Im Vorfeld der IAA bestätigt Porsche offiziell, was Fans der Marke schon lange munkeln. Im Porsche 911 gibt es ab dem Modelljahr 2016 ausschließlich Turbomotoren. Die Ära des Saugmotors ist im Porsche 911 zu Ende. Aber immerhin gibt es noch keinen Vierzylinder.

Porsche-Fans sind eine schwierige Klientel. Immer, wenn der Zuffenhausener Hersteller etwas grundlegend verändert, gibt es Widerspruch. Das war schon in den 1970er-Jahren so, als Porsche wegen der Vorschriften in den USA die wuchtigen „Faltenbalgstoßstangen“ einführte. Und erst recht, als Porsche 1997 beim Modellwechsel (993 zu 997) die luftgekühlten Motoren aus dem Programm nahm. Zuverlässig beschwören Fans in solchen Fällen den Untergang des Abendlands ihrer Sportwagen-Ikone. Jetzt ist es ähnlich: 2016 gibt es den 911 nur noch mit Turbo.

Porsche 911 ist ab 2016 immer ein Turbo

Kritiker des Sportwagens werden das für ein Zeichen, für ein Eingeständnis halten. Schließlich liegt für sie der Porsche 911 gedanklich schon länger auf der Intensivstation. So groß, so schwer und so teuer, wie der Sportwagen inzwischen ist. Und in der Intensivmedizin ist künstliche Beatmung ja üblich. Doch ganz soweit will ich das an dieser Stelle nicht treiben. Schließlich bin ich dem 911 ja immer noch grundsätzlich wohlgesonnen. Der Sportwagen begleitet mich, seit ich mich für Autos interessiere.

Denn ich hatte das Vergnügen, im Umfeld einiger Porsche 911 aufzuwachsen. Daher kann ich mich noch gut an die ersten Meter auf den Notsitzen im Targa meiner Tante erinnern. Denke auch nach 25 Jahren immer noch erfreut an die ersten Meter zurück, die ich selbst am Lenkrad des 964 meines Onkels zurücklegen durfte. Und ich freue mich heute noch, wenn ich den unvergleichlichen Klang des Sechszylinder-Boxermotors in den 911 zweier Kollegen höre. Fahren Sie in unsere Tiefgarage, dann ist das immer Musik in meinen Auto-Natives-Ohren.

Warum verbannt Porsche die Saugmotoren?

Auf der Suche nach Effizienz geht es den Saugmotoren an den Kragen. Porsche gibt an, dass die neuen Turbomotoren im 911 um bis zu zwölf Prozent sparsamer sind. Der Norm-Verbrauch des Sportwagens sinkt um bis zu einem Liter pro 100 Kilometer. Der 911 Carrera mit PDK-Getriebe liegt sich jetzt mit 7,4 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. Der Carrera S mit PDK begnügt sich mit 7,7 Litern für 100 Kilometer. Das entspricht einem Minus von 0,8 Liter pro 100 Kilometer beim Grundmodell. Beim S beträgt das Minus sogar 1,0 Liter pro 100 Kilometer.

911 Carrera S - 2016
Der 911 Carrera S – 2016 ist ein Turbo

Porsche verweist im Zusammenhang mit der Umstellung gern auf die mehr 40 Jahre Turbo-Erfahrung. Schließlich gehörte der Porsche 911 ab 1974 zu den ersten Fahrzeugen, die serienmäßig als Turbo verfügbar waren. Trotzdem stellt die Umstellung natürlich einen Kulturwechsel dar. Doch den gibt es nicht nur bei Porsche. Auch Mercedes hat beim Umstieg vom SLS zum AMG GT den Saugmotor eingemottet. Ferrari folgt beim Umstieg vom 458 auf den 488 diesem Trend. Immerhin lässt Audi in seinem Audi R8 den V10-Motor noch frei atmen. Doch Pessimisten sehen den den V8-Biturbo aus dem Bentley Continental eines Tages auch im R8.

Immerhin haben die Stuttgarter bisher einem weiteren Downsizing widerstanden. Weder im 911 noch im Boxster oder Cayman gibt es bisher einen Vierzylinder. Dabei gab es das in der Baureihe des 911 bereits. Nach dem Auslaufen des 356 bot Porsche einen 911er mit Vierzylinder-Motor ab. Von 1966 bis 1969 war der Porsche 912 das Einstiegsmodell der Marke. Anschließend übernahm der Porsche 914 diese Rolle. Doch als der auslief, feierte 1975 der 912 – zumindest in den USA – ein kurzes Comeback. Ausgerüstet übrigens mit dem modifizierten VW-Typ-4-Motor.

Doch wer weiß, was die Zukunft bringt?

Gut möglich, dass sich die Porsche Fans bald über die (teilweise) Rückkehr zu Vierzylinder-Motoren empören. In Le Mans hat Porsche mit einem V4 in diesem Jahr sogar schon gewonnen.

Die Porsche 911 Carrera-Modelle des Modelljahrs 2016 kommen in Deutschland am 12. Dezember 2015 auf den Markt. Folgende Preisen hat Porsche genannt:

  • 96.605 Euro für den 911 Carrera
  • 110.766 Euro für den 911 Carrera S
  • 109.695 Euro für das 911 Carrera Cabriolet
  • 123.856 Euro für das 911 Carrera S Cabriolet

1 Kommentar

  1. Sicher werden viele Porsche-Enthusiasten wieder meckern, da gebe ich dem Autor recht. Aber das was dort gerade geschieht ist wie die Stoßstangen-Geschichte nicht etwas das Porsche wollte, sondern etwas das durch – teilweise stupide und unnütze – Gesetze vorgeschrieben wird.
    Wenn man überhaupt jemandem die Schuld geben will, sollte man sich vielleicht zuerst an diejenigen Politiker wenden die mir ihrer „die-2%-weniger-Abgase-retten-die-Welt-vor-der-Klimakatastrophe!“-Einstellung für diese Misere gesorgt haben.
    Aber die sucht man vergeblich, wenn Sie mal wieder mit ihren schweren, stark motorisierten Dienstwagen durch die Gegend gefahren werden….

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