Heute früh schickte Max, der sich an diesem Wochenende die ADAC Rallye Deutschland live vor Ort ansieht, mir ein Foto von einem Porsche, der beim deutschen Rallye-WM-Lauf als Vorausfahrzeug unterwegs ist. Denn Porsche unterzieht an diesem Wochenende den Porsche Cayman GT4 Clubsport bei der Rallye Deutschland einem interessanten Praxistest.

Was wie ein Widerspruch aussieht, ist keiner. Denn wer in alten Motorsportbüchern blättert, der entdeckt schnell, dass der Rallye-Sport einst die Domäne von Sportwagen war. Sportwagen wie die Alpine 110, der Lancia Stratos HF oder auch die Porsche-Modelle 356 und 911 siegten bei großen internationalen Rallyes. Dabei sicherten sie ihren Piloten zahlreiche nationale und internationale Titel. Bei den Classic Days Schloss Dyck 2018 sah ich als Moderator an der Rundstrecke erst kürzlich Walter Röhrl in einem Porsche 911 SC von 1981 über die Strecke driften. Röhrl hat wieder einmal sichtlich viel Spaß an diesem Nachbau seines bei der San Romeo Rallye 1981 bewegten Kreischeisen aus Zuffenhausen.

Bilder vom Porsche Cayman GT4 Clubsport im Rallye-Trim

Erst mit dem Abschied von der wilden Gruppe B änderte sich das. Mit der gemäßigten Gruppe A und den davon abgeleiteten WRC übernahmen die Vertreter der Kompaktklasse das Regiment auf den Schotter-Pisten der Rallye-Szene. Doch Rallye-Sport ist mehr. Schon vor ein paar Jahren definierte die FIA die Fahrzeugklassen im Rallye-Sport neu. Die zuvor im Rallye-Sport verbreiteten Gruppen A, N und Super 2000 wurden zum Auslaufmodell. An ihre Stelle traten die Klassen R1 bis R5 für Tourenwagen sowie eine R-GT genannte Klasse für Sportwagen. Doch so richtig zündete diese Idee bisher nicht. In den Startlisten vieler Rallyes glänzen die R-GT durch Abwesenheit. Im R-GT-Cup der FIA treten meinst deutlich weniger als zehn Fahrzeuge an.

Homologierte R-GT-Fahrzeuge sind rar!

Auch die Hersteller hielten sich bisher überwiegend zurück. Der Lotus Exige R-GT, der Abarth 124 R-GT sowie die Porsche-Modelle 996 GT3 und 997 GT3 gehören dazu. Das war es auch schon. Nach einer Erfolgsgeschichte klingt das nicht. Umso mehr erfreut den Rallye-Romantiker in mir, dass Porsche jetzt bei der aktuell laufenden Rallye Deutschland einen neuen Versuch startet. Denn die Zuffenhausener stellen beim deutschen WM-Lauf die Rallye-Konzeptstudie Porsche Cayman GT4 Clubsport in die Auslage. Allrounder Romain Dumas aus Frankreich und sein Beifahrer Denis Giraudet sind mit dem Porsche aktuell beim deutschen Rallye-WM-Lauf als Vorauswagen unterwegs.

Soundprobe des Porsche Cayman GT4 Clubsport – Zuffenhausener Kreischeisen!

Porsche Cayman GT4 Clubsport Konzept R-GT

Romain Dumas und sein Beifahrer Denis Giraudet unterwegs im Porsche Cayman GT4 Clubsport Rallye-Concept … wir sagen: Geiler Sound!

Gepostet von AutoNatives.de – Auto-Blog für automobile Menschen am Sonntag, 19. August 2018

Der Porsche Cayman GT4 Clubsport ist seit 2016 als Kundensportgerät auf der Rundstrecke im Einsatz. Mit dem Start als Vorauswagen bei der Rallye Deutschland testet Porsche die Akzeptanz des Cayman in der Rallye-Szene. Der 385 PS starke 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxermotor des Cayman GT4 treibt die Hinterräder an. Für den Rallyeeinsatz montierte Porsche einen durchgehenden Unterfahrschutz unter dem Mittelmotor-Sportler. Daneben verfügt der Rallye-Cayman wie die World Rallye Cars über ein Schaumelement in den Türen, das bei Unfällen Energie absorbieren soll. Nach dem Einsatz bei der Rallye Deutschland entscheidet Porsche, ob es demnächst in Zuffenhausen auch ein Rallye-Fahrzeug für Kunden gibt.

„Wir freuen uns auf die Reaktionen aus der Rallye-Szene zu unserer FIA R-GT Konzeptstudie“, sagt Dr. Frank-Steffen Walliser, Leiter Motorsport und GT-Fahrzeuge. „Ich kann nur jeden interessierten Fahrer und Teamchef einladen, sich unsere Rallye-Studie im Servicepark einmal aus der Nähe anzuschauen. Unter Berücksichtigung dieser Reaktionen und des Kaufinteresses potenzieller Kunden werden wir dann bis Ende des Jahres entscheiden, ob wir mittelfristig auf Basis eines zukünftigen Porsche-Modells ein Wettbewerbsfahrzeug für den seriennahen Rallye-Sport entwickeln.“

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