Europa bleibt für Importeure ein schwieriges Geschäftsfeld. Mitsubishi teilt jetzt mit, keine neuen Fahrzeuge mehr nach Europa bringen zu wollen. Das Unternehmen sehe als Teil der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz seine Hauptmärkte in Zukunft in Afrika, Ozeanien und Südamerika.

Das Unternehmen habe auf einer Vorstandssitzung beschlossen, die Einführung neuer Modelle auf dem europäischen Markt einzufrieren. Diese Nachricht verpackt der japanische Autobauer in vier kurzen Absätzen:

Mitsubishi Motors Corporation, at its July 27, 2020 board of directors meeting, resolved to freeze the introduction of new models to the European market.

Sales of existing models will continue.

Additionally, after-sales and services will continue, for customers who prefer to use Mitsubishi products.

The forecast of costs to be incurred due to the freeze on introduction of new vehicle models has already been reflected in the earnings forecast for fiscal year 2020 that we announce today. The specific amount is currently being examined. We will make an announcement promptly if further related matters for disclosure arise.

Pressemitteilung der Mitsubishi Motors Corporation vom 27. Juli 2020

Wie die Nachricht genau zu interpretieren ist, bleibt zunächst offen. Mitsubishi Deutschland erklärte heute, dass der Stop auch bereits geplante neue Modelle betreffe. Auto-Freunde wissen zudem, Anfang 2021 wird innerhalb der Europäischen Union die Abgasnorm 6d für Neuwagen Standard. Es ist möglich, dass bereits diese Verschärfung der Abgasvorschriften bei Mitsubishi die ersten Fahrzeuge oder zumindest Motorvarianten aus der angebotenen Modellpalette streicht. Obwohl Mitsubishi Motors in der Pressemitteilung betont, den Verkauf bestehender Modelle fortsetzen zu wollen.

Was bedeutet das „Einfrieren der Modellpalette“?

Hintergrund der Entscheidung sind die Verluste, die das Unternehmen zurzeit schreibt. Schon das Geschäftsjahr 2019/2020 schloss Mitsubishi mit einem Verlust ab. Das laufende Geschäftsjahr startete Angesichts Corona schlecht. Mitsubishi erwartet erst zum Ende des in Japan traditionell bis zum 31. März laufenden Steuerjahrs eine leichte Erholung des Markts. Daher geht der auch im laufenden Geschäftsjahr 2020/2021 von einem Verlust aus. Mitsubishi veröffentlichte daher gestern neben der Meldung zum europäischen Markt auch eine Dividenden-Warnung.

Ganz klar wird das bisher nicht. Bekannt ist nur, dass Mitsubishi 2019 in Europa nur noch 186.336 Fahrzeuge verkaufte. Weltweit verkaufte der japanische Autobauer im vergangenen Jahr 1.225.283 Einheiten. Europa ist also nur noch für 15 Prozent des Geschäfts von Mitsubishi verantwortlich. Etwas mehr als 52.000 davon fanden in Deutschland den Weg auf die Straße. Wobei die Marke Mitsubishi in den letzten zwei Jahren durchaus zulegte und sich während der aktuellen Corona-Krise sogar vergleichsweise stabil behauptete.

Die Gesamtsituation verschärft, dass sich das Europa-Geschäft für den Autobauer auch dank der Wechselkursschwankungen verlustreich gestaltete. Möglicherweise rächt es sich hier, dass Mitsubishi sein Geschäft in Europa bereits seit einigen Jahren nicht mehr selbst betreibt. Importeur der Fahrzeuge ist die Schweizer Emil Fry Gruppe. Damit ist das Geschäft für den Autobauer mit dem Export abgeschlossen. Die Möglichkeit, Gewinne in einer Auslandsgesellschaft zu parken, um sie im günstigen Moment ins Mutterhaus zu transferieren, gibt es so nicht mehr.

Eine Rolle bei der Entscheidung, seine Modellpalette einzufrieren, spielt auch die Neuordnung der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz. Die Kooperation aus Groupe Renault, Nissan Motor Co., Ltd. und Mitsubishi Motors Corporation veröffentlichte bereits im Mai ihre neue Ausrichtung. Danach wollen die drei Unternehmen in Zukunft nicht nur ihre technischen Plattformen sondern auch ihre Karosserien standardisieren. Eine Marke entwickelt das „Mutterfahrzeug“ (Leader-Car), die zwei Anderen leiten davon ihre sogenannten Follower-Cars ab.

Die Zukunft ist Badge Engineering!

Das erinnert an die 1970er-Jahre bei Volkswagen. Damals war der Polo ein fast unveränderter Auto 50, der Passat entstand als Variante des Audi 80. Auch die britische Roots-Gruppe handelte früher ähnlich. Innerhalb der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz könnte also ein neuer Mitsubishi durchaus als Badge-Engineering-Variante eines Nissan oder eines Renault entstehen. Die Frage ist, ob in diesem Zukunftsbild noch Platz für einen unabhängigen Importeur ist?

Zumal die Mitsubishi Motors Corporation in der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz durchaus weiter eine wichtige Rolle spielt. Denn sie übernimmt die Führungsrolle für Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge (PHEV) im C- und D-Segment der Mittelklasse und der Oberen Mittelklasse. Zukünftige hybride Nachfolger des Renault Talisman oder des Nissan Teana sollen also auf einem Mitsubishi basieren. Damit finden sie ziemlich sicher ihren Weg nach Europa. Offen ist, ob sie das auch als Mitsubishi tun werden.

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