Für Porsche war Nordamerika immer wichtiger Markt. Anders als heute, wo der Motorsport in den USA von der Low-Tech-Serie Nascar dominiert wird, war Amerika vor 40 Jahren auch im Motorsport noch das gelobte Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Im „Canadian-American Challenge Cup“ (CanAm) war so gut wie alles erlaubt. Woraufhin Porsche mit dem Porsche 917 Spyder den ultimativen Rennwagen dieser Ära schuf. Wir blicken in drei Teilen auf diese Ära, die nur zwei Jahre dauerte, zurück.

In den Anfangsjahren der 1966 gegründeten CanAm dominierten die britischen Rennwagenschmieden. Zunächst Lola mit dem Lola T70, dann McLaren mit den Typen M6 und M8. Im Schatten der McLaren, die von 1967 bis 1971 gleich fünf Titel in Folge gewannen, blieb es Jo Siffert und Tony Dean vorbehalten, Porsche in der CanAm salonfähig zu machen. Doch das Hauptinteresse des Werks galt in diesen Jahren dem Triumph in Le Mans. 1969 sicherte sich Siffert einen vierten Platz in der Gesamtwertung, zwei Jahre später bestätigte der Schweizer diese Platzierung.

Trotzdem war es Tony Dean, der bereits 1970 mit einem Porsche in der CanAm zum Sieg fuhr. Beim Rennen in Road Atlanta profitierte der Amerikaner am Steuer seines Porsche 908/02 allerdings davon, dass zahlreiche schnellere Fahrzeuge das Rennen nicht beenden konnten. Richtig in Fahrt kam das CanAm-Projekt der Marke Porsche erst, als Anfang 1972 in der Sportwagen-Weltmeisterschaft und damit auch in Le Mans der Hubraum der Sportwagen auf drei Liter limitiert wurde.

Man muss davon ausgehen, dass diese Hubraumbegrenzung in der Sportwagen-Weltmeisterschaft vor allem deshalb eingeführt wurde, weil Porsche mit dem 917 drückend überlegen war. Selbst die Kundenfahrzeuge schlugen Werkswagen der anderen Marken regelmäßig. Da Porsche anders als Ferrari und Matra keinen wettbewerbsfähigen 3-Liter-Motor hatte, wechselte man – fast trotzig – in die CanAm. Wo sich die Geschichte wiederholte, denn Porsche schuf in den USA innerhalb von zwei Jahren auch hier den wohl ultimativen Rennwagen einer Ära.

Für Amerika benötigt man einen großen Motor

Die CanAm war Anfang der 1970er-Jahre die Heimat der stärksten Rennwagen der Welt. Dank großvolumiger V8-Motoren verfügten die offenen Sportwagen der Meisterschaft über rund 800 PS. Dazu lockten großzügige Antrittsgelder und Siegprämien Fahrer aus aller Welt zu den Sportwagen-Rennen in Nordamerika. Porsche war klar, dass selbst der 4,9 Liter große Motor aus Le Mans nicht reichen würde, um in der CanAm gegen die McLaren und Lola mit ihren bis zu neun Litern großen Motoren von Chevrolet bestehen zu können.

Porsche 917 mit dem 16-Zylinder-Motor
Porsche 917 mit dem 16-Zylinder-Motor

Rund 200 PS fehlten dem 12-Zylinder-Boxer von Porsche. Die Entwicklermannschaft rund um Ferdinand Piëch als damaligen Leiter der Porsche-Entwicklungsabteilung plante zunächst, in Amerika mit einem neuen 16-Zylindermotor zu starten. Doch dieser Motor erwies sich bei Tests als nicht standfest genug. Zudem bemängelten die Piloten, dass der 917 mit dem 16-Zylindermotor schlechter zu fahren sei.

Die Lösung war der Turbo

Als Alternative bestückte man den bewährten 4,5 Liter großen 12-Zylindermotor aus der Sportwagen-Weltmeisterschaft mit zwei Turboladern. Damit erreichte man sofort 750 PS. Das lag auf dem Niveau des 16-Zylindermotors. In zahlreichen Prüfstandversuchen und Testfahrten steigerte man die Leistung kontinuierlich. Bald hatten die Piloten im nun Porsche 917/10 TC (Turbo Charged) genannten Rennwagen 850 PS zur Verfügung.

Zudem modifizierte man – im Vergleich zu den Rennwagen aus der Sportwagen-Weltmeisterschaft – die Karosserie des Sportwagens. In Amerika waren offene Rennwagen gefragt. Bereits 1971 sorgten am Porsche 917/10 genannten Rennwagen mit Saugmotor, den Jo Siffert fuhr, eine schaufelartige Frontpartie und ein großer Heckflügel für deutlich mehr Abtrieb als bei den bisherigen Rennwagen.

Lesen Sie im zweiten Teil dieser Serie über Porsche und die CanAm in einer Woche die Geschichte von einem Ersatzmann, der zum Meister reift.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Porsche 917/10 von Brumos

Der Porsche 917 Spyder wurde zum Rennwagen einer Ära. Bereits damals als Porsche-Kunde aktiv: Brumos (Fotos: Porsche)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.