Mit der Rétromobile in Paris findet in der kommenden Woche die erste große Oldtimer-Messe des Jahres statt. Vom 4. bis zum 8. Februar 2015 ist die französische Hauptstadt für fünf Tage der internationale Mittelpunkt der Oldtimer-Szene. 46.000 Quadratmeter und mehr als 500 ausgestellte Fahrzeuge stehen für die Erkundung durch die Besucher bereit. Die Veranstalter erwarten, dass rund 100.000 Besucher ihrem Ruf folgen.

Was sind die Höhepunkte der Rétromobile 2015?

Im Mittelpunkt der Rétromobile 2015 stehen drei Sonderausstellungen.

Sonderausstellung: The amazing story of Pegaso

Unter der Überschrift „The amazing story of Pegaso“ gilt es, die Geschichte des ehemaligen spanischen Autobauers Pegaso zu erkunden. Hinter dem Markennamen Pegaso verbarg sich ursprünglich die Lastwagensparte von Hispano-Suiza. Der Namenswechsel erfolgte, als das Franco-Regime den Auto- und Flugzeugbauer 1944 verstaatlichte. Kurze Zeit später forderte der General das Unternehmen aus Prestigegründen zum Bau eines Sportwagens auf.

Unter der Leitung Wifredo Ricart, der zuvor bei Alfa Romeo und ab 1946 bei Pegaso tätig war, entstand 1951 der Pegaso Z-102. Der Sportwagen repräsentierte das technisch Machbare seiner Zeit. Den 2,8-Liter-V8-Motor beatmeten vier Doppel-Fallstromvergaser von Weber. In den Zylinderköpfen rotierten jeweils zwei obenliegende Nockenwellen (DOHC), die über Zahnräder angetrieben werden. Die desmodromische Ventilsteuerung kam ohne Ventilfedern aus. Das Fünfgang-Getriebe war – später ein typisches Merkmal vieler Alfa Romeo – an der Hinterachse mit dem Differential verblockt.

Das Design der Karosserie übernahm Pedro Serra. Der Katalane betrieb in Barcelona ein kleines Karosseriebauunternehmen. Dessen Hauptgeschäft war der Wiederaufbau von Luxusfahrzeugen, die zuvor in den Wirren des spanischen Bürgerkriegs zerstört wurden. Neben dem Pegaso begeistert heute besonders sein Karosseriekleid für einen 1934er Lancia Augusta Roadster. Später steuerte Serra das Karosseriedesign für ein nur in Spanien gebautes Coupé des Dodge Dart bei.

Sonderausstellung: The Corrado Lopresto collection

Corrado Lopresto verfügt über eine der aufregendsten Oldtimer-Sammlungen der Welt. Und obwohl Lopresto Italiener ist, gehört zu der mehr als 100 Fahrzeuge großen Sammlung kein einziger Ferrari oder Maserati. Dafür hat der Sammler um so mehr Fahrzeuge von Lancia und Alfa Romeo zusammengetragen. Das Geheimnis hinter seiner Sammlung sind die Formen, die den gelernten Architekten besonders interessieren. Zwölf Fahrzeuge seiner Sammlung wird Corrado Lopresto, der mit seinen Fahrzeugen bereits vier Mal den in Sammlerkreisen begehrten Coppa d’Oro at Villa d’Este gewann, in Paris zeigen:

  • Alfa Romeo 2500 SS Bertone
  • Alfa Romeo 2500 SS Pininfarina
  • Alfa Romeo 6C 1750 Aprile
  • Alfa Romeo Giulietta Pininfarina Prototype
  • Alfa Romeo Giulietta Spider Bertone Prototype
  • Alfa Romeo Praho Touring
  • Autobianchi A112 Giovani Pininfarina
  • Lancia Aurelia B52 Vignale
  • Lancia Flaminia Speciale Pininfarina
  • Lancia Florida 4 Portes Pininfarina Prototype
  • Lancia Sibilo Bertone
  • Osca 1600 GT Touring

Sonderaustellung: Matra tourers

Matra baute nur eine verhältnismäßig kurze Zeit Autos. 1964 übernahm der Rüstungskonzern den angeschlagenen Kleinserienhersteller Automobiles René Bonnet. Hinter der Übernahme steckte auch die Idee, das böse Image des Rüstungsherstellers abzulegen. Doch schon 1970 reichte Matra seine Autosparte an Simca, den französischen Ableger des amerikanischen Autobauers Chrysler weiter. Acht Jahre später war Chrysler finanziell am Boden. Um Geld in die Kasse zu bekommen, verkauften die Amerikaner die europäischen Marken Talbot und Simca an den PSA-Konzern.

Matra fiel an die alten Inhaber zurück. Bis 1984 fertigte Matra Fahrzeuge für PSA. Mit dem Ende dieser Partnerschaft verschwand der Markenname Matra im Autobau endgültig von der Bildfläche. Die Rechte an einer Matra entwickelten Großraumlimousine übernahm Renault. Das damalige Staatsunternehmen verband diese Übernahme mit einem Fertigungsauftrag. Bis Ende 2002 durfte Matra in Romorantin-Lanthenay für Renault die noch den Espace und dessen Ableger Renault Avantime fertigen. Nach dem Renault zur vierten Generation des Espace selbst die Fertigung übernahm, ging Matra Automotive im Februar 2003 in die Insolvenz.

Typisch für Matra war der Einsatz von Kunststoff als Karosseriewerkstoff. Die Sportwagen verfügten zudem über drei Sitze. Die Rétromobile 2015 erinnert an die Geschichte der Matra Automobile. Zur Ausstellung gehören der Djet-Nachfolger Matra 530, die Sportwagen Bagheera und Murena sowie der Rancho – für viele Autofans bis heute der Urvater aller heutigen SUV.

Und was gibt es sonst noch auf der Rétromobile 2015?

Größe scheint ein wichtiges Thema der Rétromobile 2015 zu sein. Denn das Museum Cité de l’Automobile in Mulhouse zeigt drei Bugatti Royale auf der Rétromobile 2015. Die drei Tonnen schweren und mehr als 6,50 Meter langen Luxusfahrzeuge gelten bis heute als Giganten des Autobaus. Und das Panzermuseum in Namur zeigt den einzigen noch „einsatzfähigen“ Panzerkampfwagen VI Tiger II. Ein Kampfpanzer der Wehrmacht, den die Alliierten im Zweiten Weltkrieg wegen seiner Größe und Feuerkraft als „Royal Tiger“ bezeichneten. Für deutsche Oldtimer-Fans ist das Ausstellen eines Panzers auf einer Oldtimer-Ausstellung schwer nachvollziehbar. In Frankreich ist das offensichtlich anders.

Mercedes-Benz nutzt die Rétromobile ebenfalls für eine Präsentation. Unter dem Standmotto „The Past Still Has a Future“ („Die Vergangenheit hat noch immer eine Zukunft“) setzen die Stuttgarter dabei einige Meilensteine ihrer Geschichte in Bezug zu ihren aktuellen Fahrzeugmodellen. Die ausgestellten Klassiker stammen dabei aus drei unterschiedlichen Epochen des Automobils. Der Mercedes-Benz 540 K Stromlinienwagen von 1938 steht für die Tradition des Reisens. Ein Mercedes-Benz 300 SL Rennsport-Prototyp (W 194) verkörpert die Rennsport-Tradition der Stuttgarter. Und das Experimentalfahrzeug Mercedes-Benz C 111 verkörpert die Forschungskompetenz des Hauses Mercedes-Benz.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise der Rétromobile 2015

Die Rétromobile 2015 findet vom 4. bis zum 8. Februar 2015 in Paris (1 Place de la Porte de Versailles) statt. Die Messehallen sind täglich ab 10 Uhr geöffnet. Am Eröffnungstag schließt die Messe um 22 Uhr. An den folgenden Messetagen endet sie um 19 Uhr. Die Eintrittskarten kosten 16 Euro. Kinder bis 12 Jahre haben freien Eintritt.

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