Es gibt Storys, da stellt sich sofort die Frage nach dem Warum! Wenn Porsche Classic einen 911-Klassiker aus Originalteilen baut, ist das so ein Fall. Denn der Porsche 993 Turbo ‚Project Gold‘ wird – zumindest legal – nie eine Straßenzulassung bekommen. Doch Autos sind zum Fahren da! Dieser Porsche taugt nur als Sammlerstück. Warum entstand der Wagen dann? Die Antwort ist einfach: Weil es geht! Trotzdem bleibt die Frage, warum kann man den eigentlich nicht zulassen?

Porsche feiert in diesem Jahr den 70. Geburtstag des Autobaus unter eigenen Namen. Womit – nebenbei – die Frage beantwortet ist, ob der Berlin-Rom-Wagen ein Porsche ist. Aber das ist ein anderes Thema. Auch Porsche Classic beteiligt sich an den Feierlichkeiten zum runden Marken-Geburtstag. Porsche rühmt sich gern, dass die klassischen Porsche 911 in der Regel lange erhalten bleiben. Deshalb bevorratet Porsche ungewöhnlich viele Ersatzteile für seine Klassiker. Doch ist Porsche Classic in der Lage, aus Ersatzteilen einen ganzen älteren Porsche auf die Räder zu stellen?

Die Antwort ist einfach: Ja, Porsche Classic kann das!

Das ist lobenswert und gibt den Besitzern klassischer Porsche sicher ein gutes Gefühl. Denn bei anderen Herstellern ist es teilweise schon kurz nach der Einstellung einer Baureihe schwierig, bestimmte Ersatzteile zu bekommen. Grundsätzlich urteilen Gerichte, dass ein Kfz-Hersteller Ersatzteile mindestens 12 Jahren nach Auslieferung des letzten Fahrzeugs einer Modellreihe bereitstellen muss. Doch bereitstellen heißt leider nicht, dass der Hersteller die Ersatzteile tatsächlich bevorraten muss.

Der Hersteller kann seine Pflicht auch erfüllen, wenn er das gewünschte Teil innerhalb einer angemessenen Frist beschafft. Wobei es natürlich unterschiedliche Meinungen darüber gibt, was eine angemessene Frist ist. Vor gut drei Jahren brauchte VW Monate, um Türen für den Golf VI (gebaut von 2008 bis 2012) zu liefern. Auch digitale Steuergeräte sind bei vielen Herstellern manchmal schwer zu beschaffen. Bei ihnen erschwert die Nachfertigung, wenn die für den Bau notwendigen Schaltkreise nicht mehr lieferbar sind.

Der Porsche 993 Turbo ‚Project Gold‘ beeindruckt!

Insofern ist es tatsächlich beeindruckend, wenn Porsche 20 Jahre nach der Einstellung der Modellreihe 993 nochmals einen Porsche 911 Turbo dieser Generation auf die Räder stellen kann. Ausgangspunkt war eine Rohkarosserie. In eineinhalb Jahren entstand auf dieser Ausgangsbasis ein neuer alter Porsche 911 Turbo. Den Antrieb dieses Sportwagens übernimmt ein 3,6 Liter großer Biturbo-Motor in der damals höchsten Leistungsstufe von 450 PS (331 kW).

Der Motor stammt wie das Schaltgetriebe und die Komponenten des Allradantriebs aus dem Bestand von Porsche Classic. Die Experten für historische Porsche Modelle können zurzeit alleine für die Baureihe des Typs 993 auf einen Bestand von 6.500 Originalteilen zurückgreifen. Mit ihrer Hilfe entstand so der goldgelbmetallic lackierte Klassiker, den unsere Bilder zeigen. Ob einem das Fahrzeug gefällt, ist am Ende eine Frage des persönlichen Geschmacks. Denn zumindest optisch ist der Auftritt, der sich am Design der 911 Turbo S Exclusive Series des Typs 991 orientiert, gewöhnungsbedürftig.

Aber Geschmäcker sind ja zum Glück unterschiedlich. ‚Project Gold‘ erinnert mich irgendwie an den einst von Gert Fröbe großartig gespielten Film-Bösewicht Goldfinger. Aber lassen wir das. Wer Interesse an dem Fahrzeug hat, der kann es am 27. Oktober im Rahmen einer RM Sotheby’s Auktion im Porsche Experience Center in Atlanta ersteigern. Der Erlös geht an die gemeinnützigen Ferry-Porsche-Stiftung. Da inzwischen selbst Unfallwagen von Porsche bei Auktionen hohe Preise erzielen, wird spannend, was dieser Porsche am Ende einbringt.

Warum kann der Porsche 993 Turbo ‚Project Gold‘ eigentlich nicht zugelassen werden?

In der Pressemitteilung, die Porsche zum Porsche 993 Turbo ‚Project Gold‘ verschickte, spricht selbst Porsche davon, dass das Einzelstück nur auf privaten Strecken zu bewegen ist. Rechtlich gesehen ist der Porsche 993 Turbo ‚Project Gold‘ ein Neuwagen. Damit dürfte es in der Tat in der EU und wohl auch den USA unmöglich sein, für diesen Porsche ein Nummernschild zu bekommen. Denn Neuwagen benötigten eine sogenannte Typgenehmigung. Die Typgenehmigung erteilt in Deutschland übrigens das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Details zum Verfahren gibt es in der Richtlinie der Europäischen Union 2007/46/EG sowie in §20 StVZO.

Sie und auf ihnen aufbauende Ausführungsbestimmungen regeln die Homologation im Detail. Mit den umfangreichen Prüfvorschriften will der Gesetzgeber – wie er es nennt – für eine „sichere und umweltschonende Technik auf den Straßen“ sorgen. Der im Kern 20 Jahre alte Porsche hat da definitiv keine Chance. Am Einfachsten verdeutlicht das der Blick unter die Motorhaube. Denn Porsche verabschiedete sich vor 20 Jahren ja auch wegen neuer Zulassungsvorschriften vom luftgekühlten Motor, der im Porsche 993 Turbo ‚Project Gold‘ verbaut ist.

Im Rahmen der Typgenehmigung muss der Hersteller nachweisen, dass sein Produkt die aktuell geltenden Vorschriften erfüllt. Die betreffen viele Bereiche des Autos. Naheliegend sind die Themen Crash-Sicherheit, Verbrauch und Emissionen sowie Lärm. Aber es gibt zahlreiche weitere Vorschriften. So benötigen Neuwagen in der EU heute tatsächlich einklappbare Seitenspiegel und eine Motorkontrollleuchte. Das Vorliegen der Typgenehmigung fragen die Kfz-Zulassungsbehörden über die Fahrgestellnummer beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ab.

Problem Fahrgestellnummer!

Denn der Porsche 993 Turbo ‚Project Gold‘ verfügt tatsächlich über eine per Hand eingeschlagene Fahrgestellnummer. Sie folgt unmittelbar auf die des Fahrzeugs, das vor 20 Jahren als letztes Serienmodell des Typs 993 Turbo vom Band lief. Damit liegt die Fahrgestellnummer dieses Porsche in einem Nummernblock, der mit der Typgenehmigung der Baureihe 993 verbunden ist. Ihr kennt das von den Typschlüsseln, die Ihr bei der Versicherung eines Fahrzeugs angeben müsst. Die enthalten auch den Hersteller und das Modell und ordnen Euer Fahrzeug so einer bestimmten Typgenehmigung zu.

Mit der Vergabe dieser Fahrgestellnummer machte Porsche die Zulassung praktisch unmöglich. Denn die Typgenehmigung für die Baureihe 993 längst abgelaufen. Die Baureihe 993 entspricht einfach nicht den umfangreichen aktuellen Sicherheits- und Umwelt-Standards. Das Problem kennen die, die einen Neuwagen für Ihre Kinder oder Enkel wegstellen. Vor ein paar Jahren wurde der Fall von einem Rover Mini bekannt. Der stand 18 Jahre in einer Scheune, galt deshalb als Neuwagen und konnte deshalb auch nicht zugelassen werden.

Die Vorschriften verschärfen sich regelmäßig!

Zurzeit erleben wir übrigens gerade wieder so eine Verschärfung der Zulassungsvorschriften. Denn ab dem 1. September 2018 müssen Neuwagen die Schadstoffklasse 6c erfüllen. Autos, die das nicht schaffen, kann der Handel mit einer Zulassung vor diesem Stichtag übrigens vor dem Schicksal des Porsche 993 Turbo ‚Project Gold‘ retten. Das sind dann die Fahrzeuge, die im kommenden Herbst als besonders günstige Tageszulassungen in den Handel kommen. Denn so eine Tageszulassung macht das Auto zum Gebrauchtwagen, der Bestandsschutz genießt.

Mit etwas „Kreativität“ hätte es übrigens vielleicht einen Weg gegeben, um ‚Project Gold‘ auf die Straße zu bringen. Denn der Gesetzgeber lässt es zu, dass Unfallwagen eine Austauschkarosserie erhalten. In diesem Fall wird die Fahrgestellnummer eines alten Fahrzeugs auf den Neuen übertragen. Damit erbt der Neuaufbau das Recht zur Zulassung von seinem Nummernspender. Aber diesen Weg hat Porsche mit dem Einschlagen der Fahrgestellnummer versperrt.


AutoNatives.de ist auch bei Facebook. Wir freuen uns über ein Like.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Porsche 993 Turbo Project Gold - vermutlich der beste 993 aller Zeit. Trotzdem wird eine Straßenzulassung schwierig. Wir sagen, warum!

Fotos: Porsche

Ähnliche Arikel:

Author

Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

Write A Comment