am 30. Juni 2013 statt.

Die Briten erinnerten dabei an die lange Tradition der Stuttgarter in der Königsklasse des Motorsports. Und an die lange Tradition britischer Silberpfeil-Piloten. Denn schon von 1937 bis 1939 fuhr mit Richard Seaman ein Brite für Mercedes-Benz. In den 1950er-Jahren trat Stirling Moss in die Fußstapfen seines Landsmanns, der 1939 in Spa tödlich verunglückte. Seit Anfang des Jahres ist Lewis Hamilton als offizieller Mercedes-Werkspilot im Silberpfeil unterwegs.

Mercedes-Benz 196
Mit dem Mercedes-Benz 196, den Stirling Moss fuhr, war Mercedes-Benz 1954 und 1955 in der Formel 1 aktiv. (Foto: Mecedes-Benz)

Neben den Piloten präsentierte Mercedes in Silverstone auch zwei der Silberpfeile. Beim Vergleich der Fahrzeuge wurde deutlich, wie sich die Rennwagen in 60 Jahren verändert haben. Als Moss Formel 1 fuhr, waren die meisten Teams echte Werksmannschaften. Die Mercedes-Rennwagen wurden von einer Abteilung, die im Werk untergebracht war, gebaut und eingesetzt. Nach der Tragödie von Le Mans, als neben dem Piloten Pierre Levegh mehr als 80 Zuschauer starben, zog sich der Konzern für 33 Jahre offiziell vom Motorsport zurück.

In der Zwischenzeit veränderte sich die Szene

Auch andere Werke schlossen ihre Rennabteilungen. Die Hersteller haben erkannt, dass die Strukturen in den Werken nicht geeignet sind, um auf Dauer erfolgreich Motorsport zu betreiben. Besonders in Großbritannien entstanden Spezialisten, die heute den Bau und den Einsatz der Rennwagen übernehmen. Auch Mercedes kehrte nach der Pause an der Seite von Partnern wie Peter Sauber (Gruppe C) und Hans-Werner Aufrecht (Tourenwagen) in den Motorsport zurück.

In der Formel 1 beschränkte sich Mercedes lange auf die Rolle des Motorenlieferanten, auch wenn sich die Stuttgarter zeitweise an McLaren beteiligten. Das heutige Werksteam Mercedes AMG F1 Team lässt sich daher eher auf Tyrell als die ehemalige Werksmannschaft zurückführen. Denn bevor Mercedes das Team kaufte, war es als Brawn GP unterwegs.

Brawn GP entstand 2009 durch ein Management-Buy-out als Nachfolger von „Honda Racing F1“. Das Team der Japaner entstand Ende 2006 als Honda das Formel 1 Team „British American Racing“ vollständig übernahm. Zuvor war der Tabakkonzern British American Tobacco (BAT), der auf den Rennwagen für seine Marke Lucky Strike warb, Mehrheitseigner dieses Teams.

BAT wiederum hatte Ende 1998 die „Tyrrell Racing Organisation“ aufgekauft. Dieses Traditionsteam hatte der Holzhändler Ken Tyrrell schon 1960 gegründet. Nach einigen Jahren in der Formel Junior und der Formel 2 stieg Tyrrell 1968 als Matra-Werksteam in die Formel 1 ein. Von 1970 bis 1998 trat das Team dann als Tyrrell in der Königsklasse des Motorsports an.

Wer zahlt bestimmt die Musik – und die Dauer der Party!

Gerade die Geschichte des heutige Mercedes-Werksteams zeigt, dass die Programme der Hersteller und Werbepartner nicht für die „Ewigkeit“ ausgelegt werden. Sind die Kommunikationsziele erreicht oder wenn es größere Probleme gibt, wollen sich die Verantwortlichen eine Möglichkeit zum Ausstieg offenhalten.

Eine Option, die übrigens auch für Mercedes-Benz gilt. Erst vor wenigen Tagen wies Konzern-Vorstand Dr. Christine Hohmann-Dennhardt in einer Medienrunde darauf hin, dass sich die Stuttgarter aus der Formel 1 zurückziehen könnten, wenn Bernie Ecclestone angeklagt wird. Hintergrund sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München, die klären sollen, wer aus dem Formel-1-Umfeld einen ehemaligen Vorstand der BayernLB bestochen hat.

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