Skoda gelang ein bemerkenswerter Aufstieg. In Westeuropa galt die tschechische Automarke Ende der 1980er Jahre als technisch rückständige „Ostmarke“. Inzwischen schreibt Skoda auch in Westeuropa eine Erfolgsgeschichte. Kein Wunder, dass inzwischen das Skoda Museum in Mlada Boleslav die Geschichte des Unternehmens pflegt.

Denn die Geschichte des Autobaus bei Skoda ist fast 120 Jahre alt. Schließlich erfolgte die Gründung des Autobauers bereits 1895 als „Laurin & Klement“. 1925 übernahm Karl von Škoda mit seinem Maschinenbau-Konzern den Autobauer. Die Epoche im Sozialismus umfasst also nur eine vergleichsweise kurze Zeitspanne. Sie endete 1990 mit der Übernahme durch Volkswagen. Ein damals an der Übernahme beteiligter VW-Vorstand sagte mir einmal: „Wir haben unsere Techniker einen Škoda Favorit auseinander nehmen lassen, danach wussten wir, dass Skoda Autos bauen kann.“

Wobei das Bild von der rückständigen Ostmarke sowieso immer etwas schief hing. Denn bei den Ostmarken gab es einen großen Unterschied. Lada, Dacia oder Zastava starten hre Kfz-Produktion alle mit Lizenzbauten aus dem Westen. Skoda griff auch in den düsteren Zeiten der sozialistischen Mangelwirtschaft schon auf Jahrzehnte lange Erfahrung zurück. Entsprechend interessant ist ein Besuch im Skoda Museum am Hauptsitz des Unternehmens in Mladá Boleslav.

Seit 2012 gibt es das Skoda Museum in Mlada Boleslav

Filmauto Skoda 110 Super Sport „Ferat“
Exot im Skoda Museum: Was bei uns im Westen K.I.T.T. war, war im Osten der „Ferat Vampir“. Für die filmische Umsetzung des Romans „Vampir Ltd.“ des Science-Fiction-Autors Josef Nesvadba entstand bei Skoda 1981 dieser Skoda 110 Super Sport „Ferat“. (Foto: Jan Gleitsmann)

Bereits mit dem Standort des Museums beweist die VW-Tochter Sinn für Tradition. Sitz des Museums im böhmischen Mladá Boleslav, dem ehemaligen Jungbunzlau sind ehemalige Produktionshallen. Die Ausstellung umfasst gut 50 Fahrzeuge und mehr als 500 weitere Erinnerungsstücke aus der Geschichte des Unternehmens.

Wobei die Macher der Ausstellung nicht einfach die Exponate in chronologischer Reihenfolge präsentieren. Stattdessen gliedern sie ihre Ausstellung in drei Bereiche. Im Bereich „Tradition“ stehen neben den Autos die Geschichten ihrer einstigen Nutzer im Mittelpunkt. Die vorgestellten Personen sind normale Autokäufer und keine Stars oder Sternchen. Das macht auch ihre ehemaligen Fahrzeuge nahbarer, als das in anderen Museen der Fall ist.

Das Hochregallager im Skoda Museum
Im Mittelpunkt des Ausstellungsteils „Evolution“ steht ein Hochregallager, das 20 Meilensteine der Skoda-Geschichte bereithält. (Foto: Jens Stratmann)

Im Bereich „Evolution“ zeigt Skoda wie das Unternehmen die eigne Firmengeschichte sieht. Natürlich greifen die Ausstellungsmacher dabei auf Autos zurück. Den Mittelpunkt dieses Ausstellungsteils bilden 20 Fahrzeuge in einem vierstöckigen Hochregallager, dem sogenannten „Autoregal“. Diese Anordnung ermöglicht einen ungewöhnlichen Blick auf ausgewählte automobile Meilensteine der langen Geschichte des Unternehmens.

Ausstellungsbereich „Präzision“ im Skoda Museum
Im Ausstellungsbereich „Präzision“ zeigt Skoda, wie sich Oldtimer vom Scheunenfund zum vollrestaurierten Glanzstück entwickeln. (Foto: Jens Stratmann)

Ebenso ungewöhnlich ist der dritte Museumsbereich, der den Titel „Präzision“ trägt. In diesem Teil des Museums, der fast wie ein sonst nicht zugängliches Magazin wirkt, stehen unrestaurierte Oldtimer. Sie sind dabei so angeordnet, dass der Besucher auf seinem Weg durch die Ausstellung die Entwicklung vom Scheunenfund zum perfekten Oldtimer nachvollziehen kann. Das ist definitiv sehenswert und unterscheidet sich ebenfalls von klassischer Museumsarchitektur.

Das gesamte Museum passt zu Skoda

Denn die Präsentation im Skoda Museum verdeutlicht nebenbei geschickt dem Imagewandel vom Devisenbringer für ein marodes Wirtschaftssystem zu einem teilweise luxuriösen Autobauer. Und dokumentiert, dass dies mehr ein Comeback als ein Aufstieg ist.

Das Museum ist – außer am 24., 25. 26.12. und 1.1. – täglich von neun bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet Vollzahler 70 Tschechischen Kronen (CZK) – das sind rund 2,75 Euro pro Person. Wer will, der kann Führungen auf Englisch und Deutsch buchen. Sie kosten pro Person weitere 130 CZK und umfassen auf Wunsch (+70 CZK) auch einen Besuch der aktuellen Fahrzeugproduktion.

So findet Ihr das Skoda Museum:

ŠKODA AUTO Museum
Václava Klementa 294
29360 Mlada Boleslav

GPS: 50°25’7.615”N,
14°54’50.838”E

Mehr auch unter muzeum.skoda-auto.com

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