Es gibt Straßen, die musst Du nur einmal fahren und vergisst sie nie wieder. Die Passage du Gois an der französischen Westküste gehört eindeutig dazu. Denn die Straße verschwindet regelmäßig unter der Flut des Atlantiks. Deshalb ist die Straße nur bei Ebbe befahrbar.

Die Passage du Gois gehört zu den ungewöhnlichsten Straßen dieser Welt. Die 4,5 Kilometer lange Strasse verbindet die Île de Noirmoutier mit dem Küstenort Beauvoir-sur-Mer. Das Besondere an der Passage ist, dass sie nur bei Ebbe befahrbar ist. Bei Hochwasser steht das Meer zwei bis drei Meter über der Straße. Wer die Departementstraße D 948 befahren will, der muss also zum richtigen Zeitpunkt an einem der beiden Endpunkte sein. Denn durch die Gezeiten ist die Straße nur wenige Stunden am Tag passierbar.

Rund 1 ½ Stunden vor und nach dem Niedrigwasser geben die Behörden die Passage frei. Pro Tag kommen so rund sechs Stunden zusammen, die Autofahrer die Straße unter die Räder nehmen können. Immer wenn die Öffnung der Straße auf den Nachmittag fällt, kommt es vor dem Öffnen der Schranken regelmäßig zu einem Stau. Denn die in der Vendée lebenden Franzosen suchen im Watt gern nach Muscheln. Da ist die Straße eine gute Gelegenheit, um möglichst einfach ins Watt zu gelangen.

Als Karla und ich hörten schon vor ein paar Jahren von der Passage du Gois. Sofort war uns klar, dass wir diese einmal befahren müssen. Den seit gut 15 Jahren machen wir regelmäßig in der Nähe Urlaub. Trotzdem schafften wir es erst in diesem Sommer, endlich einmal zur Passage du Gois zu fahren und über sie die Île de Noirmoutier zu besuchen. Dabei entstanden ein paar Bilder, die wir Euch natürlich nicht vorenthalten wollen.

Unser drittes Bild zeigt, wie entspannt Franzosen sein können –  Wasserlassen inklusive 😉 Denn tatsächlich stehen da zwei Herren am Rand der Straße und hemmungslos lassen laufen. Ein „Schauspiel“, das sicher nicht zum Standardprogramm der Passage du Gois gehört. Trotzdem lässt es mich heute beim Betrachten der Bilder etwas ratlos zurück.

Fotos von der Passage du Gois

Entlang der Strecke gibt es übrigens in regelmäßigen Abständen drei künstliche Rettungsinseln mit Rettungskörben. Das vierte Bild zeigt einen dieser Körbe. Sollte sich beim Passieren der Straße das Wasser einmal zu schnell  der Küste nähern, können sich Reisende in diesen Körben vor der aufkommenden Flut in Sicherheit bringen.

Die Straße selbst besteht übrigens aus Pflastersteinen. Diese Art der Straßenbefestigung hat sich über die Jahrzehnte bewährt. Nur die Rampen, die die Straße mit dem Land verbinden, sind asphaltiert. Die Passage du Gois wurde übrigens bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts das erste Mal erwähnt. Vermutlich nutzen Küstenbewohner die Verbindung schon wesentlich länger. Doch erst in den 1920-Jahren wurde aus dem Weg eine befestigte Straße.

In Spitzenzeiten passierten mehr als 900.000 Autos die Straße. Daher entschloss sich die französische Regierung Anfang der 1970er-Jahre zum Bau einer festen Alternativ-Verbindung. Dadurch ging der Verkehr auf der Straße im Meer deutlich zurück. Seit 1983 gibt es keine offiziellen Zahlen zur Nutzung mehr. Doch Beobachter gehen davon aus, dass auch heute noch mehr als 200.000 Autos pro Jahr die Passage nutzen.

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