Auktionen und Versteigerungen

SAAB: Museum zu verkaufen

Im Dezember 2011 meldete der schwedische Autobauer SAAB Konkurs an. Damit erreichte das Siechtum der Marke einen neuen Tiefpunkt. Inzwischen stehen sogar schon die Ausstellungsstücke des SAAB Museums zum Verkauf. Das sind keine guten Zeichen für die Fans und natürlich noch weniger für die Mitarbeiter der traditionsreichen Marke aus Trollhättan, denn es deutet nicht auf den Erhalt der Marke hin.

Bereits vor mehr als zwei Jahren haben wir uns hier im Oldtimer-Revier mit dem Ende der Marke SAAB beschäftigt. Das damals erwartete Sterben der automobilen Legende trat dann doch nicht ein, weil sich mit der niederländischen Sportwagenmarke Spyker ein Käufer für SAAB fand. Die Niederländer übernahmen im Februar 2010 für gerade einmal 74 Millionen US-$ die Mehrheit des Unternehmens, der bisherige Eigentümer General Motors blieb jedoch ein wichtiger Anteilseigner.

Doch Spyker fehlten die Mittel, um das Unternehmen dauerhaft wirtschaftlich zu betreiben. 2010 baute man immerhin etwas mehr als 32.000 Fahrzeuge. Doch ein gutes Jahr nachdem Spyker die Kontrolle übernommen hatte, stellten zahlreiche Zulieferer im März 2011 die Lieferung von Fahrzeugteilen wegen nicht bezahlter Rechnungen ein. Anfang April 2011 SAAB musste daraufhin Fertigung im Werk Trollhättan stoppen. Man nahm Verhandlungen mit mehreren chinesischen Unternehmen auf, die in SAAB investieren sollten.

Im Oktober 2011 schien es, als ob Spyker SAAB an zwei chinesische Unternehmen weiterreichen würde. Doch General Motors blockierte den Verkauf, um den Zugriff der Chinesen auf die Technik der Amerikaner zu verhindern. Denn die „modernen“ Produkte aus dem Hause SAAB basieren auf Technologieplattformen des inzwischen wieder größten Automobilherstellers der Welt.

Der in Trollhättan gebaute SAAB 9-5 teilt sich mit dem Opel Insignia, dem Buick LaCrosse und dem Cadillac XTS die sogenannte Epsilon-II-Plattform der Amerikaner. Wie sein kleiner Bruder, der auf der Epsilon-I-Plattform aufbauende SAAB 9-3, wird der große SAAB mit den bei Opel in Kaiserslautern gebauten Ecotec-II-Vierzylinder-Motoren verkauft. Der in Mexiko gebaute SUV SAAB 9-4X ist eine „nur“ per Typenschild veränderte Variante der zweiten Generation des Cadillac SRX.

Auch wenn man die Interessen der Amerikaner durchaus verstehen kann, dokumentieren die heutigen „SAAB“ das ganze Dilemma. Denn seit Gründung der SAAB Autosparte 1946 hat das von einem Flugzeugbauer gegründete Unternehmen mit teilweise skurrilen Ideen für Aufmerksamkeit gesorgt und sich über die Jahre eine treue Fan-Gemeinde erarbeitet.

Mit der Übernahme durch General Motors begann der Niedergang. Die Amerikaner haben vermutlich nie begriffen, welches Kleinod sie in Schweden erworben haben. Anders kann man es nicht erklären, warum sie zeitweise einen in Japan gefertigten Subaru Impreza als SAAB 9-2X angeboten haben.

Am 19. Dezember 2011 stellte SAAB einen Insolvenzantrag, da alle Verhandlungen mit möglichen Käufern gescheitert waren. Nun versucht der Insolvenzverwalter, das Unternehmen zu Geld zu machen. Auch wenn der Insolvenzverwalter betont, damit den Betrieb des Unternehmens sichern zu wollen, geht es jetzt auch an das vermutlich allerletzte Tafelsilber.

Anders ist der Verkauf der Exponate aus dem SAAB-Museum wohl nicht zu erklären. Und nach „Weitermachen“ klingt das alles nicht, denn gerade SAAB definiert sich über seine Geschichte. Seit der Übernahme durch General Motors hat man diesen Trumpf viel zu wenig gespielt.Jetzt sieht man, wozu das geführt hat. Als Oldtimer-Freund kann man wohl nur noch hoffen, dass sich eine Lösung findet, die das Museum irgendwie sichert.

1 Kommentar

  1. Du hast Recht, die Amis haben SAAB kaputt gespart. Fast wäre ihnen das ja auch mit OPEL gelungen 🙁

Was meinen Sie dazu?

Mit dem Absenden des Kommentars übermittelten Sie uns Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse, Ihre IP-Adresse, Ihre URL (sofern angegeben) und Ihren Kommentartext. Gleichzeitig stimmen Sie ausdrücklich der Speicherung und der Veröffentlichung des Kommentars zu. Die Veröffentlichung erfolgt ohne E-Mail- und IP-Adresse. Diese Daten dienen dem Schutz vor Missbrauch der Kommentarfunktion (SPAM) und werden anschließend automatisch gelöscht. Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen nicht zu veröffentlichen oder die Links zu entfernen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung des Kommentars besteht nicht.