Jeden Monat drehe ich mein kleines Online-Scheinwerferlicht hier auf einen Rennwagen, der mir im historischen Motorsport in jüngster Zeit besonders aufgefallen ist. Als ich darüber nachdachte, welches Fahrzeug ich diesmal vorstelle, war ich schnell in Le Mans.

Denn auch das Angebot historischer Rennwagen war bei meiner Reise an die Sarthe schlicht überwältigend. Meine Wahl fiel schließlich auf den Bizzarrini GT 5300. Der Sportwagen war zwar zu seiner Zeit völlig erfolglos, machte dabei aber immer eine atemberaubende Figur. Zudem macht den Sportwagen interessant, dass seine Geschichte nicht ohne den ISO Grifo zu erzählen ist. Beide Fahrzeuge sind eng verwandt.

Bereits 1962 konstruierte und baute Giotto Bizzarrini für Renzo Rivolta den Iso Rivolta 300. Schon für den Viersitzer entwarf Giorgio Giugiaro bei Bertone eine aufregende Karosserie, während Giotto Bizzarrini beim Motor auf Großserientechnik von General Motors vertraute. Bizzarrini hatte sein Handwerk bei Alfa Romeo gelernt. Nach einem Zwischenstopp bei Ferrari, der im Streit mit Enzo Ferrari endete, gründete Giotto Bizzarrini Anfang 1962 zusammen mit Carlo Chiti und einigen weiteren ehemaligen Ferrari-Mitarbeitern „Automobili Turismo e Sport“ (ATS).

Mit diesem Unternehmen wollten die Ferrari-Untreuen ihrem ehemaligen Chef Konkurrenz machen. Das Vorhaben misslang und ATS blieb besonders für Giotto Bizzarrini nur eine kurze Episode, weil sich dieser bereits nach wenigen Monaten mit einem eigenen Konstruktionsbüro selbständig machte. Der Iso Rivolta 300 gehörte zu den ersten Auftragsarbeiten des jungen Unternehmens.

Auch als kurze Zeit später Bizzarrini und Rivolta einen sportlichen Zweisitzer im Gran-Turismo-Stil nachlegten, wählten sie den Motor der Chevrolet Corvette als Antriebsquelle aus. Aus dem zunächst Iso A3/L – das L steht für Lusso (Luxus) – genannten Sportwagen wurde später der Iso Grifo. Parallel dazu entwarf der ehemalige Ferrari-Ingenieur Bizzarrini den Iso A3/Competizione als Rennsportvariante des Grifo.

Wobei zur Variation eine eigene – deutlich gedrungenere – Karosserie gehörte. Als sich Bizzarrini und Rivolta 1965 überwarfen, teilten sie die Fahrzeuge untereinander auf. Das Strassenmodell blieb ein Iso. Der Competizione wurde zum Bizzarrini GT 5300, den sein neuer Namensgeber ebenfalls in einer Strassenversion anbot.

Doch zum Erfolgsmodell wurden weder die Strassenversion Strada noch die Rennsportversion Corsa. Der Absatz blieb weit hinter Bizzarrinis Erwartungen zurück. Und auch im Motorsport konnte der GT 5300 keine nennenswerten Erfolge erzielen. Teilweise scheiterte das Team sogar schon an der technischen Abnahme. Die Motoren der Corvette erwiesen sich als chronisch unzuverlässig. Somit blieb der Bizzarrini GT 5300 eine Randnotiz des Motorsports.

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