Ich habe schon oft darüber geschrieben, dass ich die Schlagzeilen der BILD-Zeitung mag. Sie sind oft kurz und prägnant. Mit wenigen Worten kommen unfassbar direkt auf den Punkt. „Wir sind Papst“ oder „Der Umfaller“ sind absolute Klassiker, die fast jeder kennt. Doch mein heimlicher Favorit ist „Kinkel neuer Genscher“.

Was war?

In diesem Sinne muss ich diesen Wochenrückblick mit „Rosberg neuer Vettel“ starten. Denn wie Nico Rosberg vor wenigen Minuten beim Großen Preis von Australien zum Sieg fuhr, das erinnerte an die Dominanz, die in den vergangenen Jahren so oft dem inzwischen vierfachen Weltmeister Sebastian Vettel zu eigen war. Schon am Start brachte Rosberg seinen Mercedes vom dritten Startplatz kommend in Front.

Nico Rosberg beim Großen Preis von Australien
Nico Rosberg beim Großen Preis von Australien – Foto Mercedes

Selbst die zwischenzeitliche Neutralisierung des Rennens konnte den Weltmeister-Sohn nicht aus dem Tritt bringen. Bei Restart zeigte Rosberg dem Rest des Felds nur kurz den neuen Zentralauspuff seines Rennwagens. Der in Wiesbaden geborene Rosberg machte sich trotz eines Problems mit dem linken Vorderreifen aus dem Staub und fuhr schließlich souverän zum Sieg.

Das Ziel erreichten immerhin 15 der 22 gestarteten Rennwagen fahrend.

Es gab im Vorfeld viele Beobachter, die noch mehr Ausfälle erwartet hätten. Denn die Abstimmung der neuen Motoren stellt die Teams und Motorenhersteller weiter vor große Aufgaben. Renault und Mercedes verloren in ihren Top-Teams beide jeweils ein Auto. Sowohl Sebastian Vettel als auch Lewis Hamilton mussten ihre Rennwagen bereits in der Anfangsphase an den Boxen parken. Bei Red Bull sprang Daniel Ricciardo in die Breche und fuhr zum zweiten Platz. Der Australier bedankte sich damit auch für die Beförderung aus dem Nachwuchsteam Toro Rosso ins Hauptteam des Brauseherstellers.

Ferrari machte es besser als die beiden anderen Topteams und brachte sowohl Fernando Alonso als auch Kimi Räikkönen ins Ziel. Doch die Plätze vier und acht befriedigen die Italiener sicherlich nicht. Zumal insbesondere auch der Finne Räikkönen immer wieder mit Bremsproblemen zu kämpfen hatte. Mehrmals verpasste der Rückkehrer ins Team den Bremspunkt. Es scheint so, als ob die neue Formel-1-Generation mit vergleichsweise wenig Motorbremsung unterwegs ist.

Gefallen haben mir auch Valtteri Bottas und Kevin Magnussen. Bottas, der sich im Training etwas überraschend hinter seinem Teamkollegen F Massa einordnen musste, musste sich nach einem eigenen Fehler gleich zweimal aus dem letzten Drittel ins Vorderfeld vorarbeiten. Das war nicht nur wegen der hübschen Martini-Lackierung seines Rennwagens sehr sehenswert.

Kevin Magnussen feierte mit einem feinen dritten Platz für McLaren das Ende einer Durststrecke. Denn das Traditionsteam konnte in der zurückliegenden Saison nicht ein einziges Mal aus Podium fahren. Dem Dänen gelang dies im ersten Versuch. Der Sohn des Langstreckenpiloten Jan Magnussen fuhr damit beim Debüt aus Podest. Das ist zuletzt nur Ausnahmekönnern wie Lewis Hamiliton (2007 beim Debüt in Australien Dritter) oder Jaques Villneuve (1996 bei Debüt in Australien Zweiter) gelungen.

Ergebnis des Großen Preis von Australien 2014

  1. N. Rosberg, Mercedes
  2. D. Ricciardo, Red Bull + 24,5 (inzwischen disqualifiziert)
  3. K. Magnussen, McLaren + 2,2
  4. J. Button, McLaren + 3,2
  5. F. Alonso, Ferrari, + 5,2
  6. V. Bottas, Williams + 12,3
  7. N. Hülkenberg, Force India + 3,0
  8. K. Räikkönen, Ferrari + 6,9
  9. J. Vergne, Scuderia Toro Rosso + 2,7
  10. D. Kvyat, Scuderia Toro Rosso + 3,1

Was wird?

Ganz klar kann diese Frage nach dem Auftakt in Australien – in Bezug auf die Formel 1 – wohl niemand beantworten. In zwei Wochen beim Großen Preis von Malaysia werden die Karten wieder neu gemischt. Denn, das hat das heutige Rennen gezeigt, niemand kann sich sicher sein, das Rennen zu Ende zu fahren. Und – das ist sportlich noch viel wichtiger – in der neuen Formel 1 kann überholt werden. Valtteri Bottas, für mich trotz seines Fehlers der Mann des Rennens, machte das wunderbar vor.

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