Am vergangenen Wochenende hatte ich das Vergnügen, mit Volkswagen Classic an der Sachsen Classic 2015 teilzunehmen. 628 Kilometer war ich dabei mit einem VW Polo L von 1977 unterwegs. Von Start in Zwickau, durch Tschechien, die sächsische Schweiz führte die Strecke bis zum Ziel in Dresden.

Die Verantwortlichen des Veranstalters die Strecke in drei Etappen zerlegten. Die erste Etappe am Donnerstag führte rund um Zwickau. Zu den Höhepunkten der 125 Kilometer lange Strecke des Tages zählten das Erklimmen der steilen Wand von Meerane und ein Ausflug zum Sachsenring.

Dort ging es für die mehr als 180 Teilnehmer zunächst über ein Stück der alten Naturrennstrecke. Durch die MTS-Kurve und die Jugend-Kurve bis zur Einfahrt des neuen Sachsenrings. Auf der Strecke, die Motorsport-Fans hauptsächlich vom Großen Preis von Deutschland der Motorräder (MotoGP) kennen, stand eine Gleichmäßigkeitsprüfung an.

Am zweiten Tag ging es von Zwickau nach Dresden. Wobei es – typisch Oldtimer-Rallye – nicht auf dem direkten Weg in die Landeshauptstadt ging. Stattdessen führte die 273 Kilometer lange Königsetappe der Sachsen Classic 2015 durch das Grenzgebiet zu Tschechien. Für Autofans war dabei das Passieren des ehemaligen Horch-Werks in Zwickau interessant.

Besuch in der Heimat des Trabbi

Nach dem Zweiten Weltkrieg – und einem Intermezzo als VEB Kraftfahrzeugwerk Horch Zwickau – wurde es 1958 die Heimat des VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau. Ab Oktober 1957 lief hier der Trabant vom Band. Am Ende sogar mit einem Motor aus dem VW Polo. Womit es auch bei diesem Wegpunkt einen Bezug zu meinem Rallye-Partner Volkswagen Classic gab. Ein weiterer Meilenstein war das Uhrenmuseum in der Uhrmacherstadt Glashütte.

Zum Abschluss der Sachsen Classic 2015 stand eine 230 Kilometer lange Abschlussetappe auf dem Programm. Spannend die Runde auf dem Großdeutschlandring. Beliebt die Zwischenstopps im tschechischen Krasna Lipa sowie bei der Radeberger Brauerei. Der Zieleinlauf fand dann auf dem Gelände der Gläsernen Manufaktur statt. Sie gehört Volkswagen. Die Wolfsburger fertigen hier am Rande Innenstadt von Dresden den VW Phaeton sowie teilweise auch den Bentley Flying Spur.

Wertung der Sachsen Classic 2015

Mit einer Gesamtfahrstrecke von 628 Kilometern stellt die Sachsen Classic die Teilnehmer schon alleine mit dem Weg vor große Herausforderungen. Dazu kamen die 21 Wertungsprüfungen. Wie bei den meisten Oldtimer-Rallye-Veranstaltungen als Gleichmäßigkeitsprüfungen ausgelegt. Wobei viele der Prüfungen aus mehreren Teilabschnitten bestanden, um die Schwierigkeit zu erhöhen.

Zudem mussten die Teilnehmer beim Passieren bestimmter Wegpunkte bestimmte – von ihrer Startzeit abhängige – Zeitfenster einhalten. Wer sein Zeitfenster verpasst, weil er sich beispielsweise verfährt, sammelt dadurch zusätzliche Strafpunkte.

Ich war zusammen mit dem Filmemacher Kay MacKenneth unterwegs. Mit Volkswagen Classic war deshalb abgesprochen, dass wir die Rallye-Strecke außerhalb der Wertung fahren. Das gab Luft und Zeit, um auch Teilnehmer aus dem hinteren Teil des Startfelds auf der Strecke filmen oder fotografieren zu können.

Dafür hatte leider nicht jedermann Verständnis.

Denn bei der Zieleinfahrt wollte uns ein offensichtlich spaßfreier „Funktionär“ nicht nur des Platzes verweisen. Nein, ginge es nach ihm, dann wären Kay und ich für immer von allen Rallyes der Motorpresse Stuttgart, die die Sachsen Classic veranstaltet, ausgeschlossen. Schließlich hätten wir ihm mit unserem Chaos die Auswertung erschwert. Ansichtssache, doch am Ende konnte auch der cholerische Anfall dieses Mannes das gelungene Wochenende bei der Sachsen Classic 2015 nicht trüben.

Nu, ei verbibbsch – So een Bolo hadd’sch ooch mal!

Denn ähnlich wie bei der ADAC Hessen Thüringen war auch bei der Sachsen Classic 2015 das Publikumsinteresse beeindruckend. Fast überall entlang der Strecke säumten zahlreiche Zuschauer den Weg. Sie bejubelten – teilweise im Stil des legendären Tour de France Teufels Didi Senft – das Feld der vorbeifahrenden Oldtimer. Immer wieder hörten Kay und ich herzlich erfreute Ausrufe wie „So een Bolo hadd’sch ooch mal!“

Die Begeisterung für das rollende Museum war auf jedem Kilometer greifbar. Und genau darum geht es für mich bei solchen Oldtimer-Ausfahrten. Nicht um die Auswertung!

 

 

4 Kommentare

  1. Sieht ja nach einer tollen Veranstaltung aus! Etwas schade finde ich, dass man die Ausschreibungen heute Teilweise so gestaltet das „Klassiker“ nicht automatisch 30 Jahre und älter sein müssen.
    Dem Zuschauer an der Strecke wird das sicher nicht auffallen. Der Kenner könnte sich darüber ärgern das aus Marketing-Gründen Fahrzeuge wie der T3 oder der Golf mitfahren dürfen und – hier fehlt mir leider das Wissen über die Anzahl der Voranmeldungen – anderen Leuten die Startplätze „klauen“ könnten.
    Sicher gehen da die Meinungan außeinander, aber den Sinn dahinter kann ich nur in Werbung für bestimmte Marken – in diesem Fall eine aus Wolfsburg – sehen. Werbung die, wie ich vermute hinter den Kulissen durch „Spenden“ o.ä. erkauft wird.
    Sicher hilft das dem Veranstalter – aber nicht der Szene.

  2. Ich finde es toll, einen T3 zu sehen Und auch der Golf II ist toll, weil er gerade 1990 das absolute Traumauto vieler Auto-Fans war.

    • Ja, ich sage ja nicht, das sie nicht toll sind, aber es sind halt keine Oldtimer – zumindest noch nicht – und es ist a.) unfair gegenüber Leuten die vielleicht gerne mit ihrem OLDtimer gestartet wären und b.) unfair gegenüber Privatleuten die vielleicht gerne mit ihrem YOUNGtimer gestartet wären.
      Sind wir doch ehrlich, diese Fahrzeuge sind nur dabei weil VW da mit drin steckt.
      Die Autos von (unbedeutenden) Privatpersonen wären sicher nicht „ausgewählte Youngtimer“.

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