In der Geschichte des Autobaus gab es immer wieder Konstrukteure, die sich dem Leichtbau verpflichtet fühlten. Oftmals im Rennsport zu Hause hatten sie mit dem Leichtbau ein Mittel entdeckt, sich gegenüber der Konkurrenz einen Vorteil zu erarbeiten. Ferdinand Porsche, in den 1930er-Jahren Konstrukteur der Auto Union Grand Prix Rennwagen, wird nachgesagt, den Rennwagen für den besten gehalten zu haben, der nach der Ziellinie zusammenbricht.

Lotus-Gründer Colin Chapman erschreckte die Konkurrenz immer wieder mit filigranen Konstruktionen, die dann dank des Gewichtsvorteils den Kontrahenten gnadenlos um die Ohren fuhren. Porsche Enkel Ferdinand Piëch senkte als Projektleiter das Gewicht des Porsche 917 mit Balsaholz für den Schaltknauf und als Träger für die Zündspulen. Heute können die Konstrukteure dank Kohlefaser, Carbon und hochfestem Aluminiumblech Dinge realisieren, die für andere Generationen nicht vorstellbar waren.

Zu den Herstellern, die sich heute dem Leichtbau besonders verpflichtet fühlen, gehört die Volkswagen-Tochter Audi. Im Motorsport, auf der Straße und jetzt auch im Büro. Denn in Anlehnung an den Le Mans Prototypen R18 Ultra haben die Ingenieure des Audi Leichtbauzentrums die Designer Clemens Weisshaar und Reed Kram bei der Entwicklung eines Stuhls unterstützt, der die Grenzen des Machbaren auslotet.

1.500 Tests für einen Stuhl

Im April wurde der Prototyp dieses R18 Ultra Chair genannten Sitzmöbels auf der Mailänder Möbelmesse vorgestellt. Auf dem internationalen Designforum Design Miami/ stellt Audi nun eine Weiterentwicklung des R18 Ultra Chair vor, die dank der Motorsport-Technologie des Hauses fast ein Drittel des Gewichts verloren hat. Denn bei der Vorstellung in Mailand hatte man den Stuhl mit Sensoren bestückt, die die Kräfte aufzeichnen, die im Stuhl wirken, wenn jemand das Sitzmöbel als solches nutzt.

Anschließend bat man 1.500 Probanden zum Probesitzen. Mit diesem umfangreichen Datenbestand konnten die Ingenieure und Designer anschließend den Entwurf optimieren. Mit nur noch 2,2 Kilogramm dürfte sich der R18 Ultra Chair inzwischen an der Grenze des Machbaren bewegen. Damit spiegelt der Stuhl gut wieder, worum es Audi beim ultra-Leichtbau geht. Denn Audi möchte mit dieser Technologie das Min-Max-Prinzip verwirklichen, um ein Maximum an Stabilität und Komfort bei einem Minimum von Materialeinsatz und Gewicht zu erreichen.

Was der Stuhl mit Autos zu tun hat?

Eine Menge, denn der ultra-Leichtbau beschränkt sich nicht nur auf die Le Mans Rennwagen des Hauses oder einen Stuhl. Wer das nötige Kleingeld hat, der kann nun auch im Alltag der Straße im Audi R8 die Audi ultra Leichtbautechnologie erleben. Denn auch dank dieser Technologie haben die Entwickler den Audi R8 jetzt noch etwas agiler und dynamischer gemacht. Da Audi in der abgelaufenen Motorsport-Saison in GT-Serien wie dem ADAC GT Masters nicht mehr so konkurrenzfähig wie in den Vorjahren war, darf man gespannt sein, ob die 2013er-Version des Audi R8 auch auf der Rennstrecke wieder zu den Kontrahenten aufschließen kann oder ihre Agilität nur zum Senso spielen reicht.

Foto des R18 Ultra Chair

2 Kommentare

  1. Mit dem „Rennwagen, der sich nach der Zieldurchfahrt selbst zerlegt“ haben Sie verkürzt und den Falschen zitiert. Der Ausspruch stammt von Rober Eberan von Eberhorst.

  2. Robert Eberan von Eberhorst war Porsche-Schüler, das passt schon. Ich bin immer froh, wenn das Zitat nicht Colin Chapman zugeschrieben wird.

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