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Reinkarnation des Swatch-Autos – Toyota ME.WE

Automobile Visionen haben ihren speziellen Reiz. Denn der Ausblick in die Zukunft fasziniert seit Menschengedenken. Toyota hat in Zusammenarbeit mit dem Industrie-Designer Jean Marie Massaud jetzt seine jüngste Zukunftsvision vorgestellt.

Überraschend ist, wie viele Anleihen das Konzeptfahrzeug Toyota ME.WE in der Vergangenheit nimmt. Denn eine Karosserie aus Kunststoff hatten Kleinwagen wie der Lloyd LP 300 oder der Trabant P50 schon vor mehr als 60 Jahren. Andere Details erinnern an das Swatch-Auto von Nicolas G. Hayek. Doch der Reihe nach.

Toyota ME.WE
Der Toyota ME.WE ist flexibel. Und was nicht in den Toyota ME.WE passt, das kommt auf das Dach (Foto: Toyota)

Individuelle Mobilität ist in weiten Teilen der Welt nicht mehr wegzudenken. Zu den großen Zukunftsfragen gehört, wie diese Mobilität mit einem verantwortungsvollen Umgang mit den zur Verfügung stehen Ressourcen zu verbinden ist. Toyotas Antwort auf diese Frage heißt ME.WE. Ein Name, der für „Ich und Wir“ steht und der das Motto „perfekt für mich und gut für andere“ beschreiben soll. Schon diese Beschreibung ähnelt dem Ansatz des Swatch-Erfinders Hayek.

Toyota setzt bei der Realisierung seiner jüngsten Studie auf Leichtbau, Individualität, Recycelbarkeit, nachwachsende Rohstoffe und Elektroantrieb. Zum Leichtbau des ME.WE gehört ein Gitterrohrrahmen aus Aluminium. Ein Werkstoff, der am Ende des Autolebens zu 100 Prozent recycelt werden kann.

Ebenso wie das geschäumte Polypropylen, aus dem Toyota große Teile der Karosserie formte. Der Fahrzeugboden und das Dach bestehen aus Bambusholz. Die leichten Baustoffe sorgen dafür, dass die vollständige Karosserie des Kleinwagens nur 14 Kilogramm wiegt. Insgesamt liegt das Gewicht des 750 Kilogramm schweren ME.WE rund 20 Prozent unter dem vergleichbarer Fahrzeuge.

Kunststoff leicht und flexibel

Mit bis zu vier Sitzplätzen verfügt die Studie formal über alle wesentlichen Merkmale heutiger Kleinwagen. Ungewöhnlich ist die Idee, die Einzelsitze außerhalb des Fahrzeugs zu nutzen. Toyota denkt dabei an ein Picknick im Grünen.

Innenraum des Toyota ME.WE
Der Toyota ME.WE bietet vier Sitze und überrascht mit einem interessanten Innenraumkonzept. Die Sitze können auch im Freien aufgestellt werden. (Foto: Toyota)

Ähnlich ungewöhnlich sind die Heizung und die Klimatisierung ausgelegt. Um den Stromverbrauch der Heizung zu minimieren, hat Toyota eine Wärmepumpe direkt mit den Sitzen gekoppelt. Zur Abfuhr von Wärme lassen sich alle Scheiben öffnen – inklusive der Windschutzscheibe.

Bei der Gestaltung der Karosserie orientiert sich Toyota an unterschiedlichen Kundenbedürfnissen. Denn der ME.WE ist für Toyota als Pickup, Cabrio, Offroader und als kleines Stadtauto denkbar. Auch das erinnert, insbesondere weil Toyota die Standardisierung der Bauteile hervorhebt, an die Ideen von Nicolas G. Hayek.

Der Erfinder der Swatch-Uhr wollte Anfang der 1990er-Jahre ein kleines, pfiffiges und günstiges Auto auf die Räder stellen. Zu seinem Konzept gehörte, wie jetzt bei der Studie ME.WE, die Austauschbarkeit der Karosserieteile. Nach dem Vorbild seiner erfolgreichen Swatch-Uhren sollte der Kunde auch sein Auto bei Bedarf optisch anpassen können.

Toyota ME.WE fährt, wie sich Nicolas Hayek das Smart-Auto vorstellte, elektrisch

Hayek stieg Mitte der 1990er-Jahre auch aus der Zusammenarbeit mit Daimler-Benz aus, weil der Smart nicht von Anfang an als Elektroauto konzipiert wurde. Mit vier Radnaben-Elektromotoren ist die Toyota-Studie ME.WE somit wesentlich mehr das Swatch-Auto, als das Lifestyle-Gefärt Smart es bisher je war.

Toyota stellt (bisher) keine Informationen zu den Leistungsdaten der Studie zur Verfügung. Die Japaner betonen, dass die Studie fahrfähig sei. Trotzdem sei eine Serienfertigung nicht geplant. Schade eigentlich, denn der ME.WE wäre mutig. Ich denke aber, dass Elemente der Studie in einem IQ-Nachfolger weiterleben werden.

Der Toyota ME.WE in Paris
Toyota zeigt den Toyota ME.WE in Paris. (Foto: Toyota)

Wer die Studie ME.WE persönlich in Augenschein nehmen möchte, muss leider nach Paris reisen. Im Toyota Flagshipstore „Le Rendez-Vous Toyota“ in der französischen Hauptstadt stellt der japanische Hersteller die Studie aus. Ob deutsche Autofans die Studie im September auf der IAA bewundern dürfen, ist noch nicht entschieden.

2 Kommentare

  1. Das Swatch-Auto wäre absolut unverkäuflich gewesen. Daimler hat das einzig Richtige getan und den Smart mit Benzinmotor gebaut. Mit einer weicheren Schaltung wäre der von Anfang an richtig erfolgreich gewesen. Glaube nicht daran das Toyota das jetzt besser kann. So ein Auto wäre doch eine Totgeburt! Die wissen schon warum die das Auto nicht in Serie fertigen wollen.

  2. Das Auto hat gar keinen Reiz. Die Styropor- und Bambushülle ist nicht nur hässlich sondern völlig unbrauchbar. Werft nur 50 Jahre Unfallforschung und passive Sicherheit in die Tonne.

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