An diesem Wochenende startet in Hockenheim die DTM ins neue Rennjahr. Obwohl mit Audi, BMW und Mercedes drei Hersteller in der Serie aktiv sind, lässt das Interesse an der DTM seit Jahren nach. Die Serie ist weit weg von der Begeisterung, die sie vor 20 Jahren verströmte. Mit drei Regeländerungen wollen die Verantwortlichen die Fans zurück an die Strecke locken. Doch reicht das?

Zum Rennsport gehört der Zweikampf auf der Strecke. Das muss mindestens Rad an Rad stattfinden. Für Tourenwagen-Fans darf die Auseinandersetzung um die Position gerne auch mal Tür an Tür über die Bühne gehen. Die Rennen der DTM erlaufen oft fade. Ihnen fehlt dieser Geschmacksstoff. Schuld ist die auch hohe aerodynamische Leistungsfähigkeit der modernen Fahrzeuge, die in vielen Kurven nur noch eine Linie ermöglicht. Statt auf eine Beschneidung der Aerodynamik setzen Profiserien inzwischen bevorzugt auf Klappflügel. Die bewirken, dass der Verfolger (der runterklappen darf) schneller als der Verfolgte (der das nicht darf) fahren kann.

In der DTM steigert das Runterklappen des Heckflügels um 15 Grad die Endgeschwindigkeit um rund acht Kilometer pro Stunde. Bisher war der Einsatz einmal pro Runde erlaubt. In Zukunft dürfen die Piloten die Beweglichkeit des Flügels bis zu dreimal pro Runde einsetzen. Das ist unter den gegebenen Umständen – wenn die Verantwortlichen nicht die Aerodynamik beschneiden wollen – vielleicht tatsächlich ein Mittel, um die Spannung zu erhöhen.

Gleichzeitig entfällt nach zwei Jahren der sogenannte Optionsreifen. Das soll die Taktikspiele, die die Verwendung unterschiedlicher Reifentypen ermöglichte, eindämmen. Zusammen durchaus wirksame Stellschrauben, die Rolle der Piloten stärken. Denn wer mit den Reifen haushaltet, kann sich unter Umständen – über den gesamten Rennverlauf gesehen – Vorteile erarbeiten. Frei nach dem Motto: „Fahr Du nur und verheiz Deine Reifen. Ich bekomme Dich später, wenn Du nicht mehr schneller kannst.“ – das war schon oft im Rennsport erfolgsversprechend.

Das ist alles nur Kosmetik

Denn die wichtigste Änderung ist, dass die DTM ab sofort zwei Rennen pro Wochenende austrägt. Das klingt – zunächst – wie eine Anleihe an die gute alte Zeit. Erinnert an das Jahr 1988, als die DTM in ihrer fünften Saison zwei Wertungsläufe pro Wochenende einführte. Beide je 100 Kilometer lang. Beide direkt hintereinander gefahren. Dazwischen gab es nur eine kurze Reparaturpause. Das sorgte am Renntag für doppelte Aktion und kam beim Publikum gut an. 2001 wich der zweite Lauf einem Qualifikationslauf über 35 Kilometer. Aber selbst der fand noch direkt vor dem Hauptrennen statt. 2003 entfiel der zweite Lauf dann völlig.

Beim Comeback hat die DTM einen neuen Weg gefunden. 2015 gibt es wieder zwei Rennen pro Wochenende. Jedoch nicht wie früher an einem Tag. Stattdessen dürfen die Piloten jetzt Samstag und Sonntag zum Rennen ausrücken und tragen für jedes Rennen eine eigene Qualifikation aus. Zudem unterscheiden sich die Rennformate. Samstag geht das Rennen über 40 Minuten. Dabei gibt es keinen Pflichtboxenstopp. Offensichtlich stört doch das Image der „Deutschen Tankstopp Meisterschaft“. Sonntag läuft das Rennen mit Pflichtboxenstopp über 60 Minuten.

Damit zeigt die DTM immerhin eine gewisse Bereitschaft zur Veränderung. Trotzdem löst das neue Rennformat meiner Meinung nicht die bestehenden Probleme. Denn beim näheren Hinsehen kommt die Aufteilung der Rennen auf zwei Tage nur bedingt dem Fan zugute. Das zweite Rennen wertet hauptsächlich den Samstag auf. Der war bisher überwiegend den Rahmenrennen vorbehalten. Die DTM trat „nur“ zur Qualifikation an.

Das zweite Rennen hat einen anderen Geschmack

Vor ein paar Jahren waren ein Freund und ich einmal samstags als Gast eines Seriensponsors beim DTM-Rennen am Nürburgring. Der Kundenbetreuer, der meinen Freund (und mich) zu diesem Termin einlud, entschuldigte sich – gefühlte – hundertmal. Schließlich wäre das richtige Rennen ja morgen. Insofern macht die Aufwertung des Samstags hauptsächlich die Sponsorpakete der Firmen, die im Umfeld der DTM werben, wertvoller. Schwer vorstellbar, dass jetzt plötzlich die Fans, die bisher den Sonntag öde fanden, dank des zweiten Rennens am Samstag an die Strecken strömen.

Dem Sport hilft das zweite Rennen kaum. Zumal unterschiedliche Formate die Sache für die Gelegenheits-Zuschauer unübersichtlich machen. Für mich ist das zweite Rennen eine Marketing-Nummer, die die Verantwortlichen als fanfreundlich verkaufen. Oder wie seht Ihr das?


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Szene aus dem DTM-Rennen am Hockenheimring (Foto: Stefan Brending / Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de)

Szene aus dem DTM-Rennen am Hockenheimring (Foto: Stefan Brending / Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

3 Comments

  1. Über die Geschichte mit dem zweiten Rennen könnte man sicher lange Diskutieren. Mir gefällt die Idee, gerade für Leute mit langen Anreisewegen die Montags wieder zur Arbeit müssen und den Sonntag lieber nach einem Samstag an der Strecke entspannen möchten dürfte das attraktiv sein. Aber das wird sich über die Saison ja zeigen…

    Die Flügelspielereien halte ich für albern. Das klingt wie etwas um die „Generation Playstation“ anzulocken. Und auch wenn ich dieser selbst angehöre, sehe ich es als kitschig. Der darf, der andere nicht, aber nur drei mal pro Runde, alles muss überwacht werden, der Fahrer drückt im Stress oder aus Unachtsamkeit einmal zu viel, Strafe, Rennen kaputt….
    Was soll das?! Meine Idee, außer Motorsteuerung alle Elektronik raus aus den Karren, keinen einzigen Knopf mehr am Lenkrad, keinen Funk (der Fahrer wird ja wohl selbst Entscheidungen treffen können!) und Fahrzeuge mit wenig Aerodynamik und großen Motoren! Vielleicht würde das auch endlich mal neue Hersteller anlocken. Dieses drei deutsche Marken Trauerspiel wird ja hoffentlich nicht nur mir langsam auf die Nüsse gehen…

    • Samstag statt Sonntag ist doch kein Argument Alessio! Die Bundesliga-Stadien sind doch auch Freitags oder Sonntags mit Auswärts-Fans voll.

  2. Ist doch gut so, dann muss ich Sonntags keine Fußball-Fans an der Strecke sehen und kann in Ruhe ein Rennen gucken… 😀

    Nein, etwas mackaber, aber was soll mir dieser Kommentar jetzt sagen?
    Das die Bundesliga es richtig macht?
    Die Bundesliga hat aber vielleicht auch eine größere Fangemeinde und die meisten Stadien bei weitem bessere Anbindungen an öffentliche Verkehrsmittel als Rennstrecken. Ganz zu schweigen von all der Werbung die betrieben wird um Menschen anzulocken…
    Ich denke hier kann man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen.

    Und allein ein Blick in die Vergangenheit, oder in andere aktuelle Rennserien (Bsp. WTCC, GT Masters oder fast alle Oldtimer Veranstaltungen) zeigt, dass 2 Rennen am Wochenende nicht nur für mehr Action an der Strecke sorgen, sondern auch viele Freunde des Motorsports aus der Sonntags-, eine Wochenendveranstaltung machen lassen. Mehr Einnahmen, mehr Flexibilität, eine größere Herausforderung für die Fahrer.

    Ich sehe absolut garnichts, was der Fußball da besser machen würde….

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