Zu den bisher feststehenden Gesetzmäßigkeiten des Automarkts gehört, dass ein SUV-Vollcabrio bei den Kunden durchfällt. Trotzdem versucht sich jetzt Volkswagen mit dem VW T-Roc Cabrio in diesem speziellen Segment des Markts. Rollen die Wolfsburger den Markt auf? Oder floppt auch das VW T-Roc Cabrio?

Vor ein paar Tagen präsentierte Volkswagen das VW T-Roc Cabrio. Es steht Anfang 2020 bei den Händlern. Der Einstieg erfordert mindestens 28.000 Euro. Die Idee, einen SUV aufzuschneiden, ist nicht neu. Schon Ur-Väter der Geländewagen-Gattung waren offen. Denn das Kommandeurskabriolett von Steyr, der Willys MB Jeep oder der erste Land Rover waren Vollcabrios. Doch bei ihnen leitete sich das fehlende Dach vom Einsatzzweck ab.

Je häufiger Großstadtmenschen in Geländewagen reisten, um so mehr wurde das feste Dach zum Standard. Doch in den späten 1960er-Jahren entstanden die ersten Lifestyle-Geländegänger. Kein Wunder, dass es den International Harvester Scout und den davon abgeleiteten Monteverdi Sahara bald auch als Cabrio gab. Zuletzt mühten sich Nissan und Jaguar Land Rover erfolglos mit offenen Lifestyle-SUV ab.

Das Nissan Murano CrossCabrio gab es von 2011 bis 2015 nur in den USA. Der Range Rover Evoque Convertible kam vor drei Jahren auch bei uns auf den Markt. Beide tanzen nur wenige Sommer. Inzwischen stellten beide Autobauer ihre offenen SUV wieder ein. Bei Jaguar Land Rover spielt sicher auch eine Rolle, dass der Evoque II noch nur als 5-Türer verfügbar ist.

Das VW T-Roc Cabrio überrascht!

Denn bisher schaffte es kein Hersteller, ein SUV-Vollcabrio dauerhaft zum Erfolg zu führen. Gerade Volkswagen hat nicht den Ruf, neue Märkte zu erschließen. Der Marktführer beobachtet in der Regel, welche Nische bei anderen funktioniert, um diese dann in der Breite aufzurollen. Ein SUV-Vollcabrio paßt nicht in dieses Raster. Denn die Nische funktionierte bisher bei keinem anderen Anbieter.

Es wäre überraschend, wenn das ausgerechnet bei Volkswagen anders wäre! VW-Kunden gelten überwiegend als konservativ. Die SUV-Käufer unter ihnen sind besonders komfortorientiert. Sie lockt die hohe Sitzposition und der damit verbundene bequeme Einstieg. Cabrio-Käufer wählen den Geist von Freiheit und Abenteuer, der vom offenen Dach ausgeht. Dieser Widerspruch lies offene SUV schon bei anderen Herstellern scheitern.

Für ein neues Cabrio von VW spricht eigentlich nur der Druck des Vertriebs. Denn ihm fehlt der passende Nachfolger für die ausgelaufenen offenen Modelle EOS, Golf und Beetle Cabrio. Im Kontakt mit diesen Kunden bleibt den Verkäufern im Moment nur der Hinweis auf das neue A3 Cabriolet. Doch der Vertrieb der Marken Audi und Volkswagen operiert getrennt. Insofern ist der Hinweis praktisch gleichbedeutend mit dem Verlust eines Stammkunden.

Der Zeitpunkt für einen offenen SUV ist ungünstig!

Denn inzwischen führen wir eine Klimadebatte. Durch ihr höheres Gewicht und ihren höheren Luftwiderstand verbrauchen SUV mehr als klassische Limousinen oder Kombis. Das kommt auch bei den Käufern an. Wer umweltbewusst Autofahren will, der entscheidet sich inzwischen gegen einen SUV. Insofern ist das VW T-Roc Cabrio nicht nur das falsche Auto. Es kommt auch in einem Moment, wo der Drang zum SUV nachlässt.

Ich frage mich wirklich, wer in diesem Umfeld ein SUV-Vollcabrio kaufen will. Denn bei offenem Dach sind die Insassen gut sichtbar. Ja, sie präsentieren sich den Menschen am Straßenrand geradezu. Das erfordert in der aktuellen Klimadebatte einen gewissen Hang zum Exhibitionismus. Egal, wie ich das Blatt auch wende, das VW T-Roc Cabrio hat alle Anlagen zum Flop!


Wer sich das VW T-Roc Cabrio etwas genauer ansehen möchte, der findet bei Matthias von motoreport.de und Benjamin von automativ.de erste Bilder.

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