Der Mut zum Scheitern ist eine wichtige Voraussetzung, um sich einer Herausforderung zu stellen. Das gilt ganz besonders in Le Mans. Toyota ist auch am zurückliegenden Wochenende spektakulär gescheitert. Denn auch beim 18. Versuch bliebt Japans Nummer eins der Triumph beim wichtigsten Langstreckenrennen der Welt verwehrt.

Schon seit 1923 gibt es das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Die Idee von Georges Durand und Charles Faroux fand schnell Anklang. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte ein Erfolg in Le Mans für Fahrer und Hersteller zu den begehrtesten Zielen im Motorsport. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der japanische Autobauer Toyota jagt diesem Erfolg – mit Pausen – seit 1985 nach.

Beim Debüt vor 31 Jahren war der Toyota-Auftritt im Herzen Frankreichs eine ziemlich patriotische Angelegenheit. Der Gruppe-C-Sportwagen Toyota 85C-L entstand in Zusammenarbeit mit dem Rennwagenbauer Dome. Den Einsatz übernahm der Toyota-Haustuner Tom’s. Am Steuer sitzen mit Satoru Nakajima, Masanori Sekiya und Kaoru Hoshino gleich drei Piloten aus Japan. Ihr 12. Platz war das bisher beste Le Mans Ergebnis eines japanischen Automobilbauers.

Die frühen Jahre von Toyota in Le Mans

Kein Wunder, dass der Erfolg Hunger auf mehr macht. Doch trotz teilweise prominenter Piloten kommt Toyota auch in den kommenden Jahren noch über eine Statistenrolle nicht hinaus. 1987 greift mit Alan Jones sogar ein ehemaliger Formel-1-Weltmeister für Toyota ins Lenkrad. Erst 1990 fährt erstmals ein Toyota unter die ersten zehn im Gesamtklassement. Geoff Lees, Masanori Sekiya und Hitoshi Ogawa steuern ihren Toyota 90C-V auf den sechsten Platz.

Trotzdem zieht sich Toyota am Ende der Saison aus der Sportwagen-Weltmeisterschaft zurück. Das Nachfolgemodell 91C-V darf nur in der All Japan Sports Prototype Championship rennen. Denn damit ist in Le Mans kein Toyota am Start, als Mazda 1991 zum Sieg fuhr. Vermutlich ein glücklicher Umstand, denn eine Niederlage gegen den kleineren Autobauer wäre in den Augen der Verantwortlichen bei Toyota sicher einer Katastrophe gleichgekommen.

Erst 1992 geht Toyota in Le Mans an den Start

Zum Ende der Gruppe-C-Ära stellen die Japaner den Toyota TS010 auf die Räder. Dem neuen Sportwagen werden Siegchancen eingeräumt. Denn beim Test in Monza ist der Sportwagen schneller als die damaligen Formel 1 Rennwagen. Offenbar macht sich bezahlt, dass Toyota die Konstruktion des Rennwagens Tony Southgate anvertraut. Tatsächlich fährt der TS0010 mit einem zweiten Platz hinter Peugeot als erster Toyota in Le Mans auf das Podest.

Als die Sportwagen-Weltmeisterschaft scheitert, darf der Bolide 1993 nur bei den 24 Stunden von Le Mans rennen. Doch während der Toyota im Vorjahr mit dem Peugeot 905 noch auf Augenhöhe unterwegs war, sind die Franzosen 1993 drückend überlegen. Der beste Toyota wird – hinter drei Peugeot – Vierter. Angesichts des Aufwands, den Toyota damals treibt, eine herbe Enttäuschung. Denn die Japaner schicken neben drei TS010 auch noch zwei Toyota 93C-V ins Rennen.

Trotzdem kehrt Toyota ein Jahr später zurück, um sich mit dem Toyota 94C-V von Porsche und Jochen Dauer mit dem GT-Sportwagen Dauer 962 LM vorführen zu lassen. Kein Wunder, dass die Einsätze des Toyota Supra GT LM in den beiden Jahren nur bedingt als offizielle Werkseinsätze gelten. Auch wenn das Einsatzteam SARD traditionell über enge Beziehungen zum Werk verfügt. Erst als Le Mans Veranstalter ACO ab 1998 wieder verstärkt auf Prototypen setzt, ist Toyota offiziell dabei.

Toyota GT-One als Bote einer neuen Zeit

Der Toyota GT-One gilt als Bote einer neuen Zeit und geht als Favorit ins Rennen. Bis Mitternacht liegt der neue Le Mans Prototyp in Führung. Dann streikt das Getriebe. Zweimal gelingt den Toyota-Mechanikern der Wechsel. Doch dann standet der GT-One in Führung liegend rund eine Stunde vor Rennende. Wieder wird es nichts mit dem lange ersehnten Toyota-Sieg in Le Mans. Die Fans fragen sich, ob Toyota Le Mans kann.

Denn ein Jahr später zerstören ein geplatzter Reifen sowie ein Unfall die Hoffnungen der Japaner auf dem Gesamtsieg. Wieder reicht es nur zum zweiten Platz. Toyota stellt das Sportwagen-Programm mit dem GT-One ein, um sich in der Formel 1 zu versuchen. Erst 2011 kehrt Toyota als Motorenlieferant im Lola von Rebellion Racing nach Le Mans zurück. Am Ende springt immerhin ein sechster Platz hinaus. Was offensichtlich Lust auf mehr macht, denn im nächsten Jahr kehrt auch das Werksteam nach Le Mans zurück.

Die Gegenwart von Toyota in Le Mans

Dank der freizügigen Regeln der neuen Sportwagen-Weltmeisterschaft fordert Toyota Dieselpionier Audi mit einem Benzinmotor heraus. Beim Comeback fallen beide Toyota TS030 Hybrid in Le Mans aus. Doch 2013 fährt Toyota endlich wieder auf das Podest. Wie schon 1992 gelingt ein zweiter Platz. Ein Jahr später sichert sich Kazuki Nakajima mit dem Toyota TS040 den besten Startplatz. Bis fünf Uhr morgens liegt in Führung, doch nach 24 Stunden gewinnt erneut Audi.

Ersatzbefriedigung Sportwagen-Weltmeister

Toyota gewinnt die folgenden Läufe der Sportwagen-Weltmeisterschaft und wird Weltmeister. Trotzdem bedauern die Verantwortlichen, dass es mit dem Erfolg in Le Mans wieder nicht geklappt hat. Selbst die Tatsache, dass Toyota mit der Startnummer 1 ins Rennen geht, ist nur ein schwacher Trost. Zumal sich über den Winter die Kraftverhältnisse im Sportwagen-Sport verschoben haben. Hinter Porsche und Audi ist Toyota nur noch die dritte Kraft.

Zeitweilig machen Gerüchte vom Ausstieg aus der Sportwagen-Weltmeisterschaft die Runde. Doch Toyota steht zu seinem Engagement, obwohl der japanische Autobauer 2015 nur das Feld füllt. Mehr als ein sechster Platz springt am Ende nicht heraus. Toyota reagiert sportlich, zieht mit einem Kraftakt die Entwicklung des ursprünglich erst für 2017 geplanten TS050 vor, um am zurückliegenden Wochenende mehr als 23 Stunden wie ein zukünftiger Gewinner auszusehen.

To finish first, you first have to finish!

Spätestens als zehn Minuten vor dem Ende der zweitplatzierte Porsche einen ungeplanten Boxenstopp einlegt, sieht es endlich nach dem ersten Sieg für Toyota aus. Doch um 14:54 Uhr – sechs Minuten vor dem Ende – wendet sich das Blatt. Pilot Kazuki Nakajima funkt an die Box, dass sein Rennwagen keine Leistung mehr habe. Eben jagte der Toyota TS050 noch mit deutlich mehr als 300 Kilometern pro Stunde über die Strecke. Nun ist bei Tempo 200 Schluß.

Verzweifelt versucht der japanische Rennfahrer, seinen in Köln gebauten Rennwagen ins Ziel zu tragen. Schließlich weiß Kazuki Nakajima, dass der zweitplatzierte Porsche trotz des Reifenwechsels in der gleichen Runde wie der Toyota liegt. Mit etwas Glück könnte es gelingen, den knappen Vorsprung ins Ziel zu retten. Doch nach einer halben Runde erlischt auch diese Hoffnung. Auf der Start- und Zielgeraden rollt der Toyota TS050 aus.

Toyota verliert erneut das Rennen. Stattdessen fährt Porsche zum Sieg. Es ist wie immer in Le Mans. Dort, wo die Einen triumphieren, scheitern Andere. Wie bei allen vorherigen Versuchen geht Toyota auch 2016 leer aus. Auch wenn dieses Ende dafür sorgt, dass Toyota 2016 als Sieger der Herzen in die Geschichtsbücher des Rennes eingeht. Denn so knapp vor dem Ziel ist Toyota noch nie gescheitert.

  • 1985 Toyota 85C-L, Toyota 4T-GT 2.1L Turbo I4, Gruppe C1, Platz 12 mit 330 Runden
  • 1986 Dome 86C-L, Toyota 4T-GT 2.1L Turbo I4, Gruppe C1, Platz 20 mit 296 Runden
  • 1987 Toyota 87C-L, Toyota 3S-GTM 2.1L Turbo I4, Gruppe C1, Ausfall nach 39 Runden
  • 1988 Toyota 88C, Toyota 3S-GT 2.1L Turbo I4, Gruppe C1, Platz 12 mit 351 Runden
  • 1989 Toyota 89C-V, Toyota R32V 3.2L Turbo V8, Gruppe C1, Ausfall nach 58 Runden
  • 1990 Toyota 90C-V, Toyota R32V 3.2L Turbo V8, Gruppe C1, Platz 6 mit 347 Runden
  • 1991 nicht am Start
  • 1992 Toyota TS010, Toyota RV10 3.5L V10, Gruppe C1, Platz 2 mit 346 Runden
  • 1993 Toyota TS010, Toyota RV10 3.5L V10, Gruppe C1, Platz 3 mit 364 Runden
  • 1994 Toyota 94C-V, Toyota R36V 3.6L Turbo V8, LMP1 C90, Platz 2 mit 343 Runden
  • 1995 Toyota Supra GT LM, Toyota 3S-GTE 2.1L Turbo I4, GT1, Platz 14 mit 264 Runden
  • 1996 Toyota Supra GT LM, Toyota 3S-GTE 2.1L Turbo I4, GT1, Ausfall nach 205 Runden
  • 1997 nicht am Start
  • 1998 Toyota GT-One, Toyota R36V 3.6L Turbo V8, GT1, Platz 9 mit 326 Runden
  • 1999 Toyota GT-One, Toyota R36V 3.6L Turbo V8, LM GTP, Platz 2 mit 364 Runden
  • 2000 bis 2010 nicht am Start
  • 2011 Motorenlieferant im Lola B10/60 von Rebellion Racing, LMP1, Platz 6 mit 338 Runden
  • 2012 Toyota TS030, Toyota 3.4L V8, LMP1, Ausfall nach 134 Runden
  • 2013 Toyota TS030 Hybrid, Toyota 3.4L V8, LMP1, Platz 2 mit 347 Runden
  • 2014 Toyota TS040 Hybrid, Toyota 3.7L V8, LMP1, Platz 3 mit 374 Runden
  • 2015 Toyota TS040 Hybrid, Toyota 3.7L V8, LMP1, Platz 6 mit 387 Runden
  • 2016 Toyota TS050 Hybrid, Toyota 2.4L Turbo V6, LMP1, Platz 2 mit 381 Runden

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