In Wolfsburg präsentierte Volkswagen gerade den neuen VW Golf. Das ist ein Großereignis. Denn der kompakte Golf ist seit 45 Jahren der Verkaufsschlager des größten europäischen Autobauers. Doch in Zeiten von SUV und Elektroautos stellt sich die Frage, welche Zukunft der VW Golf eigentlich hat?

Volkswagen vermeidet – zumindest öffentlich – alle Zweifel an der Zukunft seiner konventionellen Kompaktklasse. Doch zwischen den Zeilen liest sich das anders. Denn in den guten alten Zeiten, da trug sich die Nachricht von der Präsentation eines neuen Golf praktisch von alleine. Heute begleiten für Volkswagen gleich drei Offensiven die Premiere. Denn mit dem neuen Golf feiert Volkswagen gleichzeitig eine Digitaloffensive, eine Hybridoffensive und eine Sicherheitsoffensive.

Viel, hilft viel?

Ja, die Verantwortlichen von Volkswagen nennen das wirklich so. Diese Beigabe-Taktik erinnert etwas an den Hamburger Fischmarkt, wo Marktschreier zur Unterhaltung des Publikums lautstark Plastiktüten mit Inhalt füllen „… Ein hab ich noch …“ Die Taktik dabei ist, dass der Kunden den Eindruck bekommt, dass er für sein Geld mehr als üblich bekommt. Wer das Schauspiel einmal erlebt hat, der weiß, dass dabei auch jede Menge Nippes in den Tüten landen.

Heckansicht des neuen VW Golf
Heckansicht des neuen VW Golf – ins Auge fällt sofort der große Schriftzug mit dem Modellnamen. Das kennen Volkswagen-Kunden bereits vom T-Roc und T-Cross (Foto: Volkswagen)

Bei einem auf dem Fischmarkt bekannten Wurstverkäufer landen neben dem Aal oder der Salami, die den Kunden eigentlich interessiert, zahlreiche weitere Dinge in der Tüte. Immer wieder ergänzen die Verkäufer in ihrer Show den Inhalt der Wundertüte mit Dreingaben. Das können weitere Würstchen aber auch Spielzeuge oder Süßigkeiten sein. Die Kreativität der Verkäufer kennt da keine Grenzen.

Durch den Aktionismus des Verkäufers sehen die 20 Euro, die die Tüte kosten soll, nach einem guten Geschäft aus. Doch wer sich den Inhalt der Tüte später zu Hause genauer ansieht, der stellt schnell fest, dass er hauptsächlich drei Salami kaufte. Die haben einen Wert von 7,50 Euro. Die weiteren Beilagen in der Tüte kosten vielleicht das Gleiche. Und plötzlich sehen die 20 Euro nicht mehr so günstig aus. Es ist halt immer eine Frage des Standpunkts!

Und was hat das mit dem neuen VW Golf zu tun?

Jede Menge, denn das Stichwort Digitaloffensive beschreibt Volkswagen in seinen Presseunterlagen wie folgt: „Anzeigen und Bedienelemente sind konsequent digitalisiert, damit sie selbsterklärend funktionieren.“. Die Hybridoffensive unterstreicht, dass der neue VW Golf als erster Volkswagen mit fünf Hybridversionen bei den Händlern steht. Klingt viel, aber Angesichts der Tatsache, dass das Marketing dabei auch die Mild-Hybrid-Varianten mitzählt, relativiert sich das schon etwas.

Innenraum des neuen VW Golf
Der Innenraum ist Teil der Digitaloffensive. Damit meint Volkswagen dass die Anzeigen und Bedienelemente konsequent digitalisiert sind, damit sie selbsterklärend funktionieren. Eigentlich nichts Neues, denn das war schon immer eine Stärke des Golf. (Foto: Volkswagen)

Wirklich neu ist nur, dass der neue Golf als erste Volkswagen mit serienmäßiger Car2X-Kommunikation glänzt. Hinter dem Kunstwort „Car2X“verbirgt sich die Kommunikation des eigenen Autos mit anderen Fahrzeugen in seinem Umfeld sowie der Infrastruktur. In einer – wer weiß wie fernen Zukunft – teilen Ampeln ihrem Umfeld mit, wann sie umschalten. Oder vorausfahrende Autos kündigen einen Bremsvorgang an. Dadurch können die Fahrzeuge dahinter schneller als bisher reagieren und ebenfalls bremsen. Ob das schon eine Sicherheitsoffensive ist?

Ich sehe hier eher ein Henne-Ei-Problem. Aber Einer muss bei solchen Systemen immer den Anfang machen. Trotzdem, merken Sie Angesicht der Begleiter was? Ein hab‘ ich noch …

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