Über Opel haben auch wir bei AutoNatives.de in den vergangenen Monaten viel geschrieben. Ein wichtiges Thema war dabei auch die Frage, ob das Werk in Bochum tatsächlich geschlossen wird. Gerüchte dazu, dass der Autobauer aus dem Reich von General Motors sich aus dem Ruhrgebiet zurückziehen will, gibt es bereits seit einigen Jahren. Ein klares Bekenntnis für den Standort wurde diesen Gerüchten nie entgegengesetzt.

Und inzwischen muss man wohl nur noch fragen, wann das Werk geschlossen wird. Bis 2011 wurden im Ruhrgebiet der Astra und der Zafira produziert. Seit dem Modelwechsel beim Astra läuft in Bochum nur noch der Zafira vom Band. Bis 2016, wenn auch dieses Modell das Ende seiner Laufzeit erreicht haben wird, gibt es eine Bestandsgarantie.

Doch bereits im Sommer berichtete das Handelsblatt davon, dass Opel anschließend die Fahrzeugproduktion in Bochum ganz einstellen könnte. Direkt betroffen wären davon rund 3.200 Beschäftige sowie rund 1.000 Menschen, die bei Zulieferbetrieben arbeiten und deren Aufgaben vom Fortbestand des Opel-Werks in Bochum abhängen.

Der gescheiterte Strukturwandel im Ruhrgebiet

Für die Perle im Revier wäre der Verlust von Opel bereits die zweite große Werksschließung innerhalb weniger Jahre. Vor vier Jahren schloss Nokia im Stadtteil Riemke sein Mobiltelefon-Werk. Sowohl das Nokia-Werk, das einst als die modernste und größte Fernseherfabrik Europas galt, als auch das Opel-Werk galten lange Zeit als Leuchtturm-Projekte des Strukturwandels im Ruhrgebiet.

Sie wurden, wie auch das Siemens-Werk in Bochums Nachbarstadt Witten, in den 1960er und 1970er Jahren mithilfe staatlicher Subventionen errichtet. Als Folge der Kohlekrise 1957 versuchte man damit, Ersatzarbeitsplätze für die auf den Zechen und in den Hüttenwerken entfallenden Arbeitsplätze zu schaffen. Spätestens mit der Schließung des Nokia-Werks gilt der Versuch, mit einer subventionsgestützten Elektronikindustrie einen nachhaltigen Strukturwandel einzuleiten, als gescheitert.

Siemens verkaufte seine Elektronikwerke in Witten und Kamp-Lintfort. Die Nachfolger Vogt electronic AG und BenQ scheiterten. Die Elektronikindustrie gehört damit, was die Fertigung betrifft, im Ruhrgebiet inzwischen ebenfalls zu den „alten Industrien“. Mit der drohenden Schließung des Opel-Werks in Bochum würde diese Bezeichnung hier im Revier auch für die Automobilindustrie zutreffen.

Bochum würde damit erneut das Opfer von Strukturproblemen. Überzeugte Marktwirtschaftler werden jetzt einwerfen, dass Bochum und das Revier gerade den Preis für eine grundsätzlich verfehlte Subventionspolitik zahlen, die Überkapazitäten schafft oder hartnäckig gegen den Markt verteidigt. Doch das ist nur eine sehr verkürzte Betrachtung. Denn die Strukturpolitik ist ein Element unser Sozialen Marktwirtschaft. Gerade die Förderung der Industrie ist ein Garant für den sozialen Frieden, der in diesem Land im Wesentlichen immer noch besteht.

Jetzt steht die Solidarität auf dem Prüfstand

Noch ist die Schließung des Opel-Werks in Bochum ein Gerücht. Doch es kommt Bewegung in die Situation. Denn für morgen hat Rainer Einenkel, der Vorsitzende des Bochumer Opel-Betriebsrats zu einer Betriebsversammlung eingeladen. Für Unruhe bei der Belegschaft sorgt, dass sich zu dieser Versammlung gleich mehrere Vorstände angekündigt haben. Sogar ein Erscheinen des kommissarischen Vorstandsvorsitzenden Thomas Sedran ist im Moment nicht ausgeschlossen.

Einenkel will in der Betriebsversammlung vom Vorstand eine klare Aussage dazu einfordern, ob Opel ab 2016 überhaupt noch an einer Fahrzeugproduktion in Bochum interessiert ist. Die WAZ zitiert den Betriebsratsvorsitzenden dazu mit den Worten „Oder aber sie sollen den Mut haben zu sagen, es wird nicht mehr verhandelt – so wie man es uns mitgeteilt hat“.

Dies klingt verdammt nach einen Showdown und einer Schließung des Opel-Werks in Bochum. Das provoziert die Frage, was dann in Bochum passieren wird, wenn der Opel Vorstand morgen tatsächlich das Aus des Opel-Werks in Bochum verkünden wird. Denn die Belegschaft des Opel-Werks in Bochum gilt als gut organisiert. Und Arbeitskämpfe sind im Ruhrgebiet Teil der Geschichte.

Als die Krupp Stahl AG im November 1987 die Schließung ihres Stahlwerks in Duisburg-Rheinhausen bekannt gab, begann ein bis heute beispielloser Arbeitskampf. Krupp-Mitarbeiter besetzten immer wieder wichtige Rheinbrücken, monatelange Mahnwachen begleiteten die Auseinandersetzungen, die sich am Ende 164 Tage hinzogen. Das Ruhrgebiet erlebte damals eine beispielslose Welle der Solidarität, die auch jetzt wieder gefragt sein könnte.

Denn mit der Schließung des Opel-Werks in Bochum könnte sich dies jetzt wiederholen. Denn niemand möchte, dass die Fiktion „Bochum 2025“, die Autoblogger Björn Habegger bereits im März 2012 schrieb, eines Tages tatsächlich Realität wird und wir hier im Pott von den Spenden einer Schulklasse aus dem befreundeten China abhängig sein werden.

Morgen wissen wir mehr!

4 Kommentare

  1. Traurig, ob dann die Feier zum 50. Geburtstag am nächsten Samstag wie geplant mit einem Tag der offenen Tür stattfindet?

  2. Natürlich, das ist vorbei Da geht nix mehr. Geht nur noch darum die aus möglichst teuer zumachen

  3. Mit die aktuelle Generation is nix los. Die bringen noch nichtmal einen echten Protest auf die Strasse und lassen sich schön von die Bonzen in Arbeitslosigkeit schicken.

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