Die Autobranche glänzt im Kampf um den Kunden regelmäßig mit Innovationen. In schneller Folge wirft man Neuerungen quasi als Argumente auf den Markt, um den Kunden zum Kauf eines neuen Fahrzeugs zu verführen. Nur im Ausnahmefall der Nische leisten sich die Hersteller aktuelle „Oldtimer“, die sich diesem Trend in wesentlichen Punkten entziehen. Dabei lassen allerdings nicht nur Exoten ein Modell besonders reifen. Auch im automobilen Weltreich von Europas größtem Autohersteller, der Volkswagen AG gibt es so einen Klassiker. Denn die Konzerntochter in Brasilien bietet bis zum heutigen Tage die zweite Generation des klassischen VW-Transporters an, die damit mit inzwischen 45 Jahren Bauzeit ein echter Langläufer ist.

Der Ursprung der heutigen Volkswagen AG liegt in der nationalsozialistischen Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF). Den Aufbau der „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ finanzierte die Freizeitorganisation der Deutschen Arbeitsfront über den Verkauf von Sparplänen. Der politisch gewollte Kaufpreis für den „KdF-Wagen“ von 990 Reichsmark sollte dabei in Raten von 5 Reichsmark angespart werden. Statt Hunderttausender Deutsche belieferte das Unternehmen bis 1945 die Wehrmacht mit Kübelwagen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg nahm man die Produktion des nun als „Volkswagen“ bezeichneten „KdF-Wagens“ auf.

Als Erweiterung der Modellpalette bot Volkswagen ab 1950 auf Initiative des niederländischen Importeurs Ben Pon einen Transporter an. Das intern als „Typ 2“ bezeichnete Modell war damit neben dem Volkswagen („Typ 1“) erst das zweite Zivilfahrzeug des Autobauers aus Wolfsburg. Nach 17 Jahren Bauzeit, in der der „Typ 2“ zum Transporter des Wirtschaftswunders wurde, überarbeitete Volkswagen den „Typ 2“ so umfassend, dass man nun von „Typ 2 T2“ sprach.

Dabei modernisierte man auch die Karosserie. Im Zuge der Überarbeitung wuchs der „Bulli“, wie die Kunden den Transport längst nannten, um rund 20 Zentimeter. Zur Verbesserung des Fahrkomforts renovierte man zudem das Fahrwerk. Unter dem Blech zog die beim inzwischen als „Käfer“ bezeichneten Volkswagen bereits 1965 eingeführte Kugelgelenk-Vorderachse jetzt auch in den „Bulli“ ein. An der Hinterachse setzte man im Transporter nun auf eine Schräglenkerachse. Gleichzeitig steigerte man die Leistung des auf 1.600 ccm vergrößerten luftgekühlten Boxer-Motors um 3 PS auf satte 47 PS. Bis 1979 wurden vom „neuen Transporter“ im VW-Werk in Hannover schließlich insgesamt 2.533.188 Exemplare hergestellt.

Das zweiten Leben in Brasilien

Doch während in Deutschland im Anschluss mit der dritten Generation des Transporters eine echte Neukonstruktion gefertigt wurde, lief in Brasilien die Produktion des alten Modells einfach weiter. Schon 1957 hatte man im VW-Werk in São Bernardo do Campo die Produktion des Ur-Transporters aufgenommen und diese erst 1975 auf ein Mischmodell, bei dem auf dem Fahrgestell des T1 das Fahrerhaus des T2 thront, umgestellt. Bis 1997 blieb dieser Zwitter im Programm. Erst zum 30. Jubiläum der Baureihe – und damit im besten Oldtimer-Alter – begann dann auch Volkswagen do Brasil mit der Fertigung des „echten“ T2.

Wobei man dieses „T2c“ genannte Modell wie zuvor schon in Südafrika optisch etwas modernisierte und es mit einem um rund 10 Zentimetern erhöhtem Dach ausrüstete. Bis Ende 2005 wurde der Oldtimer in Brasilien ganz klassisch mit einem luftgekühlten Boxer-Motor bestückt. Seit 2006 schlägt im Heck des Fahrzeugs ein 1.390 ccm großes Herz in Totalflex-Ausführung. Der Vierzylinderreihenmotor verträgt Benzin oder Alkohol in jeder beliebigen Mischung. Da der 80 PS starke Motor wassergekühlt ist, montiert VW an der Front des Oldtimers einen Kühlergrill.

Mit diesen Modernisierungen hat der 1967 vorgestellte T2 seinen 1979 vorgestellten Nachfolger T3 inzwischen deutlich überlebt. Denn während die Produktion des T3 in Südafrika 2003 auslief, erfreut sich der Oldtimer T2 in Brasilien und auch im von Brasilien aus belieferten Mexiko weiter großer Beliebtheit. Der T2 gilt als unzerstörbares und robustes Fahrzeug, das optimal zu den Straßen Süß- und Mittelamerikas passt. Von Zeit zu Zeit tauchen immer wieder Exemplare des in Brasilien gefertigten T2 in Europa auf. Die Importeure lassen den T2 dabei zunächst in Großbritannien, dem Königreich liberaler Zulassungsvorschriften, zu. Dank dieser Zulassung darf der Oldtimer ab Werk dann in jedem anderen EU-Mitgliedsland zugelassen werden.

(Foto: JasonVogel, en.wikipedia.org)

1 Kommentar

  1. Im Moment importieren die den Bus wohl gerade mal wieder nicht. Wobei das eh so eine Geschichte ist. Denn als Womo für freundliche 36.000 € ist das sicherlich kein Schnäppchen.

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