Nahverkehrshelden

Nahverkehrshelden in Amerika – Reisen mit AMTRAK

Um sich auf Reisen innerhalb der USA fortzubewegen, bieten sich nicht nur das Flugzeug oder der Mietwagen als Verkehrsmittel an. Auch die Eisenbahn ist eine lohnenswerte Alternative, die echten Mehrwert bieten kann.

Warum AMTRAK?

Im Rahmen eines zweiwöchigen USA-Trips, der an der amerikanischen Ostküste auch von New York bis Florida führen sollte, stellte sich uns bei der Reiseplanung die Frage: „Wie wollen wir die Strecke von New York bis Florida zurücklegen?“

Alternativen hatten wir ja einige: per Flugzeug, per Mietwagen oder per Eisenbahn. Letztlich entschieden wir uns für den Zug, da Fliegen zwar kürzer gewesen wäre aber teurer und per Mietwagen es einfach zu stressig gewesen wäre die gesamte Ostküste bis Florida hinunter zu fahren. Außerdem erheben mittlerweile die Mietwagenanbieter in den USA Zusatzgebühren, wenn ein Auto in einem anderen Bundesstaat abgegeben wird als dort, wo es angemietet wurde.

Ein gutes Internet-Portal

Also haben wir uns über die vorab ausgewählte deutschsprachige Online-Plattform von AMTRAK, der amerikanischen Eisenbahngesellschaft, die verschiedenen Angebote an Zugverbindungen und Preisen bequem online anzeigen lassen. Übrigens ist für mein Empfinden das Online-Angebot von AMTRAK wesentlich übersichtlicher und einfacher gestaltet, als das der Deutschen Bahn. Da wir auf dem interaktiven Streckenplan der Seite auch die verschiedenen Haltebahnhöfe sehen konnten, entschieden wir uns mit der Bahn bis Savannah im Bundesstaat Georgia zu fahren, um dort den Mietwagen in Empfang zu nehmen und uns auf Empfehlung vieler Reiseführer hin dann noch das schöne Südstaatenstädtchen anzuschauen, bevor wir uns von dort auf den restlichen Weg nach Florida machen würden.

Online-Buchung unkompliziert und problemlos

Die Online-Buchung klappte problemlos und war schnell hinter uns gebracht. Wir gaben unsere gewünschten Daten ein. Hierzu wählten wir das Abfahrtsdatum, die gewünschte Zeit sowie den Ankunftsort und wir erhielten schnell die gewünschten Verbindungen. Entschieden haben wir uns für eine Abfahrtszeit am Nachmittag, so dass wir morgens nach dem Auschecken aus dem Hotel noch einen zusätzlichen halben Tag in New York verbringen konnten. Für die 15,5 Stunden dauernde Reise für eine Entfernung, die ungefähr einer Strecke von Dortmund bis Rom entspricht, mussten wir pro Person umgerechnet knapp 80 Euro für einen so genannten Touristenklassensitzplatz (Coachclass) bezahlen, der sich allerdings bequem zu einem Liegesessel umfunktionieren lassen konnte.

Ein Schlafwagenabteil wäre deutlich teurer gewesen. Für den Aufpreis hätte man dann auch die Strecke fliegen können. Letztlich gibt es auch nur die zwei Möglichkeiten – Touristenklasse oder Schlafwagen. Eine zweite oder erste Klasse wie in Deutschland ist nicht vorhanden. Im Vergleich mit allen anderen Reisemöglichkeiten (Mietwagen oder Flugzeug) war die Touristenklasse die preiswerteste Alternative. Allerdings war dies ein Sonderangebot für Reisezeiträume außerhalb der regulären Hauptsaison. Bezahlt haben wir mit Kreditkarte und haben prompt per E-Mail die Buchungsbestätigung
erhalten. Diese sollte man ausdrucken, da sich hierauf ein sogenannter Quik-Trak-Strichcode befand, den man am Abfahrtsbahnhof unter das Lesegerät
eines Quik-Trak-Automaten halten sollte, um dann von dem Automaten die personalisierten gedruckten Fahrkarten zu erhalten. Eine Kreditkarte war zur
Authentifizierung nicht erforderlich.

Einchecken wie im Flugzeug

Die Abfahrt sollte um 15:15 Uhr von einem der größten Bahnhöfe New Yorks – der Pennsylvania Station, direkt unterhalb des Madison Square Garden, im Zentrum Manhattans – stattfinden. Da unser Hotel nur ca. 10 Minuten zu Fuß davon entfernt lag, konnten wir bequem mit unserem Gepäck dorthin laufen und haben dieses bereits am Vormittag bei der AMTRAK-Gepäckaufbewahrung für etwa 5 Dollar aufgegeben. Allerdings sorgte die Gepäckaufbewahrung auch dafür, dass unser Gepäck nach Savannah befördert wurde. Von daher mussten wir uns im Zug selbst mehr nicht damit herumärgern und ständig darauf aufpassen. Unmittelbar bei der Gepäckaufbewahrung befand sich auch eine Anzahl von den bekannten Quik-Trak-Automaten.

Diese mussten wir gleich ausprobieren und es klappte hervorragend. Unmittelbar nach Einlesen des Strichcodes hielten wird die Tickets für den täglich fahrenden ´97 – Silver Meteor` in der Hand, der uns von New York nach Savannah bringen sollte. Nach ereignisreichen zwei Tagen im hektischen New York fanden wir uns etwa eine halbe Stunde vor Abfahrt im Bahnhof ein. Die verschiedenen Züge und Reiseziele waren prima ausgeschildert, so dass wir schnell in einer Reihe von wartenden Mitreisenden an einer zu den Gleisen hinunterführenden Rolltreppe standen, an der eine freundliche AMTRAK-Angestellte unsere Tickets kontrollierte, uns eine gute Fahrt wünschte und uns mitteilte, dass sich unser Abfahrtsgleis am Ende der Rolltreppe auf der linken Seite befände.

Am Gleis selbst stand bereits der Silver Meteor, an dessen Einstiegstüren wir wiederum in Empfang genommen wurden. Diesmal von einem Schaffner, der nach der Personenanzahl fragte und uns dann zusammenliegende Sitze in einem entsprechenden Abteil zuwies. Als alle an Bord waren und der Zug begann, sich langsam in Bewegung zu setzen, stellte sich der Schaffner unserem Abteil persönlich vor, verteilte Kissen und Decken, informierte über die Lage der Toiletten und des Speisewagens innerhalb des Zuges sowie über den Reiseverlauf. Falls wir etwas im Speisewagen essen wollten, hätten wir uns beim Schaffner anmelden müssen, da es wohl warme Speisen nur in einem begrenzten Zeitraum gab.

Guter Service an Bord

Vom Innern des Zuges waren wir positiv überrascht. Die Sitze waren ausschließlich in Fahrtrichtung angeordnet, jeweils zwei nebeneinander mit einem breiteren Durchgang zwischen den anderen beiden Sitzen. Da wir pünktlich um 15.15 Uhr gestartet sind, konnten wir bis zum Sonnenuntergang noch eine ganze Weile die amerikanische Landschaft sowie verschiedene kleinere und größere Städte an uns vorbeiziehen lassen. Bei einer beschaulichen Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 100 und 130 Stundenkilometern bekamen wir schnell ein Gefühl der immens großen Entfernungen. So erreichten wir nach Philadelphia und Baltimore erst in der Dunkelheit Washington und konnten leider aus unseren Sitzen nur einen kurzen Blick auf das erleuchtete Capitol erhaschen. Die ersten Fahrgäste, was man an den immer leiser werdenden Gesprächen, aber umso heftigerem Schnarchen bemerkte, haben sich gegen 22.00 Uhr zur Ruhe begeben. Auch wir versuchten zu schlafen, was allerding mehr schlecht als recht gelang. Es waren eher immerwährende Einnicker, da wir als Bauchschläfer aufgrund der Konstruktion der Liegesessel auf dem Rücken „schlafen“ mussten. Es war aber durchaus okay.

Da alle AMTRAK-Züge Nichtraucherzüge sind, waren wir als Raucher außerdem froh, dass der Zug an kleineren oder größeren Bahnhöfen zwischen 10 und 15 Minuten hielt, so dass wir zwischendurch auch immer wieder genüsslich an unseren in New York gekauften amerikanischen Zigaretten ziehen konnten. Da uns irgendwann klar war, dass wird die Nacht nicht vollständig durchschlafen werden, haben wir auch regen Gebrauch des zuginternen Bistrobereiches gemacht, der im Gegensatz zum Speisewagen, die ganze Nacht geöffnet war. Die Preise waren im Gegensatz zu den deutschen Zügen sehr moderat. So haben wir etwa für einen Becher Kaffee umgerechnet 1,50 Euro bezahlt oder für einen Schokoriegel knapp 50 Cent. Außerdem merkten wir mit jedem Halt und Pausen auf den Bahnsteigen je südlicher wir kamen – obwohl es ja Nacht war – dass es deutlich wärmer wurde und die Vorfreude auf den Sunshine State Florida stieg minütlich.

Ein kleiner Schreck in der Morgenstunde

Dafür, dass wir nicht so viel von der Reiseroute im Hellen gesehen haben, hat uns dann aber ein wunderschöner Sonnenaufgang kurz nach Verlassen von Charleston in South Carolina gegen fünf Uhr morgens entschädigt. Die knapp letzen 1,5 Stunden bis nach Savannah genossen wir die wärmende Sonne, die uns durch die großzügigen Abteilfenster streichelte sowie urwaldähnliche Sumpf- und Flusslandschaften, durch die wir fuhren. Pünktlich wie geplant um 6.44 Uhr früh erreichten wir zwar übernächtig, aber doch entspannt Savannah.

Da die meisten AMTRAK-Bahnhöfe nicht direkt in der City liegen, kamen wir an einem kleinen schmucken Bahnhof mit sehr netten Angestellten bei blauen Himmel und sommerlichen Temperaturen abseits des Zentrums etwas abgelegen an. Ein wenig nachdenklich waren wir nur, als das Gepäck ausgeladen wurde und unsere Koffer nicht dabei waren. Allerdings lag das daran, dass unser Gepäck nicht mit unserem Zug befördert wurde, sondern
bereits am Vortag mit einem Zug früher. Das Gepäck wurde uns dann natürlich bei der Gepäckausgabe am Bahnhof ausgehändigt.

Fazit

Bei einem Frühstück im Flughafen von Savannah, wo wir dann den Mietwagen in Empfang nahmen, haben wir die Zugfahrt nochmals Revue passieren lassen und kamen zu dem Schluss, dass es die richtige Entscheidung war. Nach hektischen zwei Tagen in New York war es einfach entspannend mit dem Zug zu fahren. Die 15,5 Stunden vergingen dabei überraschenderweise schneller, als wir zunächst vermutet hatten. Außerdem hatten wir eigentlich mehr von der Landschaft gesehen, als wenn wir mit dem Auto auf dem Highway die Route zurückgelegt hätten, da der Zug abseits der Highways eine andere Strecke gefahren ist.

Darüber hinaus ist man auch mit anderen hauptsächlich amerikanischen Fahrgästen ins Gespräch gekommen und hat so auch zusätzlich etwas von Land und Leute erfahren. Und letztendlich hatte man auch noch Geld gespart – einerseits am Fahrpreis für das Beförderungsmittel und andererseits eine Hotelübernachtung, da wir ja hauptsächlich nachts gefahren sind. Wer also vor derselben Entscheidung steht wie wir, sollte die Alternative AMTRAK für Reisen innerhalb der USA in Erwägung ziehen, weil es einfach auch ein ganz besonderes Erlebnis ist, mit dem Zug durch die USA zu fahren.

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