In Essen hat heute die Techno Classica 2016 ihre Tore geöffnet. Karla und ich haben uns die Zeit genommen, um uns ausführlich auf dem Gelände der Messe Essen umzusehen. Dabei haben wir drei Autos gefunden, die der Oldtimer-Freund in unseren Augen unbedingt gesehen haben muss.

Selbstbewusst nennt sich die Techno Classica gerne „Die Klassik Weltmesse“. Und auch die 28. Ausgabe der Messe wird diesem Anspruch gerecht. Denn mit insgesamt 127.000 m² Ausstellungsfläche und mehr als 2.500 ausgestellten Fahrzeugen setzt auch die Ausgabe 2016 wieder neue Rekorde. Das wissen längst auch die großen Autohersteller. Fast 25 Marken und Hersteller sind offiziell mit einem Stand in Essen vertreten.

Mit ihrem reichhaltigen Angebot wollen die Veranstalter der Messe in diesem Jahr 190.000 Besucher nach Essen locken. Um das mit diesem Zuspruch verbundene Gedränge etwas zu entzerren, beziehen die Verantwortlichen in diesem Jahr erstmals die Grugahalle mit in die Messe ein. Die unter Denkmalschutz stehende Mehrzweckhalle wird damit für fünf Tage zu einer echten „Klassik Arena“.

Im Mittelpunkt dieser „Klassik Arena“ steht die Präsentation von Coys of Kensington. Das Auktionshaus wird am Samstag, den 9. April ab 12 Uhr in der Grugahalle insgesamt 130 Fahrzeuge versteigern. Marktbeobachter erwarten alleine bei dieser Auktion einen Erlös von mindestens 15 Millionen Euro.

Audi Gruppe S Prototyp

Mitte der 1980er Jahre war der Rallye-Sport top. Weltweit verfolgten die Fans die Duelle auf den Schotterpisten. Die Hersteller lieferten mit den völlig enthemmten Rennwagen der Gruppe B die passenden Sportgeräte. Es entstanden extrem hochgezüchtete Autos wie der Audi Sport quattro S1, Peugeot 205 Turbo 16 E2, Ford RS200, MG Metro 6R4 oder Lancia Delta S4.

Walter Röhrl, Juha Kankkunen oder Henri Toivonen, um nur drei Piloten zu nennen, jagten mit ihren Boliden oft mit einem absurden Tempo durch die Prüfungen. Wer heute Bilder von diesen Fahrten sieht, muss den Atem anhalten. Doch allen war klar, dass das Wettrüsten auf Dauer nicht gut gehen kann. Und trotzdem wollten die Regelhüter der FIA die Entwicklung noch weiter forcieren.

Ab 1988 sollte die Gruppe S an die Stelle der Gruppe B treten. Nur noch zehn Exemplare hätten die Hersteller bauen müssen, um starten zu dürfen. Man kann sich vorstellen, wo das hingeführt hätte. Denn in der Gruppe B mussten für eine Teilnahme noch mindestens 200 Exemplare entstehen. Selbst bei einem Hubraumlimit von 1,2 Litern für Turbomotoren wären wohl bald auch in der Gruppe S Leistungen auf dem Niveau der Gruppe B möglich gewesen.

Doch als im Mai 1986 mit Henri Toivonen einer der besten Rallye-Piloten seiner Zeit tödlich verunglückte, zog die FIA die Notbremse. Statt für die Rallye-Weltmeisterschaft ab 1988 für Rennwagen der Gruppe S auszuschreiben, mussten die Fahrer und Teams schon ab 1987 mit Fahrzeugen der Gruppe A rennen.

Audi zeigt auf der Techno Classica 2016, wie ein Rennwagen der Gruppe S hätte aussehen können. Den Antrieb übernimmt ein 1,2 Liter großer Vierventil-Turbomotor in Mittelmotoranordnung. Der ausgestellte Prototyp verfügt über einen Gitterrohrrahmen mit Kunststoffkarosserie. Auffällig der extrem große Heckspoiler, der alles in der Gruppe B gezeigte noch in den Schatten stellt.

Lamborghini Miura SV, Baujahr 1971

Auch der Sportwagenbauer Lamborghini hat inzwischen eine Klassikabteilung. Unter dem Namen Lamborghini PoloStorico liefert das Unternehmen Ersatzteile für seine Sportwagen. Zudem bietet der PoloStorico auch die Zertifizierung und Restaurierung von Lamborghini-Fahrzeugen an. Als Beispiel dafür, wie sich der Lamborghini PoloStorico die perfekte Restauration vorstellt, zeigen die Italiener einen Muira SV.

Der Lamborghini Miura war der erste Mittelmotorsportwagen aus Sant’Agata Bolognese. Für den Entwurf des1966 vorgestellten Supersportlers war der damals 30 Jahre alte Giampaolo Dallara verantwortlich. Motorsportfans kennen den Ingenieur als Gründer und Chef des Rennwagenbauers Dallara, der heute die Rennwagen für Formel-1-Neueinsteiger Haas fertigt.

Der auf dem Lamborghini Stand in Essen ausgestellte Muira SV wurde von Lamborghini PoloStorico in den Auslieferungszustand zurückversetzt. Womit das Fahrzeug heute wieder so aussieht, wie es 1971 auf dem Automobilsalon in Genf aussah. Wo dieser Muira seinerzeit übrigens nicht bei Lamborghini, sondern beim Karosseriebauer Bertone ausgestellt wurde.

Fiat-Abarth 1000 Weltrekordwagen

Das letzte Exponat, das man als Oldtimer-Fan in meinen Augen unbedingt gesehen haben muss, ist der Fiat-Abarth 1000 Weltrekordwagen. Denn dieses Fahrzeug war lange verschwunden und tauchte erst vor gut einem Jahr erstmals wieder in der Öffentlichkeit auf. Um so erstaunlicher, dass der Fiat-Abarth 1000 Weltrekordwagen jetzt in Essen fast schon unscheinbar am Stand eines Oldtimer-Händlers steht.

Entstanden ist das Einzelstück 1960 in der Werkstatt der Carrozzeria Pininfarina. Sie fertigte den Stromlinienwagen im Auftrag von Abarth und Fiat. Und wie schon sein Vorgänger, der Abarth 750 Record Bertone, trat Abarth auch mit dem Fiat-Abarth 1000 zu Geschwindigkeitsweltrekord-Fahrten an. Ausgerüstet mit einem ein Liter großen und 105 PS starken Vierzylinder rückte der Neue in Monza zu Rekordfahrten aus.

Am Ende sprangen dabei nicht weniger als acht neue Weltrekorde heraus. Beeindruckend die Durchschnittsgeschwindigkeit von 203,656 Kilometern pro Stunde, mit denen der Fiat-Abarth 1000 eine zwölfstündige Fahrt beendete. Und selbst 10.000 Kilometer legte der Monoposto noch mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 191,376 Kilometern pro Stunde zurück.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise der Techno Classica 2016

Erwachsene € 25,–
Jugendliche, Schüler (15 bis 17 Jahre),
Studenten, Arbeitslose und Behinderte
(gegen Vorlage eines Nachweises):
€ 20,–
Kinder und Jugendliche (8 bis 14 Jahre): € 12,50
Kinder (unter 8 Jahre in Begleitung Erwachsener): freier Eintritt
Familienticket – Eltern mit 2 Kindern (bis 17 Jahre) € 65,–
Gruppen ab 20 Personen p.P. € 22,50-
Messekatalog-Magazin € 10,–

Für das Publikum ist die Techno Classica von Donnerstag, dem 7. April bis zum Sonntag, den 10. April 2016 geöffnet. Die Messe ist täglich von 9:00 Uhr bis 18:00 Uhr  geöffnet.

Weitere Eindrücke von der Techno Classica 2016

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