Die Formel 1 ist zurzeit eine Formel Mercedes. Die Silberpfeile fahren Kreise um die Konkurrenz. Beim heutigen Großen Preis von Spanien wurde die Mehrzahl der Mitfahrenden überrundet. Kurz vor Schluss erwischte es auch Kimi Räikkönen – auf Platz sieben. Wäre das Rennen nur noch etwas weitergelaufen, dann hätte es auch Fernando Alonso auf Platz sechs erwischt.

Die Überlegenheit von Mercedes erinnert an die Saison 1988.

Damals gewann McLaren-Honda 15 der 16 Saisonrennen. Nur in Monza gewann ein Ferrari, weil der Führende Aytron Senna beim Überrunden vom F1-WM-Debütanten Jean-Louis Schlesser abgeschossen wurde. In der aktuellen Form ist Mercedes in diesem Jahr ähnlich dominant, wie McLaren es 1988 war. Die Entscheidung um den Titel wird zwischen den Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg fallen.

Mit dem heutigen Erfolg hat Hamilton die Führung in der Weltmeisterschaft übernommen. Wobei der Brite – wie Fernando Alonso bei der Schmach der Überrundung – von der Länge Kürze des Rennes profitierte. Denn in den Schlussrunden flog Rosberg mit Siebenmeilenstiefeln an den zeitweilig deutlich führenden Hamilton heran.

Aus fast fünf Sekunden Vorsprung in Runde 48 wurden am Ende der 66 Rennrunden 0,6 Sekunden. Rosberg hatte sich die Reifen besser eingeteilt als der Brite und konnte daher zur Schlussattacke blasen. Doch der Angriff kam einen Hauch zu spät. Rosberg hätte wohl noch eine weitere Runde gebraucht, um sich seinen Teamkollegen für einen Überholversuch zurechtzulegen.

Den Druck hat jetzt Nico Rosberg.
Den Druck hat jetzt Nico Rosberg. (Foto: Mercedes)

Bei den obligatorischen Siegerinterviews auf dem Podium wirkte Rosberg ziemlich zerknautscht. Der intelligente Weltmeister-Sohn kennt die Mechanismen der Branche. Sollte irgendein Team zu Mercedes aufschließen, wird sich das Team für einen Piloten entscheiden. Wenn Rosberg nicht vorher ein sportlicher Befreiungsschlag gelingt, wird sich der Blondschopf in diesem Fall hinter dem Teamkollegen anstellen müssen und zur Nummer Zwei degradiert.

Und der Rest der Formel 1?

Daniel Ricciardo, Red Bull-Renault
Daniel Ricciardo, Red Bull-Renault  – Top of the rest (Foto: Renault)

Dritter wurde – wie bereits im Training – Daniel Ricciardo. Nach 66 Runden lag der Australier schon fast 50 Sekunden hinter den Mercedes. Da ist nicht zu beschönigen. Konkurrenzfähigkeit sieht anders aus. Mit Sorge wird der Nachwuchsstar zur Kenntnis genommen haben, dass sein Teamkollege Sebastian Vettel als Vierter ins Ziel kam. Denn der Weltmeister ging nach Getriebeproblemen im Training „nur“ vom 15. Startplatz ins Rennen.

Der Red Bull ist ein gutes Auto. Das Problem ist die Antriebseinheit von Renault. Sie liegt nicht auf dem Niveau von Mercedes. Ein Baustein des Mercedes-Erfolgs ist das offensichtlich optimal auf den Motor abgestimmte Benzin von Mercedes-Partner Petronas. Renault hat das erkannt und zusammen mit seinem Lieferanten Total den Kampf aufgenommen. Die Fortschritte sind sichtbar, aber bis zur Spitze ist es noch ein weiter Weg.

Ähnlich ist die Situation bei Ferrari

Mit den Plätzen sechs und sieben bliebt das Team sicherlich hinter den eigenen Erwartungen zurück. In Maranello brennt längst der Baum. Der Rauswurf von Stefano Domenicali spricht eine deutliche Sprache. Auch wenn Ferrari-Chef Luca di Montezemolo es bei jeder Gelegenheit dementiert, die Gerüchte um eine Rückkehr von Ross Brawn halten sich hartnäckig.

Fernando Alonso im Ferrari
Fernando Alonso im Ferrari (Foto: Ferrari)

Ob der Brite tatsächlich helfen würde, ist alles andere als sicher. Ferrari hat viele Baustellen. Auffällig ist, wie lustlos Ferrari-Star Fernando Alonso wirkt. Es würde mich nicht wundern, wenn der Spanier dem Werben von McLaren erliegen würde. Der bisherige Mercedes-Kunde wird im nächsten Jahr mit Honda-Motoren antreten. Ein Pilot wie Fernando Alonso würde der britisch-japanischen Allianz gut zu Gesicht stehen.

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