Meinung und Kommentar

Selten so viel Blödsinn gelesen wie in der FAZ

Mike Frison liegt – wie mir – der Nürburgring am Herzen. Mit dem von ihm verbreiteten Schlachtruf „Save the Ring“ haben die Fans der schönsten Rennstrecke der Welt ein gemeinsames Ziel gefunden. Denn es ist schwer zu akzeptieren, dass die Nutzer der Rennstrecke die Zeche für die Misswirtschaft der Politiker zahlen müssen.

Über Mike, der sich regelmäßig die Mühe macht, auf Nachrichten vom Ring zu verlinken, kam ich heute zur FAZ. Richtig, das ist die Zeitung, die einst damit geworben hat, dass hinter ihr immer ein kluger Kopf sitzen würde. Offensichtlich gilt das nicht für die Redaktion.

Denn schon nach der Einleitung zum Artikel „Der Nürburgring bekommt neue Eigentümer“ von Christoph Ruhkamp musste ich nicht nur wegen des heißen Wetters nach Luft schnappen. Ruhkamp schreibt:

Vor einem Jahr musste die Nürburgring GmbH Insolvenz anmelden, weil die Pächter ihre Zahlungen einstellten. Seither haben die Insolvenzverwalter die Rennstrecke saniert.

Sicherlich waren die Pächter des Nürburgrings ein Problem. Doch die Ursache des ganzen Dramas in der Eifel liegt tiefer. Auf Betreiben der Politik entstanden an der bis dahin – nach allem, was man weiß – finanziell gesunden Rennstrecke Dinge, die mit dem Rennbetrieb nichts zu tun haben. Denn weder die Erlebnismeile mit Veranstaltungshalle und Achterbahn noch das „Eifeldorf“, eine Ansammlung von Restaurants und Discos, werden für den Rennbetrieb benötigt.

Dies ist auch deshalb ärgerlich, weil sich all diese Dinge unternehmerisch nicht tragen. Eine Erkenntnis, die in der freien Wirtschaft offensichtlich recht früh vorhanden war. Denn nach der Vorstellung der Pläne scheiterten alle Versuche, das Projekt durch private Geldgeber zu finanzieren. Stattdessen sprang das Land Rheinland-Pfalz ein und bürgte für die Baukredite.

Es geschah das Unvermeidliche, die Betreibergesellschaft musste unter dem Druck dieser Schulden vor einem Jahr Insolvenz anmelden. Insgesamt kostete das gescheiterte Projekt, das immer wieder vom damaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck gefördert wurde, den Steuerzahler inzwischen rund eine halbe Milliarde Euro.

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Das ist und bleibt der Skandal.

Nach dem unglücklichen Einstieg sieht der Text von Herrn Ruhkamp zeitweise so aus, also ob auch er die Fakten sauber präsentieren will. Doch schon im zweiten Absatz zerstört der Autor jedes Goodwill. Das Problem wird abgeschwächt. Für die FAZ ist der sinnlose und überflüssige Vergnügungspark-Komplex nur überdimensioniert und mit zahllosen Baumängeln behaftet. Und dann folgt da wieder der Satz, der völlige Ahnungslosigkeit offenbart:

… musste die landeseigene Nürburgring GmbH Insolvenz anmelden, weil die Pächter ihre Zahlungen einstellten.

Auch die folgenden Darstellungen sind für Kenner der Materie nur schwer unerträglich. Denn der Autor lobt die Bemühungen der Insolvenzverwalter und Sanierungsgeschäftsführer, die Strecke nach Auffassung des Autors bereit für den Verkauf gemacht haben. Doch kann das – gerade weil der Steuerzahler so viel Geld in der Eifel investiert hat – ein sinnvolles Ziel sein?

Der Wert des Nürburgrings soll zwischen 80 Millionen und 150 Millionen Euro liegen. Nach Aussagen der „Sanierer“ beträgt der Umsatz der Strecke in diesem Jahr bei 55 Millionen bis 60 Millionen Euro. Damit erzielt der Nürburgring, weil die Anlage durch die Insolvenz die durch den Vergnügungspark angehäuften Schulden nicht bedienen muss, ein – wie die FAZ schreibt – nicht näher beziffertes „positives Betriebsergebnis“.

Doch es ist mehr als fraglich, ob eine Sportanlage wie der Nürburgring die notwendige Mindestrendite, die Unternehmen für ihre Investitionen benötigen, erwirtschaften kann. Schon eine Mindestrendite von 10 Prozent – was eher bescheiden ist – und ein günstiger Kaufpreis am unteren Ende der Wertschätzungen würden ein Betriebsergebnis in Höhe von 8 Millionen Euro pro Jahr erfordern.

Warum soll dieser Betrag, wenn er denn erwirtschaftet werden kann, in die Taschen eines Investors fließen? Warum sollen die Kosten sozialisiert und die Gewinne privatisiert werden?

Nein, Legenden verkauft man nicht! In diesem Sinne, SAVE THE RING!

 


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Szene aus dem Lauf der FHR auf der Nürburgring-Nordschleife 2010

Szene aus dem Lauf der FHR auf der Nürburgring-Nordschleife 2010

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