Opel Rekord, das klingt heute fast so miefig wie Bundesjugendspiele oder Trevira-Hosen. Obwohl Opels seit 1953 angebotene Mittelklasse vom Kultstatus der Prilblumen weit entfernt ist, steht auch sie für viele Mittvierziger heute ganz eindeutig für die 70er-Jahre. Verantwortlich dafür ist die vierte Generation des Dauerläufers, die 1972 vorgestellt wurde. In Erinnerung geblieben sind dabei besonders die Sondermodelle, die Opel einst unter Namen wie „Millionär“, „Maharadscha“ oder „Hit“ in den Handel brachte. Im Originalzustand sind heute sind gerade diese Sondermodelle gesuchte Oldtimer.

Als Opel vor 40 Jahren den neuen Rekord ins Rampenlicht rückt, präsentieren die Rüsselsheimer gleich eine ganze Rekord-Familie. Denn neben einer Stufenheck-Limousine mit zwei oder vier Türen gibt es den Rekord auch als sportliches Coupé, als drei- oder fünftüriges Caravan-Modell und als dreitürige Lieferwagen-Variante. Im Frühjahr 1972 erscheint dann auch die Neuauflage des sportlich-exklusiven Schwestermodells Commodore. Alle Rekord-Varianten präsentieren sich 1972 in einem Design, das Opel zum kecken Werbespruch „Seine europäische Linie hält, was sie verspricht“ greifen lässt.

Opel spielt damit auf den Vorgänger an

Denn der seit 1966 gebaute Rekord C war mit gut 1,2 Millionen verkauften Exemplaren als erster Millionenseller dieser Modellreihe ein äußerst erfolgreiches Fahrzeug. Doch die Karosserie des Rekord C mit ihrem „Coke-Bottle-Shape“ und dem US-typischen „Hüftschwung“ vor der C-Säule war in ihrer Formensprache stark von den Schwestermodellen der Konzernmutter GM beeinflusst. Doch Ende der 1960er-Jahre sorgte der Vietnamkrieg für einen Antiamerikanismus, das US-Design entsprach nicht mehr dem Zeitgeist. Der Rekord D aus der Feder des US-Designers Chuck Jordan trug daher europäische Züge, die sich in einer niedrigen Gürtellinie sowie in klaren, funktionalen Linien, in glatten Flächen und in großen Fenstern ausdrücken.

Unter dem Blechkleid trug der Rekord D, der zunächst „Rekord II“ hieß, um nicht als Dieselmodell missverstanden zu werden, weiter die bewährte Technik des Vorgängers. Das Fahrwerk mit vorderer Einzelradaufhängung und starrer „Tri-Stabil-Hinterachse“ basierte auf dem des Vorgängers. Neu waren Verstärkungen in den Flanken und im Dach, die die passive Sicherheit – bei einem Seitenaufprall oder Überschlag – verbessern sollten. Bei einem Frontalaufprall sollten neu definierte Knautschzonen die Insassen schützen.

Die Motoren des Rekord D waren Weiterentwicklungen der bewährten Vierzylinderaggregate mit seitlich liegender Nockenwelle (cih = camshaft-in-head), die bereits seit den 1960er-Jahren Bestandteil des Opel-Programms waren. Die Basismotorisierung bildete ein 1,7 Liter großes Triebwerk mit 66 PS, die gleich große S-Maschine lieferte 83, das 1,9-Liter-Aggregat 97 PS. Standard ist 1972 ein Viergang-Schaltgetriebe. Für den 83-PS- und 97-PS-Motor bot Opel optional eine Opel-Dreigang-Automatik an. Gegen Aufpreis gab es eine „Sportschaltung“, bei der Schaltknüppel vom Lenkrad auf die Mittelkonsole wanderte.

Unter der Haube des Rekord D gibt im September 1972 der erste, von Opel speziell für Pkw entwickelte Diesel sein Debüt.

Zum Modelljahr 1973 legte Opel im Rekord dann auch einen Diesel nach. Der erste von Opel für Pkw-Modelle entwickelte Selbstzünder war ein 2,1 Liter großer Vierzylinder-Wirbelkammermotor, der hauptsächlich das Taxi-Gewerbe ansprechen sollte. Seinen ersten Einsatz erlebte das Triebwerk im Juni 1972, als ein Opel GT – ausgerüstet mit dem per Turbolader auf 95 PS erstarkten Vierzylinder – 20 internationale Rekorde und Weltrekorde aufstellte.

Im Alltagsbetrieb des Rekord D – nun passt die Bezeichnung im doppelten Sinne – stemmte der Selbstzünder 60 PS auf seine Kurbelwelle. Damit war man 1973 in der Spitze 135 km/h schnell und verbrauchte im Schnitt 8,7 Liter gefärbtes Heizöl auf 100 Kilometer. Der Rekord 2100 D glänzte mit einer in der Mitte gewölbten Motorhaube. Durch die Konstruktion mit oben liegender Nockenwelle und geändertem Zylinderkopf baute der Dieselmotor nämlich höher als die im Rekord eingesetzten Benziner.

Die Neuauflage des sportlich-exklusiven Schwestermodells Commodore, das ausschließlich als Limousine und Coupé verfügbar war, stattete Opel mit leistungsstarken und laufruhigen Sechszylindermotoren aus. Ihr 2,5-Liter-Basismodell leistete 115 PS, die GS-Variante mit zwei Registervergasern sogar 130 PS. Im September 1972 folgte als Topversion der 160 PS starke Commodore GS/E. Im GS/E sorgt ein mit elektronischer Einspritzung ausgerüsteter 2,8-Liter-Motor, der sonst die Oberklasse-Modelle Diplomat und Admiral antreibt, für eindrucksvolle Fahrleistungen.

Einspritzung und Extras inklusive: Der sportlich-luxuriöse Opel Commodore 2.8 GS/E knackt mit 160 PS starkem Sechszylinder als Coupé die prestigeträchtige 200-km/h-Marke

Das GS/E Coupé erreichte 200 km/h Höchstgeschwindigkeit, die viertürige Limousine rannte immerhin 195 km/h schnell. Erkennbar war der der Commodore GS/E am Frontspoiler, der bei Opel im Windkanal entwickelt wurde. Opel erklärte zur Vorstellung des Rekord-Spitzenmodells selbstbewusst: „Der GS/E spricht die Liebhaber leistungsstarker Tourenwagen an, die selbst weite Strecken mit hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten zurücklegen wollen und dabei auf optimales Fahrverhalten und guten Fahrkomfort Wert legen.“

Das breite Modellangebot fand reichlich Käufer

Nach rund 5 Jahren Bauzeit erreichte Opel erneut die magische Millionen-Marke. Schon Anfang September 1976 lief eine goldene Rekord D-Limousine als einmillionstes Modell der Baureihe vom Band. Opel feierte das Jubiläum mit dem Sondermodell „Millionär“, das mit einem 100 PS starken 2,0 Liter-Motor und feiner „Berlina“-Ausstattung in den Verkauf geht. Damit steht der „Millionär“ in einer Reihe mit anderen Sondermodellen, mit denen Opel regelmäßig den Rekord-Absatz ankurbelt oder zumindest für Gesprächsstoff sorgt. Das Sondermodell „Rekord 2000 Hit“ trug mutig weiß-rote Rückleuchten und stellte damit (schwache) Bezüge zu den in den 1970er-Jahren erfolgreichen TV-Formaten „Hitparade“ und „Disco“ her.

Mutig bewarb Opel 1976 den „Rekord 2000 Maharadscha“ als „fürstliches Auto zum günstigen Preis“. Fürstlich, das heißt zu dieser Zeit: 2,0 Liter-Motor, 100 PS, UKW-Radio, 4 Türen, 185er Stahlgürtelreifen. In den Werbeanzeigen präsentierte Opel den Maharadscha selbstironisch in einer unwirklichen, grafischen Urwald-Kulisse mit Flamingo. Ein Motiv, das so gar nicht zur Zielgruppe der vermutlich eher rational entscheidenden Rekord-Fahrer passen wollte und – vermutlich – die heimlichen Wünsche der Käufer ansprechen sollte.

Das Konzept Rekord überzeugte, den bis zum Modellwechsel im September 1977 liefen bei Opel in Rüsselsheim insgesamt 1.128.196 Einheiten des Rekord D und 140.827 Exemplare des Commodore B vom Band. Original erhaltene Exemplare sind heute gesuchte Oldtimer und auch im historischen Motorsport gern gesehen. Dazu trägt auch bei, dass einst das Nachwuchs-Talent Walter Röhrl im vom Tuner Irmscher vorbereiteten Commodore GS/E-Coupé über die Strecken der Rallye Monte Carlo driftete.

1 Kommentar

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