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Verkaufsstopp von Erdgas an Tankstellen ist kalkulierte Panikmache

Aral, Shell, Total, Jet und Esso empfehlen ihren Pächtern den Verkauf des Erdgaskraftstoffs CNG (Compressed Natural Gas) einzustellen. Der Verkaufsstopp von Erdgas an ihren Tankstellen ist ein genauso billiges wie durchsichtiges Manöver. Offensichtlich kommt den Ölmultis die Explosion eines CNG-Fahrzeugs in Niedersachsen gerade recht, um sich einen unliebsamen Konkurrenten vom Hals zu schaffen.

Zunächst einmal ist es ein tragisches Unglück, das sich in der vergangenen Woche in Niedersachsen ereignet hat. Dort ist der Gastank eines VW Touran beim Tanken explodiert. Der Fahrer des CNG-Fahrzeugs liegt schwerverletzt im Krankenhaus. Inzwischen ist bekannt, dass Volkswagen den Halter des Fahrzeugs zum Besuch der Werkstatt aufgefordert hat. Dort sollte der CNG-Tank seines Touran geprüft werden.

Denn die Stahltanks der bisherigen Erdgasfahrzeuge können bei Beschädigungen rosten. Im Fall einer Beschädigung hätte die Werkstatt den Tank also ausgetauscht. Deshalb sind bei neueren Fahrzeugen in der Regel Tanks aus Verbundwerkstoffen verbaut. Trotzdem „empfehlen“ die großen Mineralölverkäufer Aral, Shell, Total, Jet und Esso ihren Pächtern jetzt, die CNG-Säulen stillzulegen.

Faktisch kommt das einem Verkaufsstopp gleich!

Denn das Machtgefüge zwischen den Mineralölunternehmen und den Tankstellen-Pächtern ist eindeutig. Auch wenn die Pächter formal selbstständige Unternehmer sind, die Richtung geben die Ölmultis vor. Der Umgang mit Pächtern ist traditionell rau. In der Branche ist es ein offenes Geheimnis, dass Empfehlungen eine nette Umschreibung für Anweisungen sind.

Die CNG-Zapfsäulen sind den großen Mineralölgesellschaften schon länger ein Dorn im Auge. Denn sie verdienen an dieser sparsamen und umweltfreundlichen Alternative zu klassischen Kraftstoffen in der Regel nicht mit. Obwohl auch auf diesen Zapfsäulen der Markenname der Tankstelle draufsteht, stammt der Erdgaskraftstoff nämlich meist von einem lokalen Energieversorger.

Die lokalen Energieversorger sind im Tankstellen-Business damit eine Art Untermieter. Ein Schelm, wer Böses beim Verkaufsstopp von Erdgas denkt. Für die Mineralölanbieter schmälern CNG und Wasserstoff ihren Umsatz. Solange es nicht genügend CNG-Fahrzeuge gibt, besteht für Mineralölgesellschaften kein Grund, um in den Ausbau der notwendigen Tanktechnik zu investieren. Sie wollen sich nicht die eigene Konkurrenz heranziehen.

Vom passiven Widerstand zum provozierten Imagegau

Also blockieren die Ölanbieter den Ausbau mit einer Art passivem Widerstand. Bisher dulden sie nur ein Mindestmaß an Untermietern an ihren Tankstellen. Rund 400 der Markentankstellen bieten bisher auch CNG an. 500 weitere stehen bei Energieversorgern und freien Tankstellen. Das macht den Verkaufsstopp von Erdgas an den großen Tankstellen zu einem durchsichtigen Manöver.

Denn auch Autos mit Benzin-Motoren geraten von Zeit zu Zeit in Brand. Manchmal passiert das sogar an Tankstellen. Trotzdem würde niemand auf die Idee kommen, einen Verkaufsstopp für Benzin zu verlangen. Stattdessen würde man den Fall in Ruhe untersuchen, um dann festzustellen, dass technische Probleme am Fahrzeug die Ursache waren.

Bei der Explosion eines CNG-Fahrzeugs nimmt man sich diese Ruhe nicht. Stattdessen verhängt die Industrie einen Verkaufsstopp von Erdgas. Ein Verhalten, das geeignet ist, um für einen nachhaltigen Imageschaden von CNG-Fahrzeugen zu sorgen. Gut möglich, dass dies das eigentliche Ziel des hektischen Verkaufsstopps ist.

2 Kommentare

  1. Marcus Classen Reply

    Tragisch, was jetzt in Niedersachsen passiert ist. Aber das sollte noch lange kein Grund sein, zu pauschalisieren. Erdgasfahrzeuge sind sicher, solange sie ordnungsgemäß gewartet werden. Dies war beim explodierten VW ja offenbar nicht der Fall.

    Ich finde, dass in diesem Punkt seitens der Konzerne – und dank der „Berichterstattung“ seitens der großen Medienhäuser auch seitens verunsicherter Bürger – mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird. Beim betanken von benzinbetriebenen Fahrzeugen können auch Gefahren auftauchen (z.B. Verpuffungen), welche genauso gefährlich werden können. Ob einem diese beim Tankvorgang immer bewusst sind oder nicht, sei dahin gestellt. Jedoch werden sie in einem gewissen Maße „toleriert“ – schließlich MUSS ich mein Auto tanken, um von A nach B zu kommen.

    Die Erdölindustrie freut sich doch: je mehr Bürger verunsichert sind, desto mehr werden sich wieder von den CNG-Fahrzeugen abwenden und den konventionellen Sprit tanken. Wollen wir hoffen, dass es genug Menschen da draußen gibt, die sich durch den betriebenen Lobbyismus nicht verunsichern lassen. Mein Standpunkt steht jedenfalls fest: Gas ist und bleibt eine Alternative zu regulären Kraftstoffen.

  2. Hubert Keller Reply

    Ja, Scheiß-Multis und Konzerne. Alle Macht dem Volk, Vorwärts Genossen … Äh, oder nicht … ihr habt Sie doch nicht alle!!! Erdgas kommt von Putin und von dem will man sich doch nun wirklich nicht abhängig machen!!!!

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