Die Deutsche Bahn gehört dem Bund. Ein Börsengang blieb lange ein Ziel, das man nicht erreicht hat. Inzwischen hat man diese Pläne wohl verworfen. Somit bleibt die Bahn auf lange Sicht wohl eine Behörde, die als Aktiengesellschaft geführt wird. Dies führt an vielen Stellen zu interessanten Fragestellungen. Den zu dieser „Behörde“ gehört das Schienennetz. Die Bahn stellt dieses Netz ihren Wettbewerbern gegen eine Nutzungsgebühr zur Verfügung.

Als Verwalter der Schienenwege sorgt die Bahn somit für den reibungslosen Ablauf des Zugverkehrs. Eine klassische hoheitliche Aufgabe ist dies. Irgendwo im Geflecht der rund 1.000 Unternehmen, die zur Deutsche Bahn AG gehören sollen, entstehen seit vielen Jahren auch Softwareprodukte wie beispielsweise elektronische Fahrplandienste.

Natürlich sind diese auch für Smartphones als App verfügbar. Nicht immer finden die offiziellen Angebote der Bahn dabei die Zustimmung der Nutzer. Dazu trägt bei, dass die Softwareprodukte oftmals einfach nicht gut gemacht sind. So sind in der Vergangenheit immer wieder Begehrlichkeiten entstanden, die Fahr- und Zugdaten zu veröffentlichen.

Konkurrenz belebt das Geschäft

Die Deutsche Bahn hat dies in der Vergangenheit immer abgelehnt. Gleichzeitig hat sie zumindest aber bisher geduldet, wenn Anwender die Webseite bahn.de nutzen, um die Daten auszulesen. Doch echten Open-Data-Aktivisten ist das nicht genug. Sie vertreten die Auffassung, dass automatisch Vorteile für die Gesellschaft entstehen, wenn öffentliche Daten für jedermann frei zugänglich gemacht werden.

Eine Initiative mit dem Namen openPlanB, Untertitel „innovation without permission – Innovation ohne Erlaubnis“ hat daher die Fahrplandaten Anfang September öffentlich gemacht. Grundlage war die offizielle Fahrplan-CD der Bahn. Juristisch ist die Sache klar. Niemand kann die Bahn zwingen, die Fahrplandaten in einem öffentlichen Format zu publizieren. Insofern war die Umwandlung der Fahrplandaten in ein öffentliches Format sicherlich nicht legal.

Die Bahn droht den Aktivisten in einem offenen Brief inzwischen auch mit einer Klage. Wobei man offensichtlich bemüht ist, die Wogen zu glätten. Denn die Androhung der Klage gilt ausdrücklich nur für den Wiederholungsfall. Möglicherweise hat man in Berlin Angst vor dem Echo der Netzgemeinde. Schöner als eine Klageandrohung wäre allerdings, wenn man die Aktion zum Anlass nehmen würde, um einmal ernsthaft über den Ansatz Open-Data nachzudenken.

Der Gedanke ist ja nicht ganz von der Hand zu weisen

Ich erlebe täglich, dass das Informationsangebot rund um den Zugverkehr erhebliches Verbesserungspotenzial bietet. Mit einer echten Verfügbarkeit der Daten dazu, wo beispielsweise gerade welcher Zug unterwegs ist, könnte man die Qualität der Fahrgastinformation zweifelsfrei verbessern. Die Bahn hat ja nun lange genug bewiesen, dass sie das nicht kann. Insofern sollte es – gerade für ein Staatsunternehmen – doch ein leichtes sein, einmal neue Wege zu bestreiten.

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