Bei kaum einer Automarke hat sich die Wahrnehmung der Käufer in den zurückliegenden 25 Jahren so stark verändert, wie das bei Skoda der Fall ist. In Westeuropa galt Skoda Ende der 1980er Jahre als eine dieser billigen und technisch rückständigen Ostmarken. Dabei gab es einen Unterschied.

Anders als Lada oder Zastava, die mit Lizenzbauten aus dem Westen ihre Kfz-Produktion aufnahmen, verfügt Skoda über eine umfangreiche eigene Geschichte. Schließlich erfolgte die Gründung des Autobauers bereits 1895 als „Laurin & Klement“. Entsprechend interessant ist ein Besuch im Skoda Museum am Hauptsitz des Unternehmens in Mladá Boleslav.

Das Skoda Museum wurde 2012 eröffnet

Schon mit dem Standort des Museums beweist die heutige VW-Tochter Sinn für Tradition. Im Bömischen Mladá Boleslav, dem ehemaligen Jungbunzlau gründeten Václav Klement und Václav Laurin einst ihr Unternehmen. Untergebracht ist das 2012 neu eröffnete Museum in ehemaligen Produktionshallen.

Filmauto Skoda 110 Super Sport „Ferat“
Exot im Skoda Museum: Was bei uns im Westen K.I.T.T. war, war im Osten der „Ferat Vampir“. Für die filmische Umsetzung des Romans „Vampir Ltd.“ des Science-Fiction-Autors Josef Nesvadba entstand bei Skoda 1981 dieser Skoda 110 Super Sport „Ferat“. (Foto: Jan Gleitsmann)

Die Ausstellung umfasst rund 50 Fahrzeuge und mehr als 500 weitere Museumsstücke aus der Geschichte des Unternehmens. Wobei die Macher der Ausstellung nicht einfach die Exponate in chronologischer Reihenfolge präsentieren. Stattdessen ist die Ausstellung in drei Bereiche gegliedert.

Im Bereich „Tradition“ stehen neben den Autos die Geschichten ihrer tatsächlichen Nutzer im Mittelpunkt. Durch die Verbindung zu ihren ehemaligen Nutzern wirken die Museumsstücke weniger entrückt, als das in anderen Ausstellungen der Fall ist. Zumal die vorgestellten Personen normale Autokäufer und keine Stars oder Sternchen sind.

Das Hochregallager im Skoda Museum
Im Mittelpunkt des Ausstellungsteils „Evolution“ steht ein Hochregallager, das 20 Meilensteine der Skoda-Geschichte bereithält. (Foto: Jens Stratmann)

Im Bereich „Evolution“ zeigt Skoda, wie das Unternehmen die Firmengeschichte sieht. Natürlich mit Autos. Denn den Mittelpunkt des Bereichs „Evolution“ bilden 20 Fahrzeuge, die in einem vierstöckigen Hochregallager, dem sogenannten „Autoregal“, stehen. Diese Anordnung ermöglicht einen ungewöhnlichen Blick auf die automobilen Meilensteine der langen Autogeschichte des Unternehmens.

Ausstellungsbereich „Präzision“ im Skoda Museum
Im Ausstellungsbereich „Präzision“ macht Skoda sichtbar, wie sich Oldtimer vom Scheunenfund zum vollrestaurierten Glanzstück entwickeln. (Foto: Jens Stratmann)

Ungewöhnlich ist der dritte Museumsbereich, den die Macher der Ausstellung „Präzision“ nennen. In diesem Teil des Museums stehen unrestaurierte Oldtimer. Die Fahrzeuge sind so angeordnet, dass der Besucher auf seinem Weg durch die Ausstellung die Entwicklung vom Scheunenfund zum perfekten Oldtimer nachvollziehen kann.

Das gesamte Museum passt zu Skoda

Die Präsentation im Skoda Museum verdeutlicht nebenbei dem Imagewandel vom Devisenbringer für ein marodes Wirtschaftssystem zu einem teilweise luxuriösen Autobauer. Und dokumentiert, dass das eher ein Comeback als ein Aufstieg ist. Denn heute feiert Skoda Verkaufsrekorde und überzeugt, wie unser Test des Skoda Yeti 4×4 zeigte, sogar kritische Autoblogger.

Das Museum ist – außer am 24., 25. 26.12. und 1.1. – täglich von neun bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet Vollzahler 70 Tschechischen Kronen (CZK) – das sind rund 2,75 Euro pro Person. Angeboten werden Führungen auf Englisch und Deutsch. Sie kosten pro Person weitere 130 CZK und umfassen auf Wunsch (+70 CZK) die aktuelle Fahrzeugproduktion.

So findet Ihr das Skoda Museum:

ŠKODA AUTO Museum
Václava Klementa 294
29360 Mlada Boleslav

GPS: 50°25’7.615”N,
14°54’50.838”E

Mehr auch unter muzeum.skoda-auto.com

Danke für die Fotos an Jan Gleitsmann und Jens Stratmann, der auch weitere Bilder aus dem Skoda Museum auf seiner Webseite zur Verfügung stellt.

Schreib einen Kommentar

Mit dem Absenden des Kommentars übermittelten Sie uns Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse, Ihre IP-Adresse, Ihre URL (sofern angegeben) und Ihren Kommentartext. Gleichzeitig stimmen Sie ausdrücklich der Speicherung und der Veröffentlichung des Kommentars zu. Die Veröffentlichung erfolgt ohne E-Mail- und IP-Adresse. Diese Daten dienen dem Schutz vor Missbrauch der Kommentarfunktion (SPAM) und werden anschließend automatisch gelöscht. Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen nicht zu veröffentlichen oder die Links zu entfernen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung des Kommentars besteht nicht.