Heute startete in Essen die Techno Classica 2018 offiziell. Auch in diesem Jahr waren Karla und ich bereits gestern beim Pressetag auf dem Messegelände der Ruhrmetropole unterwegs, um die Autos zu finden, die Oldtimer-Freunde bei der 30. Ausgabe der Techno Classica sehen müssen.

Wobei die Autos, die wir in unseren Artikel vorstellen,„nur“ eine rein subjektive Auswahl darstellen. Denn insgesamt stehen auch 2018 wieder mehrere Tausend Klassiker in der Auslage. Dieses gigantische Angebot auf drei Oldtimer zu verdichten, ist natürlich nicht ohne „Verluste“ möglich.

Howmet TX – die Gasturbine, die nur einen Sommer rannte

In den 1950er und 1960er Jahren war die Gasturbine als Antrieb für das Auto ein heißes Thema. Rover trat 1963 und 1965 zweimal mit einem Gasturbinen-Fahrzeug in Le Mans an. Ray Heppenstall verfolgte das Rover-Projekt mit großem Interesse. Als Parnelli Jones mit dem vom Andy Granatelli eingesetzten Turbinenfahrzeug 1967 fast die 500 Meilen von Indianapolis gewonnen hätte, setzte auch Heppenstall auf die Gasturbine. Im Rennwagenbauer Bob McKee fand der US-Amerikaner einen Mitstreiter, der einen Sportwagen für die FIA-Gruppe-6 konstruierte.

Im Motorraum des geschlossenen Coupés fand die Turbine eines Militärhubschraubers Platz. Sie leistet rund 330 PS, die über einen Drehmomentwandler und ein Untersetzungsgetriebe die Hinterräder antreiben. Das Maschinenbauunternehmen Howmet Castings stieg als Sponsor ein. Deshalb feierte der Rennwagen als Howmet TX 1968 bei den 24 Stunden von Daytona sein Renndebüt. Dort turnte der Sportwagen zeitweilig auf dem dritten Platz rum. Doch ein Unfall beendete die Fahrt vorzeitig.

Bei den Rennen des SCCA arbeitete das Team in den kommenden Wochen an der Standfestigkeit. Beim „Heart of Dixie“ in Huntsville (Alabama) gewann der Howmet TX sogar ein Rennen. Kurze Zeit später gelang in Maryland der zweite Sieg. Dabei setzte sich der Gasturbinen-Rennwagen gegen Sportler wie den Porsche 907 oder den Ford GT40 durch. Daraufhin wandte sich das Team der Sportwagen-Weltmeisterschaft zu, um schließlich auch in Le Mans anzutreten.

Doch an der Sarthe fehlte dem ungewöhnlichen Sportwagen Leistung. Im Training gelang nur der Sprung auf den 20. Startplatz. Das Team hatte sich mehr ausgerechnet. Auch im Rennen lief es nicht gut. Der erste Howmet TX fiel mit einem Schaden an der Radaufhängung bereits nach gut sechs Stunden aus. Den zweiten Rennwagen riß kurze Zeit später ein Unfall aus dem Rennen. Nach dieser Enttäuschung zog sich Sponsor Howmet zurück.

Ich fand den Howmet TX eher zufällig in Halle 3 am Eingang West.

Skoda TREKKA – der Kiwi-SUV auf Basis des OCTAVIA

SUV (ausgeschrieben Sports Utility Vehicle) sind eine vergleichsweise junge Fahrzeuggattung. In immer schnellerer Folge werfen die Hersteller die Crossover aus Geländewagen und komfortablen Pkw auf den Markt. Inzwischen sind SUV in praktisch allen Fahrzeugklassen vertreten. Als Urvater der Gattung SUV gelten Fahrzeuge wie der International Harvester Travelall von 1956 oder der 1963 vorgestellte Jeep Wagoneer. Auch der Range Rover von 1970 gilt heute als früher SUV-Urahn.

Bereits vier Jahre früher gab es – zumindest in Neuseeland – den Skoda TREKKA. Der kantige Geländegänger basierte auf Fahrgestellen des Skoda OCTAVIA Kombi. Hersteller des TREKKA war die Motor Lines Ltd. aus dem neuseeländischen Auckland. Motor Lines verdiente zuvor sein Geld mit dem Import von Skoda-Fahrzeugen ins Land der Kiwis. Doch der Markt in Neuseeland war Mitte der 1960er-Jahre streng reglementiert. Auf Importen von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen lasten hohe Zölle. Teilweise gibt es Mengenbeschränkungen.

Nur der Import von landwirtschaftlichen Fahrzeugen und den dafür benötigten Teilen war nicht beschränkt. Darin erkannte Motor Lines Junior-Chef Philip Andrews eine Chance. Denn Andrews sah im Bau eines landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugs eine Möglichkeit, um vom Skoda-Importeur zum Fahrzeughersteller „aufzusteigen“. Im Unternehmer Noel Turner fand Andrews einen Geldgeber, der bereit war, das Abenteuer zu finanzieren.

Philip Andrews wusste, dass der Land Rover vielen Bauern zu teuer war. Auf Grundlage des Skoda OCTAVIA Kombis konstruierte der Neuseeländer daher seine Alternative. Dabei entstand ein kantiger Geländegänger, der über viele Merkmale eines modernen SUV verfügt. Wobei die Idee nicht ganz neu war. Denn zu dieser Zeit bot Peter Risbridge aus Katerau ein ähnliches Fahrzeug auf Basis des britischen Bradford an. Gut möglich, dass Andrews sich an diesem Fahrzeug orientierte.

Von 1966 bis 1972 entstanden in Neuseeland fast 3.000 Exemplare des SKODA TREKKA. Skoda stellt ein Exemplar in Halle 7 aus.

DB HBR – mit 700 ccm in Le Mans auf Platz zehn

Über die Geschichte des Sportwagenbauers „Deutsch et Bonnet“ schrieb ich hier im Blog schon öfter. Denn ich finde es faszinierend, mit welchen Mitteln René Bonnet und Charles Deutsch Sportwagen auf die Räder stellten und zu welchen Erfolgen die Franzosen dabei fuhren. 1953 bauten sie den DB HBR. Mit dem HBR verbinden sie die Themen „Leichtbau“ und „Aerodynamik“ zu einer fast perfekten Symbiose.

Das sorgt auf den Rennstrecken der Welt für viel Aufsehen. In Le Mans und Sebring fährt René Bonnet zum Klassensieg. Dazu gewann das Team viermal seine Klasse bei der legendären Mille Miglia. Beim Sportwagenrennen Großen Preis von Roubaix schlägt René Bonnet 1953 im DB HBR dann sogar deutlich stärkere Fahrzeuge. Wohlgemerkt – alles mit einem 700ccm großen Motor. In den Werkswagen übernimmt ein Zwei-Zylinder-Boxermotor von Panhard den Antrieb.

Im Chassis 2003, das wir auf der Techno Classica trafen, schlägt ein Herz von Renault. Trotzdem rannte auch dieser Rennwagen 1954 in Le Mans. Claude Storez, Jean-Claude Vidilles und Jean Lucas fallen mit dem Rennwagen jedoch nach nur vier Runden aus. 64 Jahre später steht ihr Rennwagen auf der Techno Classica in Essen. Ihr findet den kleinen Sportwagen in Halle 6.1 in der Nähe des Stands der SIHA bei einem kleinen Händler.

Öffnungszeiten und Preise der Techno Classica 2018

Die Techno Classica 2018 findet vom 22. bis zum 25. März statt. Die Hallen der Messe Essen sind täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Tickets kosten in diesem Jahr an der Tageskasse 25 Euro. Ermäßigte Karten für Schüler, Studenten, Arbeitslose und Behinderte kosten 20 Euro. Kinder bis 14 Jahre zahlen 12,50 Euro.


PS: Audi feiert bei der Techno Classica 2018 den 50. Geburtstag des Audi 100. Im Audi-Blog habe ich etwas zur Entwicklungsgeschichte dieses Autos veröffentlicht.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Probesitzen im Audi 100 Coupé

Das Audi 100 Coupé von 1969 fand ich schon als Kind schön. Deshalb nutzte ich die Techno Classica 2018, um ENDLICH mal in einem Audi 100 der ersten Generation Probesitzen zu können.

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

2 Comments

  1. Herbert Weiß Reply

    Immer wieder interessant, was Ihr so ausgrabt. Denn sowohl an dem Howmet als auch an dem DB HBR wäre ich völlig unwissend vorbeigelaufen. Wer weiß schon, welches Auto 1954 in Le Mans Zehnter wurde. Cool!

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