Einige Spötter behaupten, dass der Tempoverstoß fast so alt wie das Auto sei. Und praktisch genauso lange überwachen staatliche Organe den Verkehr. Lange kamen dabei Stoppuhren zum Einsatz. Später stiegen die Ordnungshüter auf Lichtschranken oder Radaranlagen um. Besonders „effektiv“ zeigen sich dabei mobile Überwachungsanlagen. Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer weckte jetzt einen der ersten in Deutschland eingesetzten Blitzer-Bullis aus dem „Dornröschenschlaf“.

Der Bulli-Radarblitzer, Baujahr 1953 stand nach seiner „aktiven Dienstzeit“ über Jahrzehnte in Garagen und Hallen. Zuletzt hütete ein Kfz-Meister aus Hannover den „Schatz“. Als der historische VW Bus Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer (VWNO) angeboten wurde, schlug die Klassik-Abteilung der VW-Nutzfahrzeugsparte sofort zu. Denn der blaue VW Bulli war zwar völlig verstaubt, doch unter der dicken Staubschicht gut in Schuss.

Heckansicht des historischen Blitzer-BulliHeckansicht des historischen Blitzer-Bulli
Heckansicht des historischen Blitzer-Bulli – gut zu sehen ist das große Blitzlicht (Foto:; Volkswagen Nutzfahrzeuge)

Das Fahrzeug (Baujahr 1953, Tachostand: 65.144 Kilometer, damaliger Neupreis 6.750 DM) wurde ursprünglich von der Polizei-Beschaffungsstelle Niedersachsen erworben. Nach seinem Einsatz für die Polizei Hannover wurden von 1961 bis 1964 damit Polizisten für den Umgang mit mobilen Radarmessungen geschult. Polizei-Mitarbeiter der „Ausbildungsstelle für Technik und Verkehr“ installierten in das Heck des blauen Fahrzeugs ein Blitzgerät, das mit einer Verschlussklappe getarnt war.

Die Radaranlage des Typs „Telefunken VRG2“ selbst war im Innenraum untergebracht. Hier werteten Polizeibeamte an einem kleinen Schreibtisch die ermittelten Daten aus. 1964 meldete die Polizei den Bulli ab und verkaufte das Fahrzeug. Der Blitzer-Bulli landete in Garagen und Scheunen, stand so zwar vor Witterungseinflüssen geschützt – blieb aber jahrelang weitgehend unbeachtet. Aus Zeitmangel fand eine geplante Restaurierung nie statt.

Ölwechsel, neue Batterie und der Bulli läuft

Tobias Twele von VWNO gerät beim Gespräch über den historischen Bulli sofort ins Schwärmen. „Nach 54 Jahren Standzeit mussten wir nur Öl und Zündkerzen wechseln sowie eine neue Batterie einbauen.“ Anschließend lief der 25 PS starke Boxermotor sofort wieder. Auch sonst kann sich der Bus sehen lassen. Twele weiter: „Der Wagen hat kaum Rost im Unterboden und an tragenden Teilen. Der is‘ noch richtig gut in Schuss!“ 

Das Radarmessgerät im historischen Blitzer-BulliDas Radarmessgerät im historischen Blitzer-Bulli
Das Radarmessgerät von Telefunken im historischen Blitzer-Bulli (Foto: Volkswagen Nutzfahrzeuge)

Daran ändert auch der Staub, der sich während der langen Standzeit auf dem Dach und in der Regenrinne ansammelte, nichts. Twele hütet diesen wie einen Schatz: „Der muss unbedingt bleiben, der gehört zu diesem Bulli dazu!“ Den Oldtimer-Experten der Volkswagen Nutzfahrzeugsparte ist wichtig, den alten VW Bus in einem authentischen Zustand zu belassen. Sie ergänzten daher die Innenausstattung um fehlende, zeitgenössische Ausstattungsdetails wie beispielsweise das Mobiliar.

Das bei der Pressevortsellung des Blitzer-Bulli präsentierte zeitgenössische Verkehrsradargerät „Telefunken VRG2“ stammt aus dem Bestand der Physikalisch-Technische Bundesanstalt Braunschweig und ist auch nach fast 60 Jahren noch funktionsfähig ist. Sie misst auch heute noch sehr genau mit einer maximalen Abweichung von drei km/h und liegt damit im absoluten Toleranzbereich.


AutoNatives.de ist auch bei Facebook. Wir freuen uns über ein Like.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Fronansicht des historischen Blitzer Bullis

Foto: Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer

Ähnliche Arikel:

Author

Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

Write A Comment