Auf der Moskauer Internationalen Motor Show (MIAS) zeigt der russische Autobauer AwtoWAS zurzeit die Studie Lada 4×4 Vision. Sie soll nach mehr als 40 Jahren den legendären Lada Niva beerben. Das sind große Fußstapfen.

Denn der urige Geländewagen läuft inzwischen seit mehr als 40 Jahren vom Band. Die – optisch betrachtet – Kreuzung aus Renault 5 und einem Land Rover Chassis ist damit längst ein Klassiker. Ursprünglich entstanden, um die ländlichen Gebiete in der Weite der ehemaligen Sowjetunion zu versorgen, entwickelte sich der Niva zum Vorbild für eine neue Fahrzeugklasse. Denn vor dem Niva stützen sich echte Geländewagen stets auf einem massiven Leiterrahmen ab. Weshalb wohl auch die Entwickler des Lada Niva bei den ersten Prototypen auf dieses tragende Element vertrauten.

Erst im Laufe der Entwicklung entstand die Idee, auf diese Stütze zu verzichten und die Allradtechnik direkt in die selbsttragende Karosserie zu integrieren. Es funktionierte und Lada wurde zum Trendsetter. Denn in den folgenden Jahren übernahmen praktisch alle Anbieter von SUV und leichten Geländewagen dieses Konzept. Trotzdem wird die Zeit des Lada Niva wird irgendwann in naher Zukunft ablaufen. Schon 2002 zeigte sich, dass die Konstruktion aus den 1970er-Jahren moderne Sicherheits-Anforderungen allenfalls rudimentär erfüllen kann. Wer diese Bilder vom Crashtest sieht, der will bei einem Unfall nicht in einem Lada Niva sitzen.

Was bietet die Studie Lada 4×4 Vision?

Der Lada-Produzent AwtoWAS (russisch АвтоВАЗ, AvtoVAZ) kooperiert heute eng mit Renault-Nissan. Die Französisch-Japanische Allianz erwarb 2008 einen 25-prozentigen Anteil an dem Autobauer aus dem russischen Toljatti. Damit besitzt Renault-Nissan eine Sperrminorität und nimmt darüber auch aktiv auf die Modellpolitik von Lada Einfluss. Ähnlich, wie es ursprünglich einmal Dacia war, ist Lada im Verbund von Renault-Nissan eine Marke für Schwellenländer.

Gleichzeitig betont Lada auch das Russische. In der Pressemitteilung des Autobauers AwtoWAS heißt es zur Studie Lada 4×4 Vision, der neue SUV sei ein „Kosmopolit, geboren, um die Welt zu beherrschen“. Das erinnert irgendwie an die legendäre Pressemitteilung von Tata, die vor gut zehn Jahren ein neues Modell als „Blitzkrieger“ bezeichneten. Aber vermutlich ist das in beiden Fällen gar nicht so martialisch gemeint, wie es für unsere Ohren klingt.

Denn ansonsten wirkt das, was der Autobauer zur Studie schreibt, fast schon romantisch. Denn der Lada 4×4 Vision sei, so schreibt AwtoWAS, geeignet, um der Morgendämmerung zu begegnen. Gebaut für Ausflüge in die Berge des Ural, Reisen zu den Vulkanen auf Kamchatka oder für eine Fahrt von Moskau nach Wladiwostok. Auf dieser Strecke lasse sich dann ein Blick auf den Sonnenuntergang am Baikalsee oder den Sternenhimmel werfen, heißt es im Pressematerial fast schon schwärmerisch.

Ist die Studie der Lada Niva für das 21. Jahrhundert?

Vermutlich ja, denn mit der Studie passten die Techniker Anspruch von der Überwindung der russischen Unwegsamkeit den modernen Bedürfnissen an. Dabei transportierten die Designer zunächst das klassische Design des Lada Niva in das 21. Jahrhundert. Die LED-Lichter der Studie entsprechen so ganz dem Zeitgeist. Beim Bau der Karosserie der Studie vertraute AwtoWAS allerdings auf viel leichtes Aluminium. Das spart Gewicht und senkt damit den Verbrauch. Fraglich, ob dieser teure Werkstoff auch bei einem Serienmodell zum Einsatz kommen wird.

Das Gleiche gilt wohl auch für die massiven 21-Zoll-Räder, die für sportliche Proportionen und die Maximierung der Bodenfreiheit sorgen. Auch sie sind im Alltag wohl zu teuer für ein neues russisches Volksauto. Sicher verschwinden wird auf dem Weg zur Serie das große ungewöhnlich geformte Glasdach. Es gibt im Innenraum den Blick frei auf zwei große moderne Digitaldisplays. Das sieht ziemlich gut aus, dürfte aber zumindest in einem kommenden Serienmodell eher ein optionales Angebot darstellen. Trotzdem ist die Studie Lada 4×4 Vision wohl mehr als nur eine Fingerübung der Designer. Denn sie wirkt der Serienreife nah.

Gut möglich, dass daher „schon“ im nächsten Jahr der Lada Niva tatsächlich einen Nachfolger bekommt. Wieder einmal, denn das probierte AwtoWAS in Zusammenarbeit mit General Motors bereits 1998 mit dem Lada Niva II. Doch der konnte seinen Vorgänger nie vollständig verdrängen. Und so laufen heute beide in Toljatti vom Band. Gut möglich, dass die die Studie Lada 4×4 Vision somit am Ende gleich zwei Autos beerbt.

1 Kommentar

  1. Annika Hirtenkopf Reply

    ich finde ihren Beitrag über den Lada 4×4 der russische Autobauer AwtoWAS sehr informativ und aufschlussreich 🙂 Das Geländewagen ist toll aber im Vergleich zu den europäischen Konkurrenten fällt nicht so gut aus!

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