Die Autowelt ist immer wieder für Überraschungen gut. Wer hätte vor – sagen wir mal – 30 Jahren gedacht, dass Daimler eines Tages einen Pick-Up vorstellt. Niemand! Denn die Marke Mercedes steht traditionell für gediegenen Luxus. Selbst die Kombi, die hier T-Modell hießen, oder der Geländewagen G-Modell wirkten nicht, als ob ihr Zweck der Transport von Farbeimern oder Schweinehälften sei. Doch wir haben 2017, heute ist Donald Trump US-Präsident und der Dorfklub Hoffenheim spielt in der Champions League. Und bei Daimler gibt es mit der Mercedes X-Klasse jetzt einen Pick-Up.

Sicher, im Vergleich mit den beiden zuvor genannten Punkten, ist ein Pick-Up mit Stern wohl das kleinste Problem. Trotzdem stellt sich die Frage nach dem „Warum“. Sicher, in den USA ist die Klasse der Pick-Ups eine Erfolgsgeschichte. Der Ford F150 ist das erfolgreichste Auto der USA. Dort fahren Handwerker und Farmer Pick-Up. Neben Ford machen auch GM, Dodge sowie japanische Hersteller in dieser Klasse gute Geschäfte. Doch Mercedes-Hersteller Daimler verkauft die X-Klasse nicht in den USA. Denn dem Daimler fehlt – trotz einer Länge von 5,34 Metern und einer Breite von 1,92 Metern – dort das notwendige Format. In Amerika ist halt alles eine Nummer größer.

Zudem spielt eine Rolle, dass die Mercedes X-Klasse in Amerika zu teuer wäre. Ein Schutzzoll von 25 Prozent schützt den US-Markt vor dem Import von Hühnchen und leichten Nutzfahrzeugen. So heißt es bei der Mercedes X-Klasse statt „America first“ recht einfach „Goodbye America“! So bleibt der Pick-Up von Mercedes Europa, Südafrika, Australien sowie Argentinien und Brasilien vorbehalten. Wobei zumindest bisher auch nicht absehbar ist, dass in Europa der Kernmarkt Deutschland in größeren Stückzahlen nach Pick-Ups giert.

Trotzdem gibt es jetzt die Mercedes X-Klasse!

Ich finde das verwunderlich. Denn die ganze Welt redet von Elektroautos und dem Ende des Verbrennungsmotors. Ein Pick-Up ist das totale Gegenteil davon. Zumal die Mercedes X-Klasse primär Dieselmotoren antreiben. Auch das ein Punkt, der zurzeit viel Widerspruch provoziert. Ich frage mich, ob die X-Klasse ein Statement ist, das grünen Weltverbesserern mit ihren Elektro-Träumen ein freundliches „So sehen realistische Autos aus!“ an den Kopf schmeißt. Zugegeben, ich weiß nicht, ob die Stuttgarter so mutig sind.

Die Front weist die Mercedes X-Klasse klar als Mercedes aus.
Die Front weist die Mercedes X-Klasse klar als Mercedes aus. (Foto: Daimler AG)

Immerhin versteht es Mercedes-Hersteller Daimler, die Kosten niedrig zu halten. Denn den Neuen auf den Markt zubringen, erforderte Investitionen im mittleren dreistelligen Bereich. Das ist, in Zeiten, wo die Entwicklung einer Oberklasse-Limousine wie dem neuen Audi A8 vier Milliarden verschlingt, ein Spottpreis. Möglich ist das allerdings nur dank einer Kooperation mit Renault-Nissan. Nach dem für Mercedes-Fans schwer zu akzeptierenden Kastenwagen CITAN ist auch die X-Klasse ein Derivat eines Fremdprodukts.

Grundlage der Mercedes X-Klasse ist der Nissan Navara. Auch die Produktion liegt bei Renault in Argentinien sowie bei Nissan in Barcelona. Immerhin, dank einer durchaus mutigen und interessanten Karosserie setzt sich die X-Klasse mehr als der CITAN von seinem Gen-Spender ab. Von außen geht die X-Klasse als Mercedes durch. Trotzdem bleibt die Basis erkennbar. Heise Auto bezeichnet die Testfahrt mit dem Navara deshalb schon als Fahrbericht der kommenden X-Klasse.

Mit eigenen Motoren bestückt, soll die X-Klasse zunächst das Interesse testen. Wobei Daimler die Mercedes X-Klasse als Lifestyle-Produkt positioniert. Denn in der Pressemeldung zur Premiere trägt den Titel „Pickup trifft Lifestyle – Die Mercedes-Benz X-Klasse“. Selbstbewusst bezeichnen die Stuttgarter die X-Klasse dabei als „Der erste Pickup eines Premiumherstellers“. Trotzdem liegt der Einstiegspreis in Deutschland bei 37.294 Euro.

Wenn die X-Klasse Ende des Jahres auf die Straße kommt, zeigt sich, ob Mercedes Kunden, die bisher mit einem Ford Ranger, dem Mitsubishi L200 oder dem VW Amarok unterwegs waren, einen Pick-Up mit Stern verkaufen kann. Unabhängig davon muss ich unwillkürlich wieder an den Claim von Mercedes denken. Der lautet „Das Beste oder Nichts“. Sieht nicht danach aus, dass die Mercedes X-Klasse diesen Claim befriedigt.

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