Ich habe lange als Texterin in unterschiedlichen Werbeagenturen gearbeitet. Das ist schon ein bisschen länger her, doch ich kann nach wie vor keine Werbung anschauen, ohne darüber nachzudenken, ob ich sie genauso oder vielleicht ganz anders gemacht hätte. Eine gute Werbung muss mir eine Geschichte erzählen, doch wirklich unterhalten werde ich durch Werbung in letzter Zeit nur noch sehr selten. Zu plump, zu brachial, zu laut wird mir die Botschaft um die Ohren gehauen.

Wenn ich versuche, mich zu erinnern, stelle ich fest, dass die meisten Werbekampagnen der letzten Jahre komplett durch mein Raster gefallen sind. Die wenigen, die mir gefallen haben, konnten es hingegen tatsächlich schaffen, ihre Botschaft bei mir zu platzieren. Mercedes-Benz zum Beispiel. Gern erinnere ich mich an den Spot „Es ist ein Diesel“ mit Mika Häkkinen. Und auch die legendäre „Ohrfeige“ von Mercedes ist mir noch sehr präsent. Sie schallte mir jedoch schon 1995 entgegen, theoretisch dürfte sie also schon Autofahren.

Seitdem ist eine Menge passiert.

Das Fernsehen, für das die Spots damals gemacht wurden, hat in weiten Teilen der Gesellschaft die Rolle des Leitmediums verloren. Das Internet, damals allenfalls ein Tummelplatz für Hacker und Freaks, ist mittlerweile das Massenmedium schlechthin. Das gibt Freiheiten für eine ganz neue Art von Werbung, die den potenziellen Kunden nicht nur ansprechen, sondern auch einen Dialog mit ihm führen will.

Die Telekom, die vor knapp drei Jahren schon einen großen Chor organisierte, greift jetzt auf die Grundidee des damaligen Mercedes-Spots mit der Ohrfeige zurück. Und das gefällt den Verantwortlichen des Autobauers natürlich sehr. Welcher Werbetreibende kann schon sagen, dass die eigene Werbeidee nach fast zwanzig Jahren auf diese Art und Weise neu aufgelegt wird. Dr. Jens Thiemer, bei Mercedes-Benz Cars Leiter der Brand Communications, bestätigt das:

„Der Werbespot ‚Ohrfeige‘ aus dem Jahr 1995 ist ein Werbeklassiker, der nicht nur im Hause Mercedes-Benz Kultstatus besitzt. Aus diesem Grund freue ich mich sehr darüber, dass die Dramaturgie des TV-Spots auch nach 18 Jahren ihre Wirkung nicht verfehlt und aktuell als Vorlage für den kreativen Ideen-Wettbewerb der Telekom dient.“

In der Tat haben die Spots einiges gemeinsam. Wo damals ein verspäteter Ehemann die Panne seines Mercedes als Ausrede anführte, verweist der junge Mann heute auf den Ausfall seines Handynetzes. Er ist Kunde der Telekom, die uns mit ihrem Spot auf die hohe Zuverlässigkeit ihres Netzes hinweisen möchte. Da die Telekom laut „Connect“, Heft 01/2014 das beste Handy-Netz hat, ist seine Entschuldigung mehr als dünn und weit weg von glaubwürdig.

Habt Ihr euch eigentlich schon mal gefragt, warum der Mann zu spät kommt?

Über die Webseite www.wasgeschahwirklich.de könnt Ihr bis zum 20.12.2013 eurer Fantasie freien Lauf lassen.

  • Was hat den jungen Mann aufgehalten?
  • Warum kommt er zu spät?
  • Was hat er in der Zwischenzeit wohl getan?

Aus allen euren Plots wird die Telekom die beste Idee auswählen, um einen weiteren Spot zu drehen. Wer weiß, vielleicht ja mit Eurer Geschichte.


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3 Comments

  1. Lustig, dass der auch wieder Mercedes fährt. Wahrscheinlich war es diesmal tatsächlich eine Panne.

  2. Oskar, dann schreib doch deine Theorie auf! Darum geht es hier doch. Ich bin ja fast sicher, dass der gute Mann sich bei Ikea verlaufen hat. Wenn ich dort bin, habe ich erstens kein Netz und zweitens regelmäßig nur noch eine grobe Restorientierung. Das muss an den Namen der Produkte liegen.

  3. Männer gehen nicht zu IKEA und wenn, dann nur in Begleitung einer Frau, die dann zwar ohne das gesuchte Sofa dafür aber mit einem Beutel Teelichter und neuen Handtüchern nach Hause fährt.

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