Otto wer? Diese Frage ist ungerecht und doch verständlich. Auch vor Michael Schumacher und Sebastian Vettel gab es erfolgreiche deutsche Rennfahrer. Weit bekannt sind die Namen der Vorkriegs-Asse wie Bernd Rosemeyer oder Rudolf Caracciola. Andere große Piloten sind dagegen weitestgehend vergessen. Otto Merz, der heute vor 80 Jahren auf der AVUS tödlich verunglückte, gehört in diese Kategorie.

Mit 16 Jahren kam der 1889 in Cannstatt geborne Merz zur Daimler-Motorengesellschaft. Bereits als Lehrling arbeitete Merz im Daimler-Rennteam. Später arbeitete Merz als Chauffeur und Mechaniker für den Bier-Erben Theodore Dreher und den Industriellen Willy Pöge. Beide waren im Rennsport vor dem Ersten Weltkrieg bekannte Größen. Otto Merz war an ihrer Seite als Schmiermaxe tätig, wie der Volksmund die mitfahrenden Mechaniker an Bord der Rennwagen in dieser Zeit nannte.

Nach dem Tod von Theodore Dreher wandte sich Otto Merz vorübergehend vom Rennsport ab. Als Chauffeur des Grafen Alexander von Boos-Waldeck wurde Merz Augenzeuge des Attentats von Sarajevo, das den Ersten Weltkrieg auslöste. Der Überlieferung nach war es Merz, der den beleibten Erzherzog Franz Ferdinand nach den tödlichen Schüssen aus seinem Auto hob.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Otto Merz endgültig Rennfahrer. Bei allen vielen Rennen der frühen 1920er-Jahre ging Merz an den Start. Als ehemaliger Lehrling der Daimler-Motorengesellschaft fuhr Merz ab 1926 für Mercedes-Benz. 1927 gewann Merz, vor seinem Teamkollegen Christian Werner, den Großen Preis von Deutschland.

Es war der erste auf dem Nürburgring ausgetragene Grand Prix von Deutschland. Ein Jahr später belegte Merz bei diesem Rennen den zweiten Platz. Wobei Merz, anders als die Sieger Christian Werner und Rudolf Caracciola, die Distanz über 18 Runden auf dem Nürburgring im Alleingang bewältigte.

Manfred von Brauchitsch Mercedes-Benz SSKL
Manfred von Brauchitsch im Mercedes-Benz Typ SSKL Rennsportwagen mit Stromlinienkarosserie (Foto: Mercedes-Benz)

In der Weltwirtschaftskrise zog sich Mercedes-Benz vom Motorsport zurück. Genauso wie Christian Werner blieb Merz Mercedes-Benz treu. Beide Piloten verzichteten darauf, Angebote anderer Hersteller anzunehmen. Werner starb im Juni 1932 an einer Herzlähmung. Doch der 43-Jährige Merz wurde 1933 Bestandteil der neuen Mercedes-Benz Werkmannschaft.

Beim Rennen auf der AVUS in Berlin konnte Star-Pilot Caracciola nach einem Unfall in Monaco nicht starten. Mercedes benannte Otto Merz und den Nachwuchspiloten Manfred von Brauchitsch für das wichtige Rennen in der deutschen Hauptstadt. Während der Trainingsläufe ging starker Regen über der Strecke nieder.

Augenzeugen berichteten später, dass die Piloten von Brauchitsch und Merz auf der Strecke stark mit den schweren, stromlinienverkleideten SSKL Rennwagen zu kämpfen hatten. Kurz nach 13:00 verunglückte Merz auf der Höhe des Bahnhofs Grunewald, rund zwei Kilometer nach der Startlinie. An dieser Stelle wechselte der Belag der Rennstrecke zwischen Asphalt und Kopfsteinpflaster. Das machte den Rennwagen instabil.

Unglücklich, dass ausgerechnet hier eine starke Windbö den Mercedes erfasste und den Rennwagen von der Bahn schleuderte. Spätere Messungen ergaben, dass der Mercedes mehr als 30 Meter in der Luft war, bevor das Fahrzeug einen schweren Begrenzungsstein am Rande der Strecke traf. Otto Merz hatte keine Chance und erlag kurze Zeit später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

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