Drei Rennen haben die Piloten der Formel 1 inzwischen in diesem Jahr absolviert. Dreimal gewann ein Mercedes das Rennen. Zweimal fuhren die Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg überlegen zum Doppelsieg. Beim heutigen Rennen in Bahrain lagen die beiden Piloten am Ende 24 Sekunden vor dem Rest des Felds, das geschlossen im Pulk ins Ziel ging.

Der Vorsprung sieht – bei einer Distanz von 57 Rennrunden – gar nicht so groß aus. Doch das täuscht! Nach einer Safety-Car-Phase reduzierte sich das Rennen auf einen Sprint über die verbleibenden elf Runden. Beeindruckend wie sich die beiden Mercedes-Piloten dabei vom Feld absetzen konnten, obwohl sie in einem sehenswerten Duell um die Spitze kämpften. Besser kann ein Team seine Überlegenheit nicht demonstrieren.

Die Konkurrenten hatten dem Leistungsvermögen der Mercedes-Werkswagen nichts entgegenzusetzen.  Mercedes hat im Moment das mit Abstand beste Auto und den besten Motor der Formel 1. Sechs der ersten zehn Autos wurden in Bahrain von einem Mercedes-Motor abgetrieben. Die Mercedes-Kunden Force India und Williams, eigentlich notorische Hinterbänkler, brachten ihre Fahrzeuge ebenfalls unter die ersten zehn ins Ziel.

Die Stuttgarter haben offensichtlich die seit Anfang des Jahres geltenden neuen Motorenregeln am besten verstanden. Weder Renault, wo immerhin Red Bull schnell sein kann, noch Ferrari, wo kein Team wirklich schnell ist, können zurzeit mit Mercedes mithalten. Das macht die Formel 1 2014 bisher zur Formel Mercedes.

Verantwortlich für die Mercedes-Show war auch Pastor Maldonado

Denn der Venezolaner bewies mit einer abenteuerlichen Boxenausfahrt wieder einmal, das bestzahlende Sicherheitsrisiko der Formel 1 zu sein. In Runde 41 bremste Maldonado sich tief in den Seitenkasten des Sauber von Esteban Gutierrez. Der Mexikaner überschlug sich. Das Rennen wurde fünf Runden hinter dem Safety-Car neutralisiert, um den erheblich beschädigten Sauber zu bergen.

Hinter dem Safety-Car rückte das Feld dicht zusammen. Beim Restart gaben die Mercedes-Piloten Hamilton und Rosberg Gas. Der Ausgang ist bekannt. Maldonado wurde für den Totalschaden bei Sauber mit einer 10-sekündigen Stop-and-Go-Strafe belegt. Wird zudem beim nächsten Rennen in China zusätzlich in der Startaufstellung um fünf Plätze zurückgesetzt. Für die finanziell nicht auf Rosen gebetteten Schweizer ist das nur ein schwacher Trost.

Safety-Car in Bahrain
Safety-Car in Bahrain – anschließend wurde das Rennen zu einem elf Runden Sprint. (Foto: Mercedes-Benz)

Es ist traurig, dass ein offensichtlich in der Formel 1 überforderter Pilot wie Pastor Maldonado dank der Erdöl-Millionen eines venezolanischen Staatsunternehmens seinen F1-Platz sicher hat. Eigentlich sollten in der Formel 1 die besten Rennfahrer der Welt aktiv sein. Doch Talent ist nicht die einzige Voraussetzung, die Pilot heute mitbringen muss. Ein dickes Portemonnaie oder finanzstarke Sponsoren sind ebenfalls eine notwendige Voraussetzung.

Wobei das kein exklusives Problem der Formel 1 ist. Wenn die Kasse nicht stimmt, ist so manche hoffnungsvolle Karriere vorbei, bevor sie richtig losgeht. Für eine Saison im Scirocco-Cup, einem Markenpokal von VW, werden heute mindestens 50.000 Euro benötigt. Ein Betrag, den man übrigens auch für eine Kart-Saison ausgeben kann – im Jugendbereich!

Es läuft einiges falsch im Nachwuchsbereich.

Die FIA hat das erkannt. Unter der Leitung von Gerhard Berger soll eine Kommission den Wildwuchs der Formelklassen ordnen. Früher war das eine einfache Geschichte. Den Einstieg in den Formel-Sport bewältigen die Nachwuchsfahrer in einer der Markenformeln. Sie gab es von VW, Ford, Renault und Abarth. Ihr Niveau lag immer etwas unterhalb der Formel 3.

Erst wer sich in einer der Markenformeln bewährt hatte, stieg über die Formel 3 und die Formel 2 bzw. Formel 3000 ggfs. bis in die Königsklasse des Motorsports auf. Natürlich musste auch damals die Kasse stimmen. Doch mit dem Preisgeld, das in den Markenformeln zu verdienen war, lies sich oft der nächste Karriereschritt bezahlen. Zudem gab es die Möglichkeit, mit Starts im Tourenwagen weiteres Geld zu verdienen. Michael Schumacher fuhr deshalb für Mercedes mit dem legendären 190 Evo II vier Rennen in der DTM.

Heute gibt es einen „wirren“ Mix zahlreicher Formelklassen, die teilweise sehr ähnlich sind. Das sorgt dafür, dass sich die Konkurrenz oft aus dem Weg geht. Auf dem Weg zum Titel wird dort gefahren, wo der vermeintlich stärkste Gegner gerade nicht aktiv ist. Gerhard Berger soll das im Auftrag der FIA ändern und dazu zunächst eine „neue“ Formelklasse eingeführt. Wobei die sog. Formel 4 im Kern die bisherige Formel Abarth ist. Berger entschied sich für diesen Weg, um die Kosten beim Einstieg in den Formelsport zu senken.

Sicherlich ist das der richtige Weg – sonst fährt bald nur noch Felix Baumgartner

Und der Motorsport verkommt endgültig zur Marketingplattform. Mit Motorsport-Projekten wie dem von Felix Baumgartner als Standard. Der Österreicher will für Audi beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring starten. In der Topklasse der GT3 und mit einem Audi R8 LMS Ultra. Das ist ein Auto, das in der Lage ist, zum Gesamtsieg zu fahren. Wenn es vom richtigen Piloten bewegt wird.

Audi R8 LMS ultra
Audi R8 LMS ultra – wie ihn auch Felix Baumgartner steuert (Foto: Audi)

Baumgartner ist das nicht. Beim Qualifikationsrennen, das heute in der Eifel gefahren wurde, lag die beste Rundenzeit des Extremsportlers fast 40 Sekunden hinter der seiner Teamkollegen. Trotzdem war Baumgartner am Wochenende in der Eifel der gefragteste „Motorsportler“, saß zum Beispiel bei der Hauptpressekonferenz zum Rennen auf dem Podium.

Den Verantwortlichen ist bewusst, dass Baumgartner für Reichweite sorgt. Auch das ist eine Währung, um sein Cockpit zu bezahlen. Da bleibt nur zu hoffen, dass der Österreicher keinen ersthaften Unfall baut. Denn dann ist die Reichweite nichts mehr wert, das Medieninteresse könnte zum Bumerang werden. Zeigt, dass die Formel 1 professioneller ist. Denn dort wird, wie Maldonado zeigt, wenigstens mit harten Petrodollar bezahlt.

Schreib einen Kommentar

Mit dem Absenden des Kommentars übermittelten Sie uns Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse, Ihre IP-Adresse, Ihre URL (sofern angegeben) und Ihren Kommentartext. Gleichzeitig stimmen Sie ausdrücklich der Speicherung und der Veröffentlichung des Kommentars zu. Die Veröffentlichung erfolgt ohne E-Mail- und IP-Adresse. Diese Daten dienen dem Schutz vor Missbrauch der Kommentarfunktion (SPAM) und werden anschließend automatisch gelöscht. Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen nicht zu veröffentlichen oder die Links zu entfernen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung des Kommentars besteht nicht.