Wer an den echten Mini und Motorsport denkt, landet meist schnell bei der Rallye Monte Carlo. Mit Recht, denn dreimal fuhr der britische Kleinwagen in den Jahren 1964, 1965 und 1967 bei der Mutter aller Rallyes zum Erfolg. Beeindruckend, doch erst in Verbindung mit einer zweifelhaften Entscheidung am grünen Tisch, die einen weiteren Sieg 1966 verhinderte, Stoff für eine Legende.

Denn nach zwei Erfolgen disqualifizierten die Verantwortlichen der Rallye Monte Carlo Timo Makinen wegen der Verwendung falscher Glühbirnen in den Scheinwerfern seines Minis. Statt des Mini-Piloten wurden Pauli Toivonen und sein Citroën DS 21 zum Sieger erklärt. Ein Umstand, der damals sogar die Zukunft des Rallye-Sports infrage stellte. Später sollte sich zeigen, dass sich ausgerechnet diese Disqualifikation als die beste Werbung für den Mini erwies.

Die Rallye-Erfolge überstrahlen bei vielen Fans die lange und bis heute anhaltende Rundstreckentradition des Minis. Vielleicht auch, weil der Mini auf der Rennstrecke „nur“ für Klassensiege geeignet war. Anders als im Rallye-Sport der 1960er-Jahre, wo dank der zahlreichen Handicap-Regeln sogar Gesamtsiege möglich waren.

Die lange Liste der Mini-Erfolge ist trotzdem auch auf der Rundstrecke beeindruckend. Und besonders erstaunlich, weil im Lastenheft der Entwickler andere Werte im Mittelpunkt standen. Denn der Mini ist die automobile Antwort auf die Suez-Krise. Dieser Konflikt führte der westlichen Welt 1956 erstmals die Abhängigkeit vom arabischen Öl vor Augen.

Die British Motor Corporation, vier Jahre zuvor aus der Fusion zwischen Austin und der Morris Motor Company hervorgegangen, beauftragte ihren Chefentwickler Sir Alec Issigonis mit der Konstruktion eines Kleinwagens. Dieser sollte trotz einer Fahrzeuglänge von gerade mal drei Metern vier Personen transportieren können. Issigonis setzte die Vorgabe um, indem er den Motor und das Getriebe als Einheit quer im Motorraum verstaute. Wobei das Getriebe unterhalb des Motors sitzt und sich beide einen Ölkreislauf teilen.

Anders als das Fahrzeug war der Motor keine Neuentwicklung. Denn der sogenannte A-Serie-Motor wurde bereits seit 1951 im Austin A30 angeboten. Verantwortlich für die Konstruktion des Motors war Harry Weslake, dessen Formel-1-Motor 15 Jahre später den Eagle F1 AAR von Dan Gurney antreiben sollte. Doch für den A30 hatte Weslake keinen Sportmotor konstruiert. Drei Kurbelwellenlager und eine untenliegende Nockenwelle versprechen keine große Sportlichkeit.

Die kam erst, als die British Motor Corporation einen Motor für die Formel Junior homologieren wollte. Die Regeln dieser Nachwuchsklasse sahen vor, den Motor und die Bremsanlage eines Tourenwagens in den kleinen Formelrennwagen der Formel Junior zu verwenden. Auf Initiative des Rennwagenbauers John Cooper, dessen Namen das ab 1961 angebotene Homologationsmodell tragen sollte, entstand der passende Motor.

Mit zunächst 55 PS aus 997 ccm ging der Mini gewaltig vorwärts. Zwei Jahre später folgte der Cooper S, dessen auf 1.071 ccm vergrößerter Motor schon 70 PS leistete. Doch als „Krone“ der Entwicklung gilt heute der 970S. Der 970 ccm große Motor leistet hier in der Straßenversion dank zweier SU-Vergaser 65 PS. Im Rennbetrieb waren mehr als 100 PS möglich. 1964/65 entstanden nur 963 Exemplare dieses heute extrem gesuchten Minis.

Beliebtes Einsatzgebiet der Mini Cooper war die legendäre Tourenwagen-Europameisterschaft. Zunächst in der Klasse bis 1.000 ccm, später in der Klasse bis 1.300 ccm war der Mini ein echter „Frontrunner“. Wer siegen wollte, konnte mit einem Mini seine Chanchen deutlich verbessern. Kein Wunder, dass zahlreiche Größen des Motorsports ihre Karriere im Mini begannen. Spätere Formel-1-Weltmeister wie Niki Lauda und James Hunt oder spätere Grand Prix Sieger wie Clay Regazzoni, bestritten ihre ersten Rennen im Mini.

Heute sind ihre damaligen Rennwagen im historischen Motorsport zu Hause. Gleichzeitig wurde in Großbritannien die Rennsport-Geschichte des echten Minis bis in die Gegenwart fortgeführt. Denn die Mini Miglia ist inzwischen der am längsten laufende Markenpokal der Welt.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Morris Mini Cooper S

Morris Mini Cooper S (Foto: Karla Schwede)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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