Norbert Haug musste bei Mercedes seinen Stuhl nehmen. Nach 22 Jahren suchen die Stuttgarter einen neuen Motorsport-Chef. Ein Thema, das inzwischen einige Blogger, mich eingeschlossen, und Journalisten beschäftigt. Natürlich wird Mercedes keine Wasserstandsmeldungen zur Kandidatensuche abgeben, denn das würde, wenn die erste Wahl warum auch immer nicht zum Zuge kommen sollte, den Nachfolger schon im Vorfeld beschädigen.

Bereits im September – zeitgleich mit der Bekanntgabe der Verpflichtung von Lewis Hamilton – band Mercedes Niki Lauda in das Formel-1-Projekt des Hauses ein. Als Vorsitzender des Aufsichtsrats des Teams soll Lauda Mercedes helfen, das Team endlich in die Erfolgsspur zu führen. Für Lauda spricht, dass der dreimalige Weltmeister der Formel 1 auch nach seinem Abschied als aktiver Fahrer verbunden geblieben ist.

Vor gut zehn Jahren war Lauda zunächst als Berater und dann Rennleiter für Ford in der Formel 1 tätig. Der Österreicher sollte Jaguar Racing, damals im Besitz der Amerikaner, endlich zum Erfolg führen. Die Amerikaner wollten mit der Verpflichtung von Lauda endlich Einfluss auf die inneren Vorgänge des Teams nehmen, das von Jackie Stewart gegründet wurde. Zuvor war es ihnen nicht gelungen, wirklich einen Zugang zu der aufgekauften britischen Filiale zu finden.

Das Vorhaben misslang

Auch Lauda konnte die Philosophie des Konzerns nicht im Team implementieren. Ähnlich wie BMW bei Williams und Sauber, gelang es Ford nicht, das Team und die Autofirma wirklich zu synchronisieren. Übrigens ein Vorwurf, der auch in Bezug auf das britische Mercedes-Werksteam immer wieder laut wird. Bei Jaguar musste Lauda nach einer enttäuschenden Saison 2002 vorzeitig seinen Hut nehmen. Wobei man den Österreicher zumindest keinen mangelnden Einsatz vorwerfen kann. Denn Lauda testete den Jaguar sogar persönlich.

Neben diesem Intermezzo als Motorsport-Manager gibt Niki Lauda seit 1996 für den TV-Sender RTL seine Meinung zu den Formel-1-Rennen ab. Die sogenannten Analysen sind oftmals sehr polemisch. Insbesondere wenn Lauda dieser Tätigkeit im Kölner Studio vor Publikum nachgeht, sind seine Aussagen zum Teil sogar richtig unsachlich. Fast hat man den Eindruck, dass dem Österreicher der Beifall des Publikums wichtiger ist, als eine echte sachliche Auseinandersetzung mit dem Geschehen auf der Strecke.

Eigentlich hätte ich gedacht, dass der Ex-Weltmeister daher mit der Verpflichtung durch Mercedes seinen Job als RTL-Sitekick aufgeben würde. Doch dies ist wohl nicht der Fall. Motorsport Total meldet nun, dass Lauda und RTL auch in der kommenden Saison zusammenarbeiten werden. Wenn das stimmt, dürfte das immerhin ein sicheres Zeichen dafür sein, dass der Österreicher bei Mercedes nicht die Nachfolge von Norbert Haug übernimmt.

Ich finde ja, dass das für das Motorsport-Engagement der Stuttgarter ein gutes Zeichen ist. Besser Lauda gibt bei RTL weiter den Kasper und Mercedes verliert nicht noch ein Jahr. Allerdings bleibt offen, ob auch ein Aufsichtsratsposten im Formel-1-Team der Stuttgarter überhaupt mit dem Job bei RTL vereinbar ist. Wie soll Lauda da objektiv die Leistung des „eigenen“ Teams oder der Konkurrenz beurteilen?

Obwohl, das hat er ja dort in den vergangenen Jahren auch nicht getan. Dann ist das auch egal. Und überhaupt, wer guckt schon RTL, wenn er nicht muss?

1 Kommentar

  1. Niki Laudas einzigartige Karriere und seine Bedeutung für den Motorsport sind unweigerlich mit einer fachkundigen Berichterstattung der Formel 1 verbunden. Wer sonst kann besser und realistischer nachempfinden, wie sich die Fahrer fühlen und dabei noch nützliche Hinweise und Strategien erläutern? Dieser Mann hat sich dieser rasant spannenden Sportart verschrieben. Ihn in Rente zu schicken, wäre purer mehr als unangebracht.

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