Assen und Motorsport, da denken viele zunächst nur an Motorräder. Das liegt auch gar nicht so fern, denn der TT-Circuit Assen war lange Jahre nur eine Motorradstrecke. Doch seit einigen Jahren finden auf der Strecke in der niederländischen Provinz Drenthe regelmäßig auch Autorennen statt. Die 4,555 Kilometer lange Strecke lockt mit einem interessanten Wechselspiel zwischen anspruchsvollen Kurvenkombinationen und schnellen Passagen. Kenner sagen daher, dass der TT-Circuit Assen die Jungen von den Männern trennt.

Sie spielen dabei besonders auf die Kurve Ramshoek an, die an Blanchimont in Spa-Francorchamps erinnert. Doch wo in Spa die Strecke inzwischen von einer Asphaltfläche begrenzt wird, die auch locker dem örtlichen Supermarkt als Parkplatz dienen könnte, lassen die Niederländer in Assen neben der Strecke weiter Rasen wachsen, bevor ein Kiesbett das Verlassen der Strecke vom Ausflug zum Abflug machen würde. Dies macht die in Ramshoek gefahrenen Geschwindigkeiten, die Formelrennwagen der Champ Car World Series erreichten hier 2007 bis zu 295 km/h, umso beeindruckender.

Auch im historischen Auto macht Assen Spaß!

Das fängt auf der Strecke selbst an. Denn es macht – Teilnehmern wie Zuschauern – sichtbar Spaß, wie die historischen Rennwagen zum Beispiel bei den RSG Racing Days über den Kurs jagen. Wer sieht, wie die historischen Fahrzeuge der HTGT oder der FHR auf ihren profilierten Dunlop Vintage-Reifen durch Ramshoek getrieben werden, bekommt einen guten Eindruck davon, wie Motorsport sich vor gut 40 Jahren angefühlt haben muss.

Wer dabei als Pilot noch die Muße hat, um einmal abseits der Strecke die Umgebung wahrzunehmen, mag zwar nicht schnell sein, doch dafür dürfte er sich weit in die Vergangenheit zurückgesetzt fühlen. Denn auf großen Teilen der Strecke – wenn man das direkte Umfeld der Boxenanlage verlassen hat – stoppt auf der Innenseite der Strecke keine Leitplanke den Blick. Allenfalls Heidekraut oder Erdwälle beenden hier, hinter einer großzügig bemessenen Rasenfläche, irgendwann die Sicht.

Reifenstabel in Assen
Um die Autofahrer auf der Motorradstrecke von Assen davon abzuhalten, die Kurven zu schneiden, setzt man in Assen auf Bewährtes.

Dass der TT-Circuit immer noch hauptsächlich eine Motorradstrecke ist, merkt man auch bei der Gestaltung der Randsteine, die das Asphaltband der Strecke einfassen. Wo andere Strecken mit Rattersteinen versuchen, die Teilnehmer vom Schneiden der Kurven abzuhalten, setzten die Verantwortlichen in Assen im Sinne der Motorradpiloten auf flache Randsteine. Wie früher verhindern dann eben einfach zwei Reifen, dass die Autofahrer den Scheitelpunkt der Kurven zu weit auf den Grünstreifen legen.

Trotzdem ist Assen eine hochmoderne Strecke

Das Umfeld der gesamten Anlage wurde vor rund 10 Jahren weitestgehend neu errichtet. Das Fahrerlager ist großzügig bemessen und bietet den Teilnehmern und ihrem Anhang alles, was man an einem Rennwochenende benötigt. Unter Berücksichtigung dieser zahlreichen Pluspunkte ist es völlig unverständlich, warum alle bei den Racing-Days der RSG Hamburg vertretenen Rennserien Schwierigkeiten hatten, ihre Starterfelder zu füllen.

Das 3-Stunden-Rennen der FHR nahmen nur 25 Fahrzeuge in Angriff. Das Feld der HTGT umfasste gerade einmal 15 Fahrzeuge. „Was der Bauer nicht kennt, mag er nicht“, sagt man in meiner holsteinischen Heimat in solchen Fällen. Selbst der Kampf der Zwerge, sonst in der Regel mit deutlich über 40 Fahrzeugen eine Macht im historischen Motorsport, brachte trotz erheblicher Anstrengungen nur 28 Fahrzeuge auf die Strecke. Chef-Organisator Klaus Kleber versuchte, weitere Teilnehmer für eine Teilnahme zu begeistern.

Doch so sehr sich der Krefelder auch abmühte, mit am Ende 28 Fahrzeugen war Assen, von der Teilnehmerzahl her, ein Tiefpunkt in der Geschichte der Renngemeinschaft. Ärgerlich für Fans, Organisator und auch die anderen Teilnehmer war, dass ganze Wertungsgruppen der Rennsportgemeinschaft Kampf der Zwerge (Klasse 1: Fiat 500 oder Klasse 8: FIAT 128 und Simca Rallye) geschlossen auf den Ausflug in die Niederlande verzichten. Aber, und das kann man gar nicht deutlich genug schreiben, wer nicht in Assen war, der hat definitiv etwas verpasst!

RSG Racing Days: perfekte Organisation aus Hamburg und guter historischer Motorsport

Denn nicht nur die Strecke glänzte, sondern auch die Organisation der RSG Hamburg. Alle Startergruppen wurden mit einer Startaufstellung bei Start und Ziel dem durchaus anwesenden Publikum präsentiert. Anschließend führte ein Pace Car das Feld einmal über die Strecke, um dann die Wertungsläufe mit einem fliegenden Start freizugeben. Erst mit der Freigabe der Strecke für den jeweiligen Wertungslauf, begann die Uhr zu laufen. Gerade im Kampf der Zwerge wunderte sich hinterher der Eine oder Andere darüber, wie lang doch 30 Minuten sein können.

Am gesamten Wochenende wurde in Assen bei allen Rennen der RSG Racing Days guter und spannender historischer Motorsport geboten. Das 3-Stunden-Rennen der FHR sicherten sich Georg Nolte und Frank Schmickler im Ford GT 40, die auch im Rennen der HTGT zum Sieg fahren konnten. Das Rennen der Youngtimer Trophy gewann bei den Fahrzeugen bis 2-Liter Hubraum Uwe Klapproth im BMW 2002. Der Pilot aus Lippstadt profitierte dabei auch vom Ausfall des dahin überlegen führenden Dieter Karl Anton.

Flammen im Motorraum des Ford Escort RS 1600
Das schnelle Eingreifen der mobilen Feuerwehr am TT-Circuit Assen verhinderte Schlimmeres. Der Motorbrand im Ford Escort RS 1600 von Dieter Karl Anton konnte gelöscht werden – doch der sicher geglaubte Sieg im Rennen der Youngtimer Trophy war weg.

Rund sechs Minuten vor dem Ende des Rennens brach im Motorraum des Ford Escort RS 1600 ein Feuer aus. Das gesamte Fahrzeug wurde in ein rotes Flammenmeer getaucht, Anton fiel auf der Gegengeraden aus. Das Rennen der Youngtimer Trophy bei den Fahrzeugen mit mehr als 2 Liter Hubraum gewann Michael Schrey im Porsche.

Kampf der Zwerge: gleichmäßig schnell

Im Kampf der Zwerge gingen die Siege in den beiden getrennten Wertungsläufen an Roland Müller und Ingo Biehl. Roland Müller bewies im NSU TT dabei, dass man in einer Gleichmäßigkeitsprüfung auch mit den schnellsten Runden gewinnen kann. Denn Müller legte in den 30 Minuten des ersten Wertungslaufs mit 14 Runden die größte gefahrene Distanz zurück. Thomas Klingelhöfer vermochte zwar im Mini ebenfalls 14 Runden zurücklegen, doch Spritprobleme verhinderten am Ende eine Ankunft vor Müller und auch eine bessere Platzierung in der Gleichmäßigkeitsprüfung.

Ingo Biehl am Vorstart zum zweiten Lauf
Ingo Biehl am Vorstart zur zweiten Gleichmäßigkeitsprüfung der Rennsportgemeinschaft Kampf der Zwerge, die der Hamburger mit der unglaublich guten Leistung von 54 Strafpunkten gewinnen sollte. (Foto: Christian Rath)

Im zweiten Wertungslauf der Rennsportgemeinschaft Kampf der Zwerge zeigte Ingo Biehl dann, dass in einer Gleichmäßigkeitsprüfung nicht immer die Schnellsten gewinnen. Mit seinem Fiat Abarth 1000 TC sammelte der Hamburger in den drei besten Runden gerade einmal 54 Strafpunkte an. Die Abweichungen dabei beeindruckende 0.010, 0.017 und 0.027 Sekunden! Stephan Keiselt, der mit seinem Mini im zweiten Lauf die größte Distanz zurücklegen konnte, wurde in der Gleichmäßigkeitsprüfung als guter Achter gewertet und hatte schon 187 Punkte zusammengefahren.

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