Auch Motorsport-Freunde, die sich ansonsten nicht viel für Kunst interessieren, kennen die BMW Art Cars. Seit 1975 lädt der bayrische Autobauer immer wieder namhafte Künstler ein, Autos und Rennwagen als rollende Leinwand zu nutzen. Bis zum Februar 2019 besteht im BMW Museum in München die Gelegenheit, in der Sonderausstellung „BMW Art Cars | How a vision became reality“ sieben der insgesamt 19 BMW Art Cars zu bestaunen.

Mit dieser Sonderausstellung ehrt BMW Hervé Poulain, der als Auktionator und Rennfahrer die Idee für die Verbindung von Kunst und Rennsport hatte. In Jochen Neerpasch, damals Leiter der BMW Motorsport GmbH, fand Poulain einen Mitstreiter, der half, die Idee in die Realität umzusetzen. kurz darauf bemalte Alexander Calder einen 480 PS starken BMW 3.0 CSL. 1975 setzte Poulain den in kräftigen Farben gestalteten Rennwagen bei den 24-Stunden-Rennen von Le Mans auf der Rennstrecke in Szene.

Die Initiatoren des BMW Art Car Projekts: Jochen Neerpasch (l.), ehemaliger Leiter der BMW Motorsport GmbH, und Hervé Poulain (r.), Auktionator und ehemaliger Rennfahrer.
Die Initiatoren des BMW Art Car Projekts: Jochen Neerpasch (l.), ehemaliger Leiter der BMW Motorsport GmbH, und Hervé Poulain (r.), Auktionator und ehemaliger Rennfahrer (Foto: BMW)

Dabei teilte sich der Franzose das Cockpit mit Jean Guichet (Le Mans Sieger 1964) und Sam Posey. Doch auch wenn nach 73 Runden ein gebrochenes Gleichlaufgelenk zum Ausfall führte, die Idee hatte Charme und Bestand. Denn auch dank der guten Beziehungen von Hervé Poulain startete schon ein Jahr später erneut ein auf Basis eines BMW 3.0 CSL kreiertes Kunstwerk in Le Mans. Diesmal übernahm der New Yorker Frank Stella die Lackierung des Rennwagens. 

Doch auch Brian Redman und Peter Gregg brachte ihr Art Car kein Glück. Schon nach 23 Runden beendete ein Ölverlust die Fahrt des Rennwagens. Trotzdem setzte Roy Lichtenstein 1977 die Reihe mit dem dritten Art Car fort. Im Cockpit des BMW 320i der Gruppe 5 saß dabei auch wieder Hervé Poulain. Zusammen mit dem französischen Rennfahrer Marcel Mignot gelang Poulain im rollenden Kunstwerk erstmals die Zielankunft. Mit dem neunten Platz im Gesamtklassement sprang dabei sogar ein Achtungserfolg heraus.

Andy Warhol übernahm selbst die Gestaltung

Zwei Jahre gestaltete Andy Warhol das vieret BMW Art Car. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern bemalte der Amerikaner jedoch nicht erst ein maßstabgetreues Modell und überließ dann die finale Gestaltung seinen Assistenten. Stattdessen lackierte Warhol den BMW M1 Group 4 in nur 28 Minuten von Anfang bis Ende selbst. Als die Kamerateams anreisten, um die Aktion zu filmen, war das Kunstwerk schon fast vollendet, nur wenige Pinselstriche wurden aufgezeichnet.

Offensichtlich ein gutes Omen, denn einige Wochen später fuhr Hervé Poulain im Team mit Marcel Mignot und dem unvergessenen Manfred Winkelhock in Le Mans auf Platz sechs vor. Damit war der von Warhol auf die Schnelle lackierte Rennwagen auch auf der Strecke der Schnellste. Bis zum kommenden Februar sind diese von den „big four“ des Pop Art-Zeitalters gestalteten Rennwagen Bestandteil der Sonderausstellung „BMW Art Cars | How a vision became reality“ im BMW Museum in München.

Was zeigt BMW Art Cars | How a vision became reality noch?

Ebenfalls Bestandteil der Sonderausstellung ist der 2010 von Jeff Koons gestaltete BMW M3 GT2 Rennwagen. Mit einer bunten Mischung lebhafter Farben setzt Koons bei diesem Rennwagen die Geschwindigkeit ähnlich gekonnt wie sein Vorbild Andy Warhol in Szene. Zudem feiern mit der Ausstellung die BMW Art Cars #18 der chinesischen Video-Künstlerin Cao Fei und #19 des US-amerikanischen Künstlers John Baldessari ihre Premiere in Europa.

BMW Art Car #18 von Cao Fei und BMW Art Car #19 von John Baldessari.
BMW Art Car #18 von Cao Fei und BMW Art Car #19 von John Baldessari (Foto: BMW)

Die 40-jährige Chinesin Cao Fei verknüpft Videokunst mit 3D-Animationen sowie Elementen der virtuellen Realität. Damit stellt Fei bevorzugt die gesellschaftlichen Umbrüche ihres Heimatlandes dar. Folgerichtig spiegelt auch ihr BMW Art Car #18 in karbonschwarzer Farbe den Wandel in China sowie das Spannungsfeld aus Traditionen und Zukunft wider. Mit dem ersten BMW Art Car, das sie mit einem Augmented Reality-Video kombiniert, führt Car Fei die Sammlung ins 21. Jahrhundert.

John Baldessari ist der Gegenpol zu 40-jährigen Fei. Denn der Amerikaner ist der bisher älteste Künstler, der ein BMW Art Car gestaltet. John Baldessari gehören seit Mitte der 1960er Jahre zu den wegweisenden zeitgenössischen Künstlern. Für das 19. BMW Art Car besinnt sich Baldessari auf seine berühmten Markenzeichen. Denn als überzeugter Minimalist arbeitet die Legende der amerikanischen Konzeptkunst ausschließlich mit den Farben Rot, Gelb, Blau und Grün.

Weitere Impressionen aus der Sonderausstellung im BMW Museum „BMW Art Cars | How a vision became reality.“
Weitere Impressionen aus der Sonderausstellung im BMW Museum „BMW Art Cars | How a vision became reality.“ (Foto: BMW)

BMW ergänzt die Sonderausstellung mit Skizzen und Modellen aller bisher gebauten Art Cars. Daneben gehören zahlreiche Bilder und Erinnerungsstücke, die die Einsätze der Rennwagen dokumentieren, zur Ausstellung. Alles zusammen gibt ein wunderbares Bild der BMW Art Cars.

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